Großbrand im Stuttgarter Industriegebiet
Auf dem Gelände des Großmarkts in Stuttgart haben seit Freitagabend mehrere Hallenbereiche gebrannt. Nach mehr als 16 Stunden konnte die Feuerwehr das Feuer weitgehend löschen. Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis in den Abend.
Feuerwehrsprecher Daniel Anand sprach von einer Einsatzlage, wie sie Stuttgart seit Jahren nicht erlebt habe. Ein Brand in dieser Größenordnung sei in den vergangenen Jahren in der Stadt nicht vorgekommen. Es handle sich um ein außergewöhnliches Ereignis.
Besonders schwierig war die Brandbekämpfung, weil Teile der betroffenen Gebäude einsturzgefährdet sind. Die Einsatzkräfte konnten die Hallen deshalb zunächst nicht betreten und mussten die Flammen stundenlang von außen bekämpfen. Das Technische Hilfswerk riss mit Baggern Teile der Lagerhallen ab. Ein Statiker soll die Lage nun beurteilen.
Betroffen waren nach Angaben der Märkte Stuttgart ein überdachter Großbereich mit Photovoltaik-Anlage und Händlerflächen. Von dort aus wurden auch Teile von drei angrenzenden Hallen beschädigt.
Mehr als 200 Kräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk waren in der Nacht im Einsatz. Am Morgen wurde ein großer Teil des Personals abgelöst. Im Laufe des Tages gelang es den Einsatzkräften, die Flammen weiter einzudämmen. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand.
Die Polizei geht davon aus, dass sich der Schaden auf mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen könnte. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur weiterhin unklaren Brandursache aufgenommen und bittet Zeugen um Hinweise.
Am Abend wurden die Arbeiten von Feuerwehr, THW und beteiligten Privatunternehmen aus Sicherheitsgründen zunächst eingestellt. Allerdings bleibt die Feuerwehr die gesamte Nacht über mit einer Brandwache vor Ort. Am Sonntag soll beraten werden, wie das weitere Vorgehen aussieht.
Marktbetrieb startet teilweise wieder
Was sich genau in den brennenden Hallen befand, war zunächst unklar. Auf dem Großmarkt sind mehr als 100 Import- und Großhandelsfirmen ansässig, die frische Waren wie Obst, Gemüse und Blumen an Hotels, Gaststätten und andere gewerbliche Kunden liefern.
Nach eigenen Angaben ist der Markt der drittgrößte Handelsplatz für frische Waren in Deutschland. Er liegt im Stadtteil Wangen direkt am Neckar. Trotz des Großbrands konnte der Markt nach Angaben der Märkte Stuttgart bereits am Vormittag zu großen Teilen wieder geöffnet und für den Betrieb freigegeben werden.
Geschäftsführer Thomas Lehmann zeigte sich erleichtert, dass niemand verletzt wurde. Der materielle Schaden sei zwar erheblich, dennoch sei es dank des professionellen Zusammenspiels aller Beteiligten gelungen, Teile des Marktbetriebs schon wenige Stunden nach dem Feuer wieder aufzunehmen.
Feuerwehreinsatz mit großem Wasserbedarf
Die Löscharbeiten zogen sich über viele Stunden hin, auch wegen des enormen Wasserbedarfs. Deshalb wurde Löschwasser aus dem nahegelegenen Neckar gepumpt. Einsatzkräfte mit Booten stellten dabei sicher, dass der Fluss nicht verunreinigt wurde. Wie viele Liter Wasser aus dem Neckar entnommen wurden, ist weiterhin unklar.
Nach Einschätzung der Feuerwehr bestand am Nachmittag noch die Gefahr, dass Glutnester im Inneren der Gebäude weiterbrennen. Anand sagte, die Einsatzkräfte seien bereits reduziert worden, die Lage entspanne sich.
Um den Schaden möglichst gering zu halten, wurden geparkte Lastwagen aus dem Gefahrenbereich der Lagerhallen weggefahren. Trotzdem wurden mehrere Fahrzeuge, darunter Gabelstapler und Transporter, durch die Flammen zerstört. Durch die enorme Hitze schmolzen zudem Rolltore von gegenüberliegenden Gebäuden.
Keine Gefahr für die Bevölkerung
In der Nacht zog eine große Rauchwolke über das Industriegebiet und den Neckar. Wegen des Rauchs hatte die Feuerwehr Anwohner in einem Umkreis von rund vier Kilometern bis zum Mittag dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Klimaanlagen ausgeschaltet zu lassen.
Diese Bevölkerungswarnung wurde inzwischen aufgehoben. Anwohner können wieder lüften. Nach Angaben der Feuerwehr besteht derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber