Fast sieben Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in einem Minijob, die meisten von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Lange galten diese Jobs als Einstieg in reguläre Beschäftigung. Inzwischen wächst jedoch die Kritik – nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Politik. Nach den Überlegungen der Rentenkommission sollen Minijobs künftig stärker in die gesetzliche Altersvorsorge eingebunden werden. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte.
Was ist ein Minijob?
Ein Minijob ist eine Form der geringfügigen Beschäftigung. Dabei wird entweder nur wenige Stunden pro Woche gearbeitet oder die Tätigkeit ist auf höchstens drei Monate im Jahr befristet. Aktuell liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro im Monat beziehungsweise 7.236 Euro im Jahr.
Für Beschäftigte fallen in der Regel keine Sozialabgaben an. Arbeitgeber zahlen dagegen pauschale Abgaben von etwas mehr als 30 Prozent, darunter 15 Prozent für die Renten- und 13 Prozent für die Krankenversicherung. Im Vergleich zu regulären Jobs trägt der Arbeitgeber damit zwar relativ hohe Pauschalen, Beschäftigte selbst aber nichts.
Warum sind Minijobs für Arbeitgeber attraktiv?
Unternehmen gewinnen dadurch vor allem Flexibilität. Sie können etwa saisonale Engpässe ausgleichen, ohne Personal dauerhaft beschäftigen zu müssen. Hinzu kommt, dass die Abwicklung über die Minijob-Zentrale als vergleichsweise einfach und unbürokratisch gilt.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Viele Minijobber arbeiten im Einzelhandel und im Gastgewerbe. Entsprechend laut fällt dort der Widerstand gegen Reformideen aus. Aus der Branche kommt die Warnung, die Vorschläge der Rentenkommission gingen an der Realität vieler Betriebe vorbei und könnten vor allem für die Gastronomie schwerwiegende Folgen haben.
In der Debatte stehen Arbeitgeberverbände eher auf der Seite der Befürworter des Status quo, während Gewerkschaften häufiger für eine Abschaffung plädieren. CSU-Chef Markus Söder äußerte sich zurückhaltend und sprach von einem sensiblen Thema, bei dem nichts überstürzt werden dürfe.
Wie viele Menschen haben derzeit einen Minijob?
Nach Angaben der Minijob-Zentrale sind in Deutschland aktuell 6.554.876 Menschen in gewerblichen Minijobs beschäftigt. Dazu kommen 252.372 Personen in Privathaushalten, für die teils noch einfachere Regeln gelten.
Knapp zwei Drittel der gewerblichen Minijobber sind zwischen 24 und 64 Jahren alt. Frauen stellen mit 55,9 Prozent die Mehrheit, der Anteil ausländischer Beschäftigter liegt bei 18,3 Prozent. Im ersten Quartal wurden für alle Minijobber zusammen 1,3 Milliarden Euro in die Rentenversicherung und 1,02 Milliarden Euro in die Krankenversicherung eingezahlt.
Wie bewerten Arbeitsmarktexperten Minijobs?
Die Bundesagentur für Arbeit sieht Minijobs kritisch. Aus ihrer Sicht schaffen sie Anreize, keine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufzunehmen – besonders bei Gruppen, die ihre Arbeitszeit eigentlich ausweiten könnten.
BA-Chefin Andrea Nahles verweist darauf, dass Deutschland bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen im europäischen Vergleich zwar weit vorne liege, die von Frauen geleisteten Arbeitsstunden aber gleichzeitig sehr niedrig seien. Minijobs wirkten dabei ähnlich wie das Ehegattensplitting als Anreiz, nur in geringem Umfang zu arbeiten.
Auch der Arbeitsmarktforscher Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hatte sich bereits 2021 kritisch geäußert. Minijobs seien häufig mit niedrigen Löhnen und einem erhöhten Armutsrisiko verbunden. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass reguläre sozialversicherungspflichtige Stellen durch Minijobs verdrängt würden. Das oft genannte Argument, Minijobs seien ein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung, treffe nur eingeschränkt zu.
Wie positionieren sich die Parteien?
Die politischen Lager sind gespalten. Die AfD möchte Minijobs ausweiten. SPD, Linke und Grüne sprechen sich für ihre Abschaffung aus. In der Union gab es unterschiedliche Einschätzungen, zuletzt wurden aber auch dort die Stimmen lauter, die ein Ende des Modells befürworten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber