Wirtschaft

Wie Ikea die Kaufbremse der Kunden knacken will

Auch Ikea gerät unter Druck: Mit einem neuen Secondhand-Marktplatz will der Möbelriese Kunden zurückholen. Kann das klappen?

14.10.2026, 04:00 Uhr

Ikea wirbt online derzeit mit festlicher Stimmung: Weihnachtsdeko, Lichter und saisonale Produkte wie Vintersaga sollen Vorfreude schaffen. Im operativen Geschäft sieht die Lage jedoch deutlich nüchterner aus. Nach dem Rekordgeschäftsjahr 2022/2023 gingen die weltweiten Umsätze zurück. Die anhaltende Konsumzurückhaltung macht auch dem Möbelriesen zu schaffen, denn viele Verbraucher verschieben größere Anschaffungen für Wohnen und Einrichtung.

Deutschland bleibt für Ikea der wichtigste Einzelmarkt. Gleichzeitig wächst hier der Wettbewerbsdruck, etwa durch Anbieter wie Jysk oder XXXLutz. Der Konzern reagiert deshalb mit mehreren Initiativen, um Kundinnen und Kunden stärker an sich zu binden.

Neuer Secondhand-Marktplatz gestartet

In Deutschland hat Ikea in dieser Woche einen eigenen Marktplatz für gebrauchte Möbel gestartet. Mitglieder von Ikea Family können dort Produkte weiterverkaufen oder gebraucht erwerben. Wer sich den Verkaufserlös nicht auszahlen lässt, sondern als Guthabenkarte annimmt, bekommt zum Auftakt zusätzlich einen Bonus in Höhe von 15 Prozent.

Damit setzt Ikea auf einen Markt, der seit Jahren wächst. Gebrauchte Möbel und Wohnaccessoires werden online immer gefragter. Schon seit 2019 bietet das Unternehmen Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, Möbel an Ikea zurückzuverkaufen. Nun wird dieses Engagement ausgeweitet.

Preissenkungen als Reaktion auf die Lage

Bereits Anfang September hatte Ikea angekündigt, die Preise für rund 1.500 Artikel zu reduzieren. Hintergrund sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die viele Haushalte stark belasten. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern soll Ikea so seine starke Position im deutschen Einzelhandel sichern und für preisbewusste Kunden attraktiv bleiben.

Ikea-Restaurant
Auch mit niedrigen Preisen und Aktionen in seinen Restaurants versucht Ikea, bei Kunden zu punkten. Quelle: Christian Knieps/dpa

Neue Formate und zusätzliche Kaufanlässe

Auch jenseits des klassischen Möbelverkaufs probiert Ikea neue Wege aus. Auf der Gamescom in Köln stellte das Unternehmen gemeinsam mit Xbox die Gaming-Reihe YXSTABY vor. Dazu gehören neun Produkte, unter anderem Sitzmöbel, Zubehör und ein mobiler TV-Ständer. Ziel ist es, im Alltag der Kundschaft stärker präsent zu sein und neue Anlässe zum Einkauf zu schaffen.

Bei den Filialkonzepten wird ebenfalls experimentiert. Ende Juni eröffnete in Ingolstadt die erste deutsche Kleinformat-Filiale. Mit knapp 3.000 Quadratmetern ist sie deutlich kleiner als ein klassisches Ikea-Einrichtungshaus. Das Sortiment umfasst dort etwa 2.700 Artikel und konzentriert sich vor allem auf Wohnaccessoires, kleinere Möbel sowie Küchen- und Haushaltsprodukte.

Ikea hebt dabei insbesondere die stadtnähere Lage hervor. Ob weitere Filialen dieses Typs folgen, lässt der Konzern offen. Man prüfe verschiedene zentrumsnahe Standorte und stehe mit möglichen Partnern im Austausch.

Abholstationen, Pop-up-Stores und weitere Tests

Nach Einschätzung von Handelsexperten versucht Ikea, auf möglichst vielen Wegen erreichbar zu sein und den Einkauf bequemer zu machen. Gerade in Städten besitzen viele Menschen kein Auto und fahren daher seltener zu den großen Märkten am Stadtrand.

Deshalb testet Ikea im Raum München und im Rhein-Main-Gebiet neue Abholstationen auf Parkplätzen von Aldi Süd. Dort können Bestellungen direkt an Lieferfahrzeugen abgeholt werden. Zudem eröffnete das Unternehmen am Hauptbahnhof in Nürnberg einen temporären Pop-up-Store mit rund 50 Quadratmetern Fläche. Weitere ähnliche Läden gibt es bereits in der Bremer Innenstadt und in einem Einkaufszentrum in Regensburg. Zusätzliche Standorte werden geprüft.

Ikea betont dabei, grundsätzlich offen für neue Ideen zu sein. Auch an anderer Stelle gibt es Veränderungen: Seit Juni dürfen Kundinnen und Kunden ihre Hunde in alle deutschen Ikea-Häuser mitbringen. Außerdem soll im Sommer 2027 im Einrichtungshaus Hamburg-Altona erstmals Decathlon als Untermieter einziehen.

Schwieriges Marktumfeld für die Möbelbranche

Die gesamte Möbelindustrie in Deutschland steckt seit längerer Zeit in einer schwachen Phase. 2025 gingen die Umsätze der Hersteller bereits zum dritten Mal in Folge zurück und fielen auf den niedrigsten Stand seit 2009. Auch im ersten Halbjahr dieses Jahres setzte sich der Rückgang fort. Davon bleibt der Handel nicht verschont.

Experten sehen dennoch einen Unterschied bei Ikea: Das Unternehmen warte nicht bloß auf bessere Zeiten, sondern versuche aktiv gegenzusteuern. Dazu gehören nicht nur neue Vertriebswege und Formate, sondern auch das Vorteilsprogramm Ikea Family. Dort lassen sich Punkte sammeln, die später gegen Rabattgutscheine eingelöst werden können. Hinzu kommen preisgünstige Angebote in den Restaurants, etwa ein günstiges Frühstück oder Einkaufsgutscheine beim Gastronomiebesuch.

Reichen die Maßnahmen für die Trendwende?

Aus Sicht von Branchenkennern dienen all diese Schritte vor allem dazu, Kundschaft enger an Ikea zu binden und für häufigere Besuche zu sorgen. Die vielen Tests seien weniger Ausdruck von Unsicherheit als vielmehr der Versuch herauszufinden, welche Form von Kundennähe sich wirtschaftlich wirklich lohnt.

Entscheidend bleibt aber, ob dadurch tatsächlich zusätzliche Nachfrage entsteht – oder ob sich die Umsätze am Ende nur auf andere Kanäle und Formate verlagern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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