Bayern

Hitzefalle Schule: Was jetzt erlaubt ist

Hitzefrei nebenan, Unterricht hier? Warum Bayerns Schulen bei Gluthitze völlig anders entscheiden – und Eltern oft verzweifeln.

24.06.2026, 04:00 Uhr

Hitzefrei in Bayern? Schulen entscheiden selbst

Sommerliche Temperaturen sorgen in Bayern auch in den Klassenzimmern für Belastung. Eine feste landesweite Regel, ab wann Unterricht wegen Hitze ausfallen oder verkürzt werden muss, gibt es nicht. Deshalb kann es vorkommen, dass zwei benachbarte Schulen am selben Tag unterschiedlich handeln. Für berufstätige Eltern ist das oft schwierig, wenn Kinder kurzfristig früher nach Hause kommen.

Wer über Hitzefrei oder kürzere Stunden entscheidet

Ob Unterricht verkürzt wird oder ganz entfällt, liegt in Bayern bei den jeweiligen Schulleitungen. Eine verbindliche Temperaturgrenze, ab der automatisch Hitzefrei gilt, existiert nicht. Nach Angaben des Kultusministeriums ist Hitzefrei zwar möglich, aber eben keine gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme.

Dabei spielen die Bedingungen vor Ort eine große Rolle. Schulgebäude unterscheiden sich stark: Manche Räume sind klimatisiert, andere nicht. Zudem können Schülerinnen und Schüler wegen bestehender Mittags- oder Ganztagsbetreuung nicht ohne Weiteres spontan nach Hause geschickt werden.

Das Ministerium sieht derzeit keinen Bedarf, die Entscheidungen zentraler zu regeln. Aus Sicht der Verantwortlichen hat sich die Zuständigkeit der Schulen im Alltag bewährt. Diese Einschätzung teilen demnach auch Verbände von Eltern, Schulleitungen und Schulträgern.

Kaum flächendeckend klimatisierte Schulgebäude

Bayerns Schulen sind nicht durchgehend mit Klimaanlagen ausgestattet. Teilweise gibt es nur in einzelnen Räumen Kühlung, andernorts helfen lediglich Ventilatoren. Auch beim Sonnenschutz bestehen große Unterschiede: Während manche Gebäude feste Außenjalousien haben, müssen andere mit einfachen Rollos auskommen.

Hitzefrei
Anspruch auf Hitzefrei hat kein Kind. (Symbolbild) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Michael Schwägerl, verweist darauf, dass ältere Schulhäuser mit dicken Mauern, hohen Räumen und günstiger Ausrichtung die Hitze oft besser abhalten. Schwieriger werde es dagegen in neueren Gebäuden mit großen Fensterflächen, besonders wenn diese nach Süden zeigen.

Steigt die Temperatur in Klassenräumen auf mehr als 35 Grad, gelten diese nach bundesweiten Vorgaben nicht mehr als normale Arbeitsräume. Das betrifft auch Schulen. Dann reicht Lüften häufig nicht mehr aus. Der bayerische Elternverband fordert deshalb, Schulgebäude stärker an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Welche Lösungen Schulen bei großer Hitze wählen

Die Reaktionen auf hohe Temperaturen fallen unterschiedlich aus. Einige Schulen streichen den Nachmittagsunterricht. Andere verkürzen den Unterricht am Vormittag, etwa indem Doppelstunden nicht 90, sondern nur 60 Minuten dauern. Teilweise verlegen Lehrkräfte Aufgaben nach draußen, sofern dort ein schattiger Platz vorhanden ist. Auch Hausaufgaben entfallen mancherorts.

Die Vorsitzende des bayerischen Schulleitungsverbandes, Stefanie Horinek, betont, dass nahezu jede Entscheidung Zustimmung und Kritik zugleich auslöse.

An manchen Schulen endet der Unterricht bereits nach der vierten Stunde. Andere setzen vor allem beim Sport an und lassen den Sportunterricht ausfallen. Gerade dort müsse sorgfältig entschieden werden, was den Kindern bei großer Hitze noch zugemutet werden kann. Ausdauerbelastungen seien dabei eher problematisch.

Trotzdem sieht der Philologenverband keine grundsätzlichen Schwierigkeiten, den Lehrplan bis zum Schuljahresende zu erfüllen. Der Unterrichtsstoff lasse sich entsprechend organisieren.

Noten und Prüfungen laufen weiter

Auch bei hohen Temperaturen werden weiterhin Schulaufgaben geschrieben und mündliche Leistungen bewertet. Hitze allein setzt Leistungsnachweise nicht automatisch aus. Das gilt ebenso für Nachprüfungen.

Besonders belastend ist die Situation derzeit für die Abschlussjahrgänge an Mittel- und Realschulen. Rund 96.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern legen dort Prüfungen ab. Nach Angaben des Kultusministeriums beginnen diese in der Regel am Morgen und finden vormittags statt. Die Schulen sollen mit Maßnahmen wie Lüften und Abdunkeln der Räume für möglichst erträgliche Bedingungen sorgen.

An der Realschule in Riedenburg im Landkreis Kelheim sind laut dem Vorsitzenden des bayerischen Realschullehrerverbandes, Ulrich Babl, sogar kleine leise Handventilatoren für Prüflinge erlaubt. Außerdem stelle dort der Elternbeirat Getränke bereit.

Wenn Eltern arbeiten und der Unterricht früher endet

Ein vorzeitiges Unterrichtsende kann Familien organisatorisch stark belasten. Michael Schwägerl weist darauf hin, dass heute deutlich mehr Eltern berufstätig sind als noch vor einigen Jahrzehnten. Deshalb sei es wichtig, Eltern frühzeitig zu informieren und zu klären, welche Kinder nach Hause gehen können und welche weiter betreut werden müssen.

Kinder, die für den Ganztag angemeldet sind, bleiben in der Regel ohnehin an der Schule. Viele Einrichtungen organisieren bei Hitzefrei eine Notbetreuung, oft mit Lehrkräften. Teilweise dürfen Schülerinnen und Schüler auch früher in die Ganztagsbetreuung wechseln und bekommen dort wie gewohnt ihr Mittagessen.

Müssen Kinder nach Unterrichtsende auf den Bus warten, dürfen sie ebenfalls nicht unbeaufsichtigt bleiben. Auch bei verkürzten Stunden oder Hitzefrei muss die Aufsicht bis zur Heimfahrt sichergestellt werden.

Auch Lehrkräfte leiden unter der Hitze

Nicht nur für Schülerinnen und Schüler, auch für Lehrkräfte sind heiße Unterrichtstage anstrengend. Laut Schulleitungsverband ist es oft schon eine Herausforderung, den Tag überhaupt sinnvoll zu bewältigen. Fraglich sei dann häufig, wie viel unter solchen Bedingungen tatsächlich noch gelernt werden könne.

Für Lehrkräfte gelten grundsätzlich dieselben Vorgaben wie für Beschäftigte in Büros. Nach der Arbeitsstättenverordnung ist eine Raumtemperatur bis 26 Grad unproblematisch. Liegt sie darüber, sollen Maßnahmen ergriffen werden; ab 30 Grad sind sie erforderlich. Dazu zählen etwa geschlossene Jalousien, Ventilatoren, lockerere Kleidungsregeln und zusätzliche Pausen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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