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85 Meter tief – trotzdem platzt sein Rekordtraum knapp

85 Meter mit nur einem Atemzug – und doch kein Rekord: Warum Minja Marinkovićs dramatischer Tauchgang nicht zählt.

09.08.2026, 06:11 Uhr

Deutscher Tiefenrekord im See knapp verpasst: Apnoetaucher verliert kurz vor der Oberfläche das Bewusstsein

Jubel auf dem Boot, Beifall vom Ufer: Minja Marinković zeigte bei seinem Rekordversuch am Starnberger See eine starke Leistung. Dennoch blieb der neue deutsche Tiefenrekord aus. Der 29-jährige Apnoetaucher erreichte an der Allmannshauser Steilwand mit nur einem Atemzug die angepeilten 85 Meter. Auf dem Rückweg verlor er jedoch wenige Meter unter der Wasseroberfläche kurz das Bewusstsein – ein sogenannter Blackout. Damit konnte der Tauchgang nicht anerkannt werden.

Wäre der Versuch gültig gewesen, hätte Marinković als erster Deutscher diese Tiefe in einem See erreicht. Der bisherige nationale Rekord liegt bei 80 Metern und besteht seit 2011.

"Das gehört zum Sport"

Kurz nach dem rund drei Minuten langen Tauchgang gab sich Marinković gefasst. Ihm gehe es gut, dramatisch sei die Situation nicht gewesen, sagte er. Rückschläge seien im Apnoetauchen Teil des Sports.

Wochenlang hatte sich der Leistungssportler auf den Versuch vorbereitet. Im Training hatte er mehrfach Tiefen von über 80 Metern geschafft und sah sich auch für mehr bereit. Trotz des verpassten Rekords zog er ein positives Fazit: Der Tag sei schön gewesen, die Unterstützung im Team hervorragend. Für ihn steht fest: Er will den Versuch wiederholen.

Am Ufer wurde Marinković von Familie und Freunden empfangen. Auch seine Mutter und seine Schwester verfolgten den Tauchgang live per Handy von der Plattform aus. Große Sorgen habe sie sich nicht gemacht, sagte seine Schwester Anja. Der Ablauf sei sicher gewesen, ihr Vertrauen in die Fähigkeiten ihres Bruders groß.

Deutscher Seerekordversuch im Freitauchen
Nachdem Marinković bei seinem Rekordversuch kurz vor der Oberfläche ohnmächtig wurde, wurde er von Helfern geborgen – der Apnoetaucher kam schnell wieder zu Bewusstsein und blieb unverletzt. Quelle: Stefan Puchner/dpa

Sauerstoffmangel ist das größte Risiko

Die größte Gefahr beim Freitauchen ist ein Bewusstseinsverlust durch Sauerstoffmangel. Deshalb finden solche Rekordversuche nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zum Einsatz kommen unter anderem Sonar, ein Gegengewichtssystem und mehrere Sicherungstaucher.

An derselben Steilwand hatte bereits 2018 Jens Stötzner versucht, den Rekord zu überbieten. Er kam damals auf 81 Meter, verlor beim Auftauchen aber ebenfalls das Bewusstsein. Auch dieser Versuch blieb deshalb ohne Wertung.

Extreme Bedingungen in der Tiefe

Seen stellen Freitaucher vor besondere Herausforderungen. In der Tiefe herrschen völlige Dunkelheit und selbst im Sommer nur etwa vier Grad Wassertemperatur. In gut 80 Metern Tiefe lastet ein Druck von rund neun Bar auf dem Körper, die Luft in der Lunge wird dabei auf etwa ein Neuntel ihres ursprünglichen Volumens zusammengedrückt.

Marinković schilderte den Tauchgang als sehr kalt und sehr dunkel. Zudem hätten mehrere Umstände seine Leistung beeinträchtigt, darunter zu wenig Schlaf und eine mehrstündige technische Verzögerung vor dem Start.

Er trat in der Disziplin Free Immersion ohne Flossen an. Dabei zieht sich der Taucher an einem Seil nach unten. Ab etwa 30 Metern beginnt der freie Fall: kopfüber hinein in die schwarze Tiefe.

Am Ziel musste Marinković den sogenannten Tag greifen – ein Stoffstück, das als Nachweis für die erreichte Tiefe mit nach oben gebracht werden muss. Anschließend zog er sich am Seil wieder zurück zur Oberfläche. Für besseren Halt trug er über den Neoprenhandschuhen zusätzlich mit Klebeband befestigte Gartenhandschuhe.

Blackout kurz vor dem Ziel

Nur wenige Meter unter der Oberfläche endete der Rekordversuch. Marinković beschrieb den Moment des Bewusstseinsverlusts später wie ein Weggleiten in einen Schlafzustand. Ein Sicherungstaucher brachte ihn sofort nach oben. Dort wurde er kurz Mund-zu-Nase beatmet und mit Sauerstoff versorgt. Wenig später war er wieder vollständig bei Bewusstsein. Drei Sicherungstaucher und eine Ärztin begleiteten den Versuch.

Rote statt weiße Karte

Die Kampfrichter von Aida International konnten den Rekord deshalb nicht bestätigen. Statt der erhofften weißen Karte gab es die rote. Für eine gültige Wertung muss ein Taucher unter anderem aus eigener Kraft auftauchen und bei Bewusstsein bleiben.

Trotzdem zollte Wettkampfrichter Nils Heininger, Vizevorsitzender von Aida Deutschland, dem Athleten großen Respekt. Für ihn sei die Leistung außergewöhnlich gewesen.

Heininger beschreibt Apnoetauchen als eine Disziplin, in der es entscheidend sei, mental ruhig zu bleiben, obwohl der Körper eigentlich Alarm schlage. Gelinge das, entstehe ein beinahe meditativer Zustand, der viele Freediver immer wieder anziehe.

"Wie auf einem anderen Planeten"

Auch Marinković selbst spricht von einem besonderen Erleben in der Tiefe. Es fühle sich an wie auf einem anderen Planeten, sagte er. Man sei vollkommen ruhig und zugleich ganz allein. Dieses Empfinden gleiche einer intensiven Meditation.

Lange galt es als kaum vorstellbar, dass Menschen ohne technische Hilfsmittel tiefer als etwa 40 Meter tauchen könnten. Heute liegt der Weltrekord im Meer in der Disziplin Free Immersion bei 137 Metern. Der Blick auf diese Entwicklung erinnert an andere Grenzverschiebungen im Extremsport – und an die Frage, wie weit sich menschliche Leistungsfähigkeit durch Training, Technik und mentale Stärke noch steigern lässt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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