Neues Strafjustizzentrum in München eröffnet
Nach mehr als zehn Jahren Bauzeit ist das neue Strafjustizzentrum am Münchner Leonrodplatz offiziell eröffnet worden. Der Neubau kostete rund 400 Millionen Euro und damit deutlich mehr als ursprünglich vorgesehen. Künftig werden dort vier Gerichte sowie die Staatsanwaltschaften München I und II untergebracht.
Bei der Eröffnung sprach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) von einem „echten Prunkpalast“ und hob die Bedeutung des Gebäudes für die bayerische Justiz hervor. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) nannte die Inbetriebnahme einen großen Tag für die Münchner Justiz.
Der reguläre Betrieb soll Ende Juni beginnen. Dann wird das bisherige Strafjustizzentrum aus den 1970er Jahren nach fast 50 Jahren ersetzt. Der Altbau, der einst 100 Millionen D-Mark kostete, war seit 1977 Schauplatz der Strafverfahren der Landgerichte München I und II, des Amtsgerichts und des Oberlandesgerichts.
Die Bauphase verlief nicht ohne Probleme. Zunächst wurde Schimmel an einer Wand entdeckt. Später musste nachgebessert werden, weil Gefangenentransporte nicht wie geplant in die Tiefgarage passten.
Im neuen Strafjustizzentrum sollen künftig rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 39.300 Quadratmetern arbeiten. Das Gebäude verfügt über drei Innenhöfe, getrennte Treppenhäuser für Häftlinge und Richter sowie insgesamt 54 Sitzungssäle. Die Säle tragen die Namen der bevölkerungsreichsten Orte aus den jeweiligen Amtsgerichtsbezirken.
Der größte Saal ist teilbar und trägt deshalb die Namen Illertissen und Neu-Ulm. Dort soll im Juli die erste Verhandlung im neuen Gebäude beginnen: der bereits laufende Prozess gegen mutmaßliche Reichsbürger, denen Umsturzpläne vorgeworfen werden.
Einer der größten Umzüge Deutschlands
Nach Angaben des bayerischen Justizministeriums zählt der Umzug in das neue Zentrum zu den größten in Deutschland. Für den Transport von rund 300.000 Umzugskartons werden etwa 1.500 Lkw-Ladungen benötigt.
Eisenreich bezeichnete das bisherige Strafjustizzentrum als die „Herzkammer der Münchner Strafjustiz“. Dort wurden unter anderem Prozesse gegen die Mörder von Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer sowie gegen den NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk geführt.
Mit dem Neubau am Leonrodplatz werden die strafrechtlichen Abteilungen von vier Gerichten und zwei Staatsanwaltschaften zusammengeführt, die bislang auf sieben Münchner Standorte verteilt waren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion