Wirtschaft

Rheinmetall-Chef unter Schutz: «Jetzt erst recht»

Trotz Mordplänen und Demos vor seinem Haus: Warum Rheinmetall-Chef Papperger jetzt erst recht nicht ans Aufhören denkt

09.08.2026, 05:00 Uhr

Papperger zeigt sich trotz Bedrohungslage unbeeindruckt

Armin Papperger, Vorstandschef von Rheinmetall, will sich von möglichen Anschlagsgefahren nicht von seiner Arbeit abbringen lassen. Der 63-Jährige erklärte, wer eine solche Position übernehme, dürfe sich nicht wegducken. Die Aufgaben müssten erledigt werden, sagte er sinngemäß.

Der Manager des größten deutschen Rüstungskonzerns steht bereits seit geraumer Zeit unter starkem Schutz. Hintergrund sind Hinweise auf mögliche russische Attentatspläne. Papperger wird dauerhaft von Personenschützern begleitet, auch am Firmensitz in Düsseldorf. Das Sicherheitsniveau entspricht dem von Spitzenpolitikern wie dem Bundeskanzler.

Brand am Gartenhaus und Proteste vor dem Wohnhaus

Papperger verwies darauf, dass es bereits Vorfälle in seinem privaten Umfeld gegeben habe. So sei sein Gartenhaus angezündet worden, außerdem habe es Demonstrationen vor seinem Wohnhaus gegeben. Wenn man das als Bedrohung werte, könne man sich durchaus bedroht fühlen, sagte er. Zugleich betonte er, dass ihn der Staat bestmöglich schütze. In einem anderen Beruf wäre die Gefährdung aber vermutlich deutlich geringer.

Rheinmetall unterstützt die von Russland angegriffene Ukraine mit umfangreichen Waffenlieferungen und baut dort zudem Produktionsstandorte auf.

Verfassungsschutz mahnt zur Vorsicht

Erst vor Kurzem hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz Beschäftigte in der Rüstungsindustrie zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Nach Einschätzung der Behörde ist das Risiko gestiegen, dass Unternehmen Ziel von Spionage- oder Sabotageaktionen russischer Stellen oder deren Helfern werden könnten. Je nach Entwicklung des Kriegs in der Ukraine seien auch gezielte Attacken auf einzelne Beschäftigte, insbesondere Führungskräfte, nicht ausgeschlossen.

Boris Pistorius und Armin Papperger
Für Rheinmetall-Chef Papperger ist ein kurzer Draht zur Politik selbstverständlich. (Archivbild) Quelle: Philipp Schulze/dpa

Kein Abschied aus dem Berufsleben in Sicht

An einen Rückzug denkt Papperger trotz seines Alters nicht. Sein Vertrag läuft noch dreieinhalb Jahre, und bis dahin werde noch viel passieren, sagte er. Er fühle sich fit, gesund und arbeite gern mit deutlich jüngeren Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Der studierte Ingenieur war 1990 nach seinem Studium bei Rheinmetall eingestiegen. In mehr als drei Jahrzehnten durchlief er zahlreiche Funktionen, ehe er 2013 an die Spitze des Unternehmens rückte.

Auch über das Rentenalter hinaus kann er sich Beschäftigung vorstellen. Rheinmetall sei für ihn wie eine zweite Familie. Zudem besitze er privat weitere Firmen, sodass es ihm kaum an Aufgaben mangeln werde. Gleichzeitig wolle er irgendwann vielleicht mehr Zeit mit seiner Familie und den Enkeln verbringen — doch das habe noch Zeit.

Wenige Kunden, viel Politik

Nach Pappergers Ansicht braucht ein Chef eines Rüstungskonzerns vor allem drei Dinge: technisches Verständnis, politische Souveränität und strategisches Denken. Für ihn ist ein enger Austausch mit der Politik daher selbstverständlich, denn Staaten seien in diesem Geschäft die eigentlichen Kunden.

Rheinmetall unterscheide sich grundlegend von gewöhnlichen Industrieunternehmen. Wer Autos verkaufe, habe Millionen Käufer, erklärte Papperger sinngemäß. Rheinmetall hingegen habe weltweit nur eine überschaubare Zahl an Abnehmern — letztlich rund 120 Regierungen, mit denen der Konzern im Kontakt stehe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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