Politik

Wieder Ermittlungen: Aiwangers Ex-Lehrer

Die Aiwanger-Flugblattaffäre schien längst vergessen – doch nun ermittelt Regensburg wieder. Was steckt dahinter?

09.08.2026, 04:00 Uhr

Drei Jahre nach der Flugblatt-Affäre um Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger wird gegen einen ehemaligen Lehrer von Aiwangers Schule wegen des Verdachts der unerlaubten Weitergabe von Dienstgeheimnissen ermittelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Regensburg soll der Pensionär bei einem Abiturtreffen im Juli 2023 einen Ausdruck des umstrittenen Flugblatts gezeigt und zudem Interna aus seiner früheren Arbeit im Disziplinarausschuss der Schule im Zusammenhang mit dem damaligen Schüler Aiwanger geschildert haben.

Laufendes Disziplinarverfahren vorerst gestoppt

Wie die Ermittler mitteilten, wurde das bereits laufende Disziplinarverfahren gegen den früheren Lehrer wegen des neuen Strafverfahrens vorläufig ausgesetzt. Die Untersuchungen seien aber noch nicht beendet. Für den Beschuldigten gelte weiterhin die volle Unschuldsvermutung. Im schwerwiegendsten Fall könnte ihm im Rahmen des Disziplinarverfahrens eine Kürzung seiner Bezüge oder sogar der vollständige Verlust der Pension drohen. Auch Ruhestandsbeamte unterliegen weiterhin der Pflicht, dienstliche Geheimnisse nicht preiszugeben.

Anzeige durch frühere Mitschülerin

Ausgangspunkt der Ermittlungen war laut Staatsanwaltschaft die Anzeige einer ehemaligen Schülerin aus dem Abiturjahrgang 1998. Hubert Aiwanger selbst habe zwar keinen Strafantrag wegen einer möglichen Verletzung von Privatgeheimnissen gestellt, weshalb dieser Aspekt nicht weiterverfolgt werde. Das Kultusministerium habe jedoch die nötige Erlaubnis erteilt, wegen des möglichen Verrats von Dienstgeheimnissen zu ermitteln.

Frühere Ermittlungen wurden eingestellt

Bereits zuvor hatte es ein anderes Verfahren gegen den Ex-Lehrer im Zusammenhang mit der Flugblatt-Affäre gegeben. Dieses war im Juli 2024 mangels ausreichender Beweise eingestellt worden. Damals stand der Verdacht im Raum, er habe das antisemitische und menschenverachtende Flugblatt aus Aiwangers Schulzeit an die Süddeutsche Zeitung weitergegeben. Dieser Vorwurf ließ sich jedoch nicht belegen.

Die Zeitung machte unter Verweis auf Redaktionsgeheimnis und Quellenschutz keine Angaben zu ihrer Quelle. Der damalige Beschuldigte äußerte sich nicht. Zudem wurde als möglich angesehen, dass das Blatt auch über eine Schülerarbeit bekannt geworden sein könnte, die in der KZ-Gedenkstätte Dachau archiviert war.

Politische Turbulenzen vor der Landtagswahl

Ins Rollen kam die Affäre am 25. August 2023 durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Kurz vor der bayerischen Landtagswahl geriet Aiwanger stark unter Druck, nachdem bekannt geworden war, dass in seiner Schulzeit ein antisemitisches und menschenverachtendes Flugblatt mit Bezug zu ihm aufgetaucht war. Später erklärte sein Bruder, er selbst habe den Text verfasst. Die Debatte belastete die damalige Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern erheblich und brachte sie zeitweise in eine schwere Krise.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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