Wetter

Warum am Bodensee Tornados drohen

Kaum zu glauben: Am Bodensee entstehen jedes Jahr mehrere Tornados. Warum ausgerechnet dort so oft Wasserhosen auftauchen.

02.07.2026, 12:25 Uhr

Bodensee gilt als Tornado-Schwerpunkt in Deutschland

Der Tornado über dem Bodensee hat viele Menschen überrascht, ein Ausnahmefall war er nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) jedoch nicht. Vielmehr zählt der See zu den Regionen in Deutschland, in denen Tornados vergleichsweise häufig auftreten. Im Schnitt entstehen dort pro Jahr zwei bis drei solcher Wirbelstürme, vor allem im Hoch- und Spätsommer.

Warum sich über dem Bodensee häufig Wasserhosen bilden

Dass Tornados ausgerechnet über dem Bodensee immer wieder entstehen, hängt mit den besonderen Wetterbedingungen zusammen. Im Sommer erwärmt sich die Wasseroberfläche stark, sodass die Luft darüber feuchter ist als in der Umgebung. Zugleich sinkt die Temperatur mit zunehmender Höhe deutlicher, was die Atmosphäre instabil macht. Diese Kombination fördert nach DWD-Angaben die Entstehung von Tornados.

Der Meteorologe Adrian Leyser aus der Tornado-Expertengruppe des DWD erläutert, dass vorhandene Luftwirbel in kräftige Aufwinde von Gewittern geraten können. Dort werden sie durch den Unterdruck in der Wolke nach oben gezogen und gestreckt. Dadurch nehmen die Windgeschwindigkeiten zu, bis sich ein schnell rotierender Luftschlauch bildet – ein Tornado.

Wird der Wasserdampf in der Luft durch den Unterdruck sichtbar, entsteht ein trichterförmiges Gebilde, das mitunter an eine Hose erinnert. Daher werden Tornados auch als Windhosen bezeichnet, über Wasser spricht man von Wasserhosen.

Viele Wirbel bleiben auf dem See unbemerkt

Nach Einschätzung des DWD treten Wasserhosen auf dem Bodensee mehrmals im Jahr auf. Häufig werden sie jedoch kaum wahrgenommen, weil sie sich weit draußen auf dem Wasser bilden oder schnell wieder verschwinden. Der Tornado vor Friedrichshafen fiel deshalb besonders auf, weil er vom Ufer aus deutlich zu sehen war.

Dem DWD zufolge bestand die Wasserhose etwa 15 Minuten lang. Die Windgeschwindigkeit wurde von Meteorologen auf 100 bis 150 Kilometer pro Stunde geschätzt. Schäden entstanden nicht, da sich der Tornado ausschließlich über dem Wasser bewegte. Auch bei der Wasserschutzpolizei gingen keine Notfälle ein.

Erreicht ein Tornado jedoch das Festland, kann er erhebliche Zerstörungen anrichten. Bei den am Bodensee geschätzten Windstärken könnten etwa Bäume brechen oder Dächer beschädigt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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