Politik

Aus drei wird Macht? Türkei treibt Militärpakt voran

Erdogan plant eine Mini-Nato: Mit Pakistan und Saudi-Arabien schmiedet die Türkei ein Bündnis – weitere Staaten sollen folgen.

09.08.2026, 05:55 Uhr

Türkei dringt auf Ausbau des neuen Verteidigungspakts

Die türkische Regierung will das erst kürzlich gegründete Verteidigungsbündnis mit Pakistan und Saudi-Arabien auf weitere Staaten ausdehnen. Außenminister Hakan Fidan sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, Präsident Recep Tayyip Erdogan wünsche ausdrücklich eine Öffnung des Pakts. Das Bündnis solle sich nicht auf drei Länder beschränken, sondern Schritt für Schritt wachsen. Nach Fidans Angaben haben bereits mehrere Staaten Interesse bekundet. Langfristig könne auch Ägypten dazustoßen, sobald noch bestehende „technische Hürden“ beseitigt seien.

Fidan betonte, die Türkei unterhalte zu fast allen Staaten der Region gute Beziehungen. Ohne einen festen institutionellen Rahmen könnten sich solche Verhältnisse jedoch schnell wieder ändern. Das neue Abkommen bezeichnete er als historischen Schritt hin zu dauerhafter Stabilität in einer Region, die seit dem Ende des Osmanischen Reiches 1922 immer wieder von Unsicherheit geprägt sei. Die Länder der Region müssten selbst Strukturen schaffen, die Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität, Entwicklung und Wohlstand sichern. Externe Großmächte würden die Probleme nach seiner Ansicht nicht lösen, sondern oft noch verschärfen.

Pakistan als Atommacht, Saudi-Arabien als regionales Schwergewicht und die Nato-Mitgliedsnation Türkei hatten das Bündnis am Freitag geschlossen. Der sogenannte Mekka-Verteidigungspakt wurde in der saudi-arabischen Stadt Mekka von den Staats- und Regierungschefs unterzeichnet. Hintergrund sind die zuletzt deutlich gestiegenen Spannungen in der Golfregion. Der Pakt soll gemeinsamen Sicherheitsinteressen dienen.

Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan schließen Verteidigungspakt
Der türkische Präsident Erdogan (l), Saudi-Arabiens Kronprinz Salman (M) und der pakistanische Premier Sharif unterzeichneten den Pakt in Mekka. Quelle: -/Saudi Press Agency/AP/dpa

Nach Angaben der drei Partner soll künftig jeder bewaffnete Angriff auf eines der Mitglieder als Angriff auf alle gewertet werden. Einzelheiten zum genauen Inhalt des Abkommens oder zur praktischen Ausgestaltung der Unterstützung im Ernstfall wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Unterstützung nach Nato-Vorbild

Fidan verglich die Vereinbarung mit der Beistandsregel nach Artikel 5 des Nato-Vertrags, wonach ein Angriff auf einen Verbündeten als Angriff auf alle gilt. Die drei Mitglieder des Mekka-Pakts könnten je nach Bedrohungslage unterschiedliche Formen der Hilfe anfordern. Dazu zählten Geheimdienstinformationen, logistische Unterstützung, Munition oder auch der Einsatz militärischer Einheiten. Auch bei der Kommandostruktur solle es Parallelen zur Nato geben.

Ziel des Bündnisses sei außerdem, die Streitkräfte der Mitgliedsländer trotz unterschiedlicher Organisationsformen enger und wirksamer zusammenarbeiten zu lassen. Geplant seien gemeinsame Ausbildungsprogramme für Soldaten, Militärübungen sowie eine vertiefte Kooperation in der Rüstungsindustrie.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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