Niedrigwasser erschwert den Getreidetransport in Bayern
Die Logistik rund um Getreide ist heute vielschichtig: Von den Feldern geht die Ware zu Sammelstellen und anschließend per Lastwagen, Bahn oder Schiff weiter. Doch gerade auf dem Wasser sorgt das anhaltende Niedrigwasser derzeit für erhebliche Schwierigkeiten.
Wie eine Sprecherin von Baywa mitteilte, steht die Agrarlogistik wegen der niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserwegen wie Rhein, Main und Donau unter Druck. Binnenschiffe können im Moment deutlich weniger Fracht aufnehmen als üblich. Gleichzeitig verteuern sich Transporte, während freie Kapazitäten knapper werden. Um die Ernte trotzdem aufnehmen zu können, werde Getreide vorerst verstärkt an den eigenen Standorten eingelagert und vorhandener Lagerraum intensiver genutzt.
Bahn und Straße nur begrenzter Ersatz
Zusätzlich setzt das Unternehmen auf andere Transportmöglichkeiten. Diese könnten jedoch nur einen kleinen Teil der ausfallenden Schiffstransporte auffangen. Für die laufende Erntezeit habe Baywa etwa Ganzzüge organisiert, um Abnehmer am Niederrhein und in den Benelux-Ländern zu beliefern und die Wasserstraßen zumindest teilweise zu entlasten.
Der Agrarhandel zählt zu den zentralen Geschäftsbereichen des Konzerns. Dazu gehören nach Unternehmensangaben vor allem die Erfassung und Vermarktung von Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten sowie der Verkauf von Saatgut, Betriebsmitteln und Futtermitteln.
Viele Betriebe lagern ihre Ernte zunächst selbst
Auch aus Sicht des Bayerischen Bauernverbandes wird der Transport von Brot- und Futtergetreide per Schiff immer weniger wirtschaftlich. Wegen der niedrigen Wasserstände können Schiffe nicht mehr voll beladen werden. Hinzu kommen bei ohnehin niedrigen Erzeugerpreisen oft noch höhere Kosten für Ausweichtransporte auf der Straße. Landwirte mit ausreichend Platz lagern ihr Getreide daher zunächst direkt auf dem Hof ein.
Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Donau MDK in Nürnberg führt Niedrigwasser dazu, dass Frachtschiffe nur eingeschränkt beladen werden können. Um dieselbe Menge zu transportieren, sind daher mehr Fahrten nötig.
Häfen gewinnen als Lagerorte an Bedeutung
An den bayerischen Häfen entlang von Main, Main-Donau-Kanal und Donau stehen Lagerkapazitäten für Getreide zur Verfügung. Diese seien in der aktuellen Lage besonders wichtig, teilte Bayernhafen mit. Zur Gruppe gehören die Binnenhäfen in Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Regensburg und Passau.
Im Jahr 2025 wurden dort den Angaben zufolge knapp 750.000 Tonnen Agrargüter einschließlich Düngemitteln per Binnenschiff umgeschlagen. Per Bahn kamen rund 170.000 Tonnen hinzu. Insgesamt lag der Güterumschlag der Gruppe im vergangenen Jahr bei 8,37 Millionen Tonnen über Schiff und Bahn.
Schwächere Ernte erwartet
Wie groß die diesjährige Getreideernte in Bayern am Ende ausfällt, ist noch offen. Die an vielen Orten anhaltende Trockenheit spricht jedoch für geringere Erträge. Beim Winterweizen liegen die Erträge nach Angaben des Bauernverbandes in allen bayerischen Regierungsbezirken mit Ausnahme Schwabens unter dem Durchschnitt.
Im vergangenen Jahr ernteten Bayerns Landwirte rund 6,4 Millionen Tonnen Getreide. Davon erfüllten laut Landesamt für Statistik etwa vier Millionen Tonnen die Anforderungen an Brotgetreide.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber