Bayern

Keine Leiche – trotzdem neuer Prozess

Frau spurlos weg, Mann verurteilt – und jetzt die Wende: Warum der mysteriöse Fall aus Franken neu vor Gericht landet.

11.10.2026, 04:00 Uhr

Fall aus Oberfranken wird neu verhandelt

Was im Sommer 2024 mit einer 33-jährigen Prostituierten in Oberfranken geschah, ist bis heute ungeklärt. Die Frau verschwand spurlos, eine Leiche wurde nie gefunden. Trotzdem endete ein erstes Verfahren mit einer Verurteilung wegen Totschlags gegen ihren inzwischen 75 Jahre alten Lebensgefährten. Nun muss der Fall jedoch erneut vor Gericht verhandelt werden.

Der neue Prozess beginnt am Montag, 12. Oktober. Weitere Verhandlungstage sind bis zum 15. Januar vorgesehen.

BGH hob das erste Urteil auf

Der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil des Landgerichts Bamberg. Nach Auffassung der Richter war im ersten Verfahren zu wenig berücksichtigt worden, dass es auch andere Erklärungen für das Verschwinden der Frau geben könnte. Ebenso sei nicht ausgeschlossen worden, dass möglicherweise eine andere Person für ihren Tod verantwortlich sein könnte.

Jetzt befasst sich eine andere Strafkammer des Landgerichts mit dem Fall.

Keine Leiche, keine Aussage des Angeklagten

Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, weil der Körper der Frau bis heute nicht gefunden wurde. Hinzu kam, dass der Angeklagte im ersten Prozess keinerlei Angaben machte.

Das Gericht war damals davon überzeugt, dass der Mann die Frau im August 2024 während eines Streits auf seinem Grundstück bei Eggolsheim im Landkreis Forchheim getötet und den Leichnam anschließend an einen unbekannten Ort gebracht hatte.

Der Deutsche soll die 33-Jährige bereits 2023 in einem Nürnberger Saunaclub kennengelernt haben. Danach führten beide eine Beziehung, bei der offenbar auch Geld eine Rolle spielte.

Nach Einschätzung der Richter eskalierte die Situation am 1. August 2024. Demnach habe die Frau erkannt, dass sie von „ihrem Opa“ – so soll sie den Mann gegenüber ihrer Familie genannt haben – vorerst kein weiteres Geld mehr bekommen würde. Sie habe daraufhin angekündigt, allein nach Bulgarien reisen zu wollen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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