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Bahn-Chaos: Probleme teils bis zum Morgen

Plötzlich stand die Bahn bundesweit still: Der geheime Grund, das Chaos für Reisende – und wann Züge endlich wieder normal fahren.

24.06.2026, 03:42 Uhr

Bahnverkehr nach bundesweiter Funkstörung wieder angelaufen – erste Ursache benannt, Kritik an Technik und Krisenmanagement

Nach der großflächigen Störung vom späten Dienstagabend ist der Zugverkehr der Deutschen Bahn am Mittwochmorgen nach Unternehmensangaben wieder weitgehend reibungslos angelaufen. Vereinzelt kam es zunächst noch zu Folgeverspätungen, sämtliche Strecken seien aber wieder uneingeschränkt befahrbar. Das volle Angebot im Regional- und Fernverkehr fahre demnach größtenteils wieder planmäßig.

Die bundesweite Störung hatte den Bahnverkehr in Deutschland für rund zwei Stunden nahezu zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Reisende strandeten in der Nacht an Bahnhöfen, vielerorts bildeten sich lange Schlangen vor den Informationsschaltern. Kurz nach Mitternacht war das technische Problem behoben, gegen 0.30 Uhr rollten die ersten Züge wieder. Anschließend stabilisierte sich der Betrieb am frühen Morgen schrittweise.

Erste Angaben zur Ursache

Die Deutsche Bahn hat inzwischen erste Details zum Auslöser genannt. Nach Angaben von DB-InfraGo-Chef Philipp Nagl hing die Störung mit dem „planmäßigen Tausch einer technischen Komponente“ im digitalen Zugfunksystem GSM-R zusammen. Wie genau dieser Austausch die bundesweiten Probleme auslösen konnte, werde nun mit höchster Priorität untersucht. Weitere Einzelheiten nannte der bundeseigene Konzern zunächst nicht.

Zuvor hatte die Bahn lediglich von einer Störung im GSM-R-System gesprochen. In der Nacht war bereits über ein fehlerhaftes Update oder Softwareprobleme spekuliert worden.

Bund verlangt Aufklärung

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) forderte von dem bundeseigenen Konzern eine umfassende Aufklärung. Falls Hardware-Probleme oder ein Server-Update hinter dem Vorfall stünden, müsse die Bahn ihre Systeme so absichern, dass sich ein solcher Ausfall nicht wiederhole.

Kritik von Politik und Verbänden

Auch im Bundestag gab es deutliche Kritik. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Tarek Al-Wazir (Grüne), sagte vor einer Ausschusssitzung, an der auch Bahnchefin Evelyn Palla teilnahm, die Panne zeige, wie dringend die technischen Systeme der Bahn modernisiert werden müssten.

Mit Blick auf GSM-R verwies Al-Wazir darauf, dass es sich im Kern um eine veraltete Mobilfunktechnik handle. „GSM ist das, was man heute 2G nennen würde“, sagte er und stellte das dem aktuellen Übergang von 5G zu 6G gegenüber. Entscheidend sei langfristig, die Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Von Bahnchefin Palla erwartet er Aussagen dazu, wann die Modernisierung erfolgen soll.

Ähnlich äußerte sich der Fahrgastverband Pro Bahn. Dessen Vorsitzender Detlef Neuß verlangte mehr technische Stabilität und mehr Resilienz gerade beim Zugfunk. Die Bahn müsse auch technisch endlich besser werden.

Deutliche Kritik aus Nordrhein-Westfalen

Scharfe Kritik kam erneut von Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer. Der Grünen-Politiker sagte, ihn mache der Vorfall fassungslos. Dass ein technischer Defekt den kompletten Bahnverkehr in Deutschland zum Stillstand bringe, sei ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität.

Krischer forderte eine transparente und lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Zugleich kritisierte er das Notfallmanagement. Es dürfe nicht passieren, dass wegen des Ausfalls eines einzelnen Systems Zehntausende Menschen die Nacht in Zügen oder an Bahnhöfen verbringen müssten. Nötig seien Notfallmechanismen, die ein solches Desaster künftig verhinderten.

Regional- und S-Bahnen am Morgen wieder weitgehend normal

In Nordrhein-Westfalen lief der Bahnverkehr am Morgen weitgehend wieder normal. Am Duisburger Hauptbahnhof wurden nur noch einige leichte Verspätungen registriert, größere Ausfälle gab es kaum. Auch in Köln und Düsseldorf berichteten Beobachter von einem normalen Betrieb.

In Berlin fuhr die S-Bahn am Morgen ebenfalls wieder ohne größere Einschränkungen. Das Unternehmen teilte auf X mit, größere Verspätungen seien zunächst nicht mehr feststellbar. Am Bahnhof Zoologischer Garten und am Berliner Hauptbahnhof blieb es am frühen Morgen vergleichsweise ruhig.

Güterverkehr laut Wettbewerbern weiter unter Druck

Während die Deutsche Bahn den Personenverkehr am Morgen als weitgehend stabil bezeichnete, meldeten Wettbewerber im Güterverkehr weiter erhebliche Probleme. Nach Angaben der Geschäftsführerin des Verbands Die Güterbahnen, Neele Wesseln, rollten seit Mitternacht zwar vereinzelt wieder Züge, etwa die Hälfte der Güterzüge stehe jedoch noch immer verteilt im Bundesgebiet und an den Grenzen still.

Die Lage sei extrem angespannt, weil Güter-, Nah- und Fernverkehr gleichzeitig auf freie Trassen und Weiterfahrt warteten. Der Verband rechnet damit, dass es mehrere Tage dauern kann, bis sich der entstandene Logistikstau vollständig aufgelöst hat.

Kaum Auskünfte für Reisende in der Nacht

Für viele Fahrgäste hatte der Ausfall erhebliche Folgen. Laut Bahn wurden Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben. In Frankfurt am Main berichteten Betroffene allerdings, dass teilweise keine freien Hotelzimmer mehr verfügbar waren. Außerdem soll dort ein ICE in Richtung Mannheim und Stuttgart fast ohne Fahrgäste abgefahren sein, obwohl viele Reisende noch am Bahnsteig warteten und vor der Abfahrt nicht informiert wurden.

Auch am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste fehlende Auskünfte. In der Nacht hatten sich an mehreren Stationen lange Schlangen vor den Informationsschaltern gebildet.

Was ist GSM-R?

GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“. Nach Angaben von DB InfraGo ersetzt dieses Mobilfunknetz nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn. Es dient der sicheren betrieblichen Kommunikation und ermöglicht unter anderem Gruppenanrufe sowie die gezielte Kontaktaufnahme mit Fahrdienstleitern.

Nicht nur Fernzüge betroffen

Von der Störung waren nicht nur Fern- und Regionalzüge der Deutschen Bahn betroffen. Auch von der DB betriebene S-Bahnen sowie private Eisenbahnunternehmen hatten mit den Folgen zu kämpfen. In Berlin und Stuttgart wurde der gesamte S-Bahn-Verkehr zeitweise eingestellt.

Auch der Güterverkehr kam in den Abend- und Nachtstunden weitgehend zum Stillstand. Branchenvertreter verlangen deshalb eine umfassende Aufarbeitung des Vorfalls und eine robustere Steuerung der Schieneninfrastruktur.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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