Wirtschaft

Wie KI Bewerbungen im Job radikal verändert

Bewerbungen aus der KI, Auswahl per Algorithmus: Warum Bewerber jetzt an ganz neuen Hürden scheitern können.

14.10.2026, 04:00 Uhr

KI verändert die Bewertung von Bewerbungen

Künstliche Intelligenz beeinflusst laut einer Umfrage der Jobplattform Indeed zunehmend, nach welchen Maßstäben Personalabteilungen Bewerbungen bewerten. Besonders das klassische Anschreiben verliert demnach an Aussagekraft. Gleichzeitig kann der Einsatz von KI bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen für Kandidatinnen und Kandidaten sogar zum Nachteil werden.

Auch auf Unternehmensseite wächst der Einsatz automatisierter Systeme. Hintergrund ist die steigende Zahl eingehender Bewerbungen, die viele Personalabteilungen entlasten soll. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 300 Personalverantwortlichen. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl sind sie jedoch nicht ohne Weiteres auf alle Unternehmen in Deutschland übertragbar.

Mehr Bewerbungen durch KI-Unterstützung

Nach Angaben von Indeed berichten 56 Prozent der befragten Unternehmen, dass heute mehr Bewerbungen auf offene Stellen eingehen als noch vor einem Jahr. 21 Prozent sprechen sogar von einem starken Zuwachs. Im Schnitt schätzen die Personalverantwortlichen, dass etwa jede dritte Bewerbung mit Hilfe von KI erstellt wurde.

Das bleibt nicht ohne Folgen für die Beurteilung der Unterlagen: 54 Prozent halten Anschreiben inzwischen für weniger verlässlich als früher. Auch Formulierungen im Lebenslauf (46 Prozent), schriftliche Antworten in Bewerbungsformularen (43 Prozent) und zu Hause erledigte Testaufgaben (33 Prozent) werden skeptischer betrachtet. 41 Prozent der Befragten geben an, Bewerbungen auszusortieren, wenn erkennbar ist, dass sie vollständig von KI verfasst wurden.

Vorauswahl oft per Software

Viele Personalabteilungen haben nach eigenen Angaben kaum genug Zeit, jede Bewerbung gründlich zu prüfen. 35 Prozent investieren in die erste Sichtung höchstens eine Minute. 42 Prozent setzen offiziell Software oder KI ein, um Bewerbungen vorzusortieren. Teilweise werden Unterlagen dabei aussortiert, ohne dass ein Mensch die Entscheidung noch einmal kontrolliert.

Unter den Unternehmen, die solche technischen Hilfsmittel nutzen, sagen 11 Prozent sogar, dass automatisch abgelehnte Bewerbungen vor einer Absage nicht mehr menschlich geprüft werden. Das ist offiziell nicht zulässig.

Die Daten stammen aus einer von Indeed beauftragten Untersuchung des Marktforschungsinstituts Censuswide unter 300 Personalentscheidern. Die Ergebnisse spiegeln deren Einschätzungen wider und sind nicht als repräsentatives Bild des gesamten deutschen Arbeitsmarkts zu verstehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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