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Barfuß in Sandalen: Warum nackte Füße viele ekeln

Sommer, Sandalen, nackte Füße: für die einen sexy, für die anderen purer Ekel. Wie viel Fuß verträgt die Öffentlichkeit?

09.08.2026, 06:00 Uhr

Zwischen Ekel, Etikette und Sommermode: Warum nackte Füße jedes Jahr Diskussionen auslösen

Der menschliche Fuß ist ohne Frage ein kleines Meisterwerk der Anatomie: 26 Knochen, 33 Gelenke sowie zahlreiche Muskeln, Sehnen und Bänder sorgen dafür, dass er uns zuverlässig durchs Leben trägt. Trotzdem stellt sich in der warmen Jahreszeit immer wieder dieselbe Frage: Muss wirklich jeder seine nackten Füße in Sandalen, Schlappen oder Flip-Flops ungefragt öffentlich zur Schau stellen?

Wenn der Sommer zur Fußprobe wird

Sobald die Temperaturen steigen, nimmt die Sichtbarkeit von Füßen im Alltag deutlich zu. Das führt nicht immer zu Begeisterung. Man denke nur an einen voll besetzten Ferienflieger auf dem Rückweg von Mallorca nach Berlin an einem heißen Freitagabend im Sommer 2026. Nach einem Tag bei rund 30 Grad steigen die Passagiere in Sandalen ein, ziehen ihre Schuhe aus und strecken die Beine Richtung Nachbarsitz. Nicht alle finden das angenehm – eine Reisende beschwert sich prompt über deutlichen "Käsefuß"-Geruch.

Auch im Kino kann das Thema unerquicklich werden: Ein Mann in Berlin wundert sich während der Vorstellung über wiederholte Stöße an seinem Sitz. Als er nach hinten greift, berührt er den nackten Fuß einer Frau, die offenbar gar nicht bemerkt hatte, wie sehr ihr entspanntes Barfußverhalten andere störte.

Zwischen Religion und Alltagsabneigung

Gleichzeitig haben Füße kulturell und religiös eine besondere Bedeutung. Im christlichen Kontext steht die Fußwaschung an Gründonnerstag für Bescheidenheit und Nächstenliebe. Sie erinnert an die biblische Erzählung, nach der Jesus seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl die Füße wusch. Auch der Papst vollzieht dieses Ritual und wäscht dabei fremden Menschen die Füße – teils küsst er sie sogar.

Barfuß in Schlappen und Sandalen: Sind nackte Füße eklig?
Papst Leo XIV. wäscht und küsst die Füße von Priestern in Rom am Gründonnerstag in der Lateranbasilika. (Archivbild) Quelle: Andrew Medichini/AP/dpa

Trotz solcher symbolischer Aufladung empfinden viele Menschen Füße im Alltag eher als unangenehm. Psychologisch lässt sich das damit erklären, dass unser Unterbewusstsein Füße häufig als schmutzanfällige Körperteile einordnet.

Ekel erfüllt eine Schutzfunktion

Dahinter steckt womöglich ein uraltes Muster: Unsere Vorfahren bewegten sich ohne Schuhe über Erde, Gras, Schnee, Schlamm und allerlei Unrat. Ekel half dabei, Distanz zu potenziell schädlichen oder krankmachenden Dingen zu halten.

Ganz unbegründet ist diese Reaktion nicht. Füße gelten tatsächlich als besonders anfällig für Keime. Zwischen Ferse und Zehen können sich viele verschiedene Pilzarten ansiedeln – deutlich mehr als etwa an Händen oder auf der Kopfhaut.

Dazu kommt: Füße besitzen sehr viele Schweißdrüsen. Bei großer Hitze geraten sie schnell ins Schwitzen, egal ob in geschlossenen Schuhen, Socken oder luftigen Schlappen. Das kann zu dem führen, was im Volksmund als "Käsefüße" bekannt ist.

Zwischen Abneigung und Fetisch

Interessant ist, dass Ekel und Anziehung beim Thema Füße manchmal nah beieinanderliegen. Was manche abstoßend finden, übt auf andere eine starke Faszination aus. Der Fußfetisch ist ein bekanntes Beispiel dafür, dass bestimmte Reize gleichzeitig als tabuisiert und erotisch wahrgenommen werden können.

Nicht nackte Füße sind das Problem, sondern ungepflegte

Wie problematisch ist es also wirklich, im Sommer offene Schuhe zu tragen? Für Designer Michael Michalsky liegt die Antwort nicht im Zeigen an sich, sondern im Zustand der Füße. Im öffentlichen Raum, so sein Eindruck, werde man ungefragt zum Betrachter fremder Füße. Entscheidend sei daher vor allem die Pflege.

Gerade in Deutschland, meint er pointiert, wirke es manchmal so, als seien Podologen, Nagelscheren und Feilen noch immer Geheimtipps. Kaum klettere das Thermometer über 25 Grad, beginne vielerorts die "Hornhaut-Parade". Manche Sohlen sähen aus, als hätten sie jahrelang keine Pediküre erlebt.

Sein Appell: Wer seine Füße offen zeigt, sollte ihnen zuvor ein wenig Aufmerksamkeit schenken. Das sei schlicht eine Frage der Rücksichtnahme. Füße sollten ähnlich behandelt werden wie das Gesicht – sauber, gepflegt und vorzeigbar. Und das gelte für alle gleichermaßen, unabhängig vom Geschlecht.

Wo offene Füße okay sind – und wo eher nicht

Barfuß in Sandalen oder Flip-Flops? Aus Sicht des Stil-Experten grundsätzlich ja. Gerade Flip-Flops seien aktuell durchaus ein modisches Statement. Sie seien aber kein Freibrief für rissige Fersen, starke Hornhaut oder ungepflegte Nägel. Wer seine Fußsohlen kaum noch glatt bekomme, greife besser zu geschlossenen Schuhen.

Beim Ort macht Michalsky ebenfalls Unterschiede: Auf dem Weg vom Hotelzimmer zum Strand, an der Strandbar oder am Pool seien nackte Füße völlig in Ordnung. In der U-Bahn, im Restaurant oder mitten in der Innenstadt müsse die Öffentlichkeit dagegen nicht unbedingt mit eingewachsenen Nägeln, Schrunden und dicker Hornhaut konfrontiert werden.

Unterm Strich bleibt: Offene Schuhe im Sommer sind kein Problem – mangelnde Fußpflege dagegen schon.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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