Bayern

Endlich wieder Volksfeste: Bayern feiert

Besser als die Wiesn? Warum Straubing sein Gäubodenvolksfest für gemütlicher hält – und warum es ab Freitag richtig voll wird.

06.08.2026, 10:26 Uhr

Das Oktoberfest in München gilt als größtes Volksfest der Welt. Mit dieser Dimension kann das Gäubodenvolksfest in Straubing zwar nicht mithalten, dennoch sehen die Straubinger ihre Veranstaltung selbstbewusst als zweitgrößtes Volksfest Bayerns – und ohnehin als das schönste. Mit dem Trachtenumzug am Freitagabend startet das Fest erneut und markiert einen der wichtigsten Termine der Volksfest-Saison im Freistaat.

Elf Tage lang steht die niederbayerische Stadt im Ausnahmezustand. Erwartet werden rund 1,3 Millionen Gäste. Zusätzlich zieht die parallel veranstaltete Ostbayernschau zahlreiche Besucher an.

Kleine Stadt, gewaltiger Besucherandrang

Wer in Straubing das Gäubodenvolksfest mit dem Oktoberfest vergleicht, bekommt schnell eine Rechnung präsentiert: Bei rund 50.000 Einwohnern entsprächen 1,3 Millionen Besucher dem 26-Fachen der Stadtbevölkerung. Festwirte-Sprecher Martin Lechner sagt dazu sinngemäß, man solle sich das einmal auf München übertragen. Bei rund 1,5 Millionen Einwohnern käme man dort auf 39 Millionen Oktoberfest-Besucher – eine Vorstellung, die in der Landeshauptstadt wohl weder realistisch noch wünschenswert ist.

Auch die Dauer spielt eine Rolle. Das Gäubodenvolksfest läuft nur zehneinhalb Tage, während sich die mehr als sieben Millionen Wiesn-Besucher auf 16 bis 18 Tage verteilen.

Fest steht dennoch: Der Andrang in Straubing bleibt enorm, auch wenn die Zahlen zuletzt leicht gesunken sind. 2025 und 2024 wurden jeweils etwa 1,25 Millionen Menschen gezählt, in den Jahren 2023 und 2022 waren es rund 1,3 Millionen. Vor der Corona-Pandemie, 2019, lag die Zahl laut Veranstaltern noch bei etwa 1,45 Millionen.

Gäubodenvolksfest
Auftakt ist am Freitag, 7. August. Die offizielle Eröffnung findet am Samstagvormittag statt. Festredner ist Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). (Archivbild) Quelle: Armin Weigel/dpa

In Straubing wird nicht angezapft

Was unterscheidet das Gäubodenvolksfest von der deutlich größeren und international bekannten Wiesn? Für Oberbürgermeister Markus Pannermayr ist die Straubinger Veranstaltung viel stärker in der Region verwurzelt und hat sich den Charakter eines Heimatfestes bewahrt. Schon zum Auftakt zeigt sich ein wesentlicher Unterschied: Statt eines Bieranstichs gehört in Straubing ein prominenter politischer Festredner zur Tradition. Der Oberbürgermeister selbst kündigt dabei nur kleinere verbale Akzente in seiner Begrüßung an. In diesem Jahr übernimmt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer diese Rolle.

Auch Volksfest-Betriebsleiter Daniel Winklmaier betont die regionale Verbundenheit, die Bodenständigkeit und die familiäre Atmosphäre. Das Oktoberfest lebe zwar von der besonderen Stimmung auf der Theresienwiese, doch die Größe könne – je nach Geschmack – ebenso Vor- wie Nachteil sein.

Während München von seinem U-Bahn-Netz profitiert, das große Menschenmengen bequem zur Festwiese bringt, werden in Straubing Bus- und Bahnverbindungen eigens für die elf Festtage verstärkt. Begleiterscheinungen wie stark alkoholisierte oder sich übergebende Besucher gibt es zwar auch dort, nach Einschätzung der Verantwortlichen jedoch in geringerem Ausmaß.

Lechner berichtet zudem von Gästen aus dem Ausland. Besucher kämen etwa aus Österreich, Südtirol, den Niederlanden und der Schweiz. In dieser Saison habe es sogar Anfragen aus Venedig, Warschau und Cornwall gegeben. Der Großteil des Publikums stamme aber weiterhin aus Niederbayern und der Oberpfalz. Zugleich wachse das Einzugsgebiet innerhalb Bayerns. Auch viele Münchner schauten inzwischen vorbei – und bescheinigten dem Fest oft eine gemütlichere Atmosphäre.

Sommerliche Hitze statt kühler Herbstabende

Die zuletzt leicht rückläufigen Besucherzahlen und der sinkende Bierkonsum waren von Oberbürgermeister Pannermayr bereits im vergangenen Jahr mit den allgemeinen Belastungen der Gegenwart erklärt worden. Rekordjagden seien derzeit nicht das Entscheidende. Wirtschaftlich bleibt das Fest für die Region dennoch bedeutend.

Festwirte-Sprecher Lechner macht neben steigenden Lebenshaltungskosten vor allem das Wetter als Grund für die Entwicklung aus. In den vergangenen Jahren sei es tagsüber teils extrem heiß gewesen. Vor allem Tagesgäste blieben dann lieber fern und zögen einen Besuch im Freibad vor. Zum Start des Festes am Freitag soll die große Hitze allerdings etwas nachlassen.

Auch beim Wetter sieht Winklmaier Vor- und Nachteile. Im August müsse man sich in der Regel weniger Gedanken darüber machen, ob man eine Jacke brauche. Beim Oktoberfest sei der Blick in die Wetter-App dagegen deutlich öfter nötig, um passend gekleidet zu sein.

Weitere Feste in Bayern – und der Sonderfall Karpfham

Das Oktoberfest beginnt in diesem Jahr am 19. September und endet am 4. Oktober. Zuvor stehen unter anderem noch das Nürnberger Herbstvolksfest sowie parallel der Augsburger Plärrer und die Regensburger Herbstdult vom 28. August bis 13. September auf dem Programm. Ebenfalls vom 29. August bis 13. September läuft das Herbstfest in Rosenheim.

Eine besondere Rolle spielt auch das Karpfhamer Fest im Landkreis Rottal-Inn, das vom 27. August bis 1. September stattfindet. Nicht zuletzt wegen seiner Landwirtschaftsmesse zieht es jährlich zwischen 400.000 und 500.000 Besucher an. Gemessen an rund 1.200 Einwohnern ergibt das ein Vielfaches, das die üblichen Rechenspiele um Dimensionen und Verhältnisse sofort wieder anheizt.

Unabhängig von allen Größenvergleichen bleibt für Pannermayr jedoch das Entscheidende: Volksfeste – ob Oktoberfest oder Gäubodenvolksfest – sind besondere Auszeiten vom Alltag, die Menschen zusammenführen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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