Bayern

Isar vor dem Aus – doch was folgt jetzt?

Was nach dem AKW Isar kommt, überrascht: Nach dem Rückbau bis 2040 könnte ausgerechnet Kernfusion das nächste Kapitel sein.

08.10.2026, 12:14 Uhr

Rückbau des Kernkraftwerks Isar soll bis 2040 abgeschlossen sein

Der Abbau des Kernkraftwerks Isar in Niederbayern liegt weiterhin im Zeitplan und soll im Frühjahr 2040 beendet werden. Bei einer Informationsveranstaltung in Essenbach erläuterte Standortleiter Carsten Müller den aktuellen Stand der Arbeiten in den Blöcken 1 und 2. Parallel dazu denkt Betreiber PreussenElektra bereits über eine künftige Nutzung des Areals nach. Im Gespräch sind unter anderem Batteriespeicher, Rechenzentren und langfristig auch Kernfusion.

Isar 2 war im April 2023 im Zuge des deutschen Atomausstiegs endgültig abgeschaltet worden. Die offizielle Genehmigung für den Rückbau erteilte das Umweltministerium im März 2024. Bereits zuvor waren vorbereitende Schritte erfolgt: So wurden etwa die Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter entfernt und in das Lagerbecken gebracht. Seit rund zweieinhalb Jahren laufen nun die eigentlichen Rückbauarbeiten.

Letzte Genehmigung für Isar 2 liegt vor

Nach Angaben von Müller ist inzwischen auch die zweite und damit letzte notwendige Genehmigung für den Rückbau von Isar 2 erteilt worden. Sie betrifft vor allem die Demontage des Reaktordruckbehälters und des ihn umgebenden biologischen Schildes. Derzeit werden in Block 2 die Einbauten des Reaktordruckbehälters zerlegt, gleichzeitig laufen Vorbereitungen für den Ausbau der Dampferzeuger.

Auch bei Isar 1 schreiten die Arbeiten voran. Der Block war bereits 2011 stillgelegt worden und befindet sich seit 2017 im Rückbau. Dort wird aktuell das Lager- und Abstellbecken abgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten am biologischen Schild und am Sicherheitsbehälter kann als nächster Schritt die Dekontamination der Gebäude erfolgen. Danach wäre der konventionelle Abriss möglich.

Neue Perspektiven für die Belegschaft

PreussenElektra-Geschäftsführer Guido Knott, der zum Jahresende in den Ruhestand geht, sieht eine große Herausforderung beim Personal. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liege bei etwa 50 Jahren. In einigen Jahren könnten dem Unternehmen Fachkräfte fehlen, um die Rückbauarbeiten im erforderlichen Umfang weiterzuführen. Zugleich werde sich das Aufgabenfeld stark verändern. Gerade jüngeren Mitarbeitenden sollen deshalb durch neue Projekte am Standort langfristige Perspektiven eröffnet werden.

Knott betonte, dass mit dem Ende der Kernenergie vor Ort nicht einfach nur ein Abschnitt beendet werde, sondern zugleich ein neuer beginne. Ein erstes Vorhaben ist bereits angelaufen: Auf dem Gelände neben dem Kraftwerk haben vorbereitende Arbeiten für den Batteriespeicher FlexIsar begonnen, ein Gemeinschaftsprojekt von PreussenElektra und Bayernwerk Natur. Geplant ist eine Anlage mit 52 Megawatt Leistung und einer Speicherkapazität von 121 Megawattstunden. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 vorgesehen.

Unabhängig davon plant das Münchner Investmentunternehmen Advisum in der Nachbargemeinde Niederaichbach auf einer Fläche von fünf Hektar ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt sowie einen Batteriespeicher mit 900 Megawatt Leistung.

Kernfusion als langfristige Vision

Nach Einschätzung von Knott könnte auch das Thema Kernfusion künftig für den Standort Isar interessant werden. Bei der Veranstaltung zeigte er ein KI-generiertes Bild, das einen möglichen Fusionscampus am Standort visualisierte. Der Physiker Cyril Stephanos von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften erklärte in seinem Vortrag, Deutschland habe mit seinen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und der Industrie gute Chancen, im Bereich der Kernfusion international eine führende Rolle einzunehmen. Mit einem ersten Prototypen eines Fusionskraftwerks sei allerdings voraussichtlich nicht vor 2045 zu rechnen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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