Fußball

Marokko stürmt ins WM-Viertelfinale – Kanada raus!

45 Minuten Flaute, dann explodiert Marokko – und plötzlich sorgt auch noch Bayerns Neuzugang für heftige Sorgen.

04.07.2026, 21:03 Uhr

Marokko wirft Kanada raus und zieht ins Viertelfinale ein

Während Marokkos Spieler um Doppeltorschütze Azzedine Ounahi nach dem Abpfiff ausgelassen feierten, schlich Bayern-Star Alphonso Davies nach dem WM-Aus seiner Kanadier enttäuscht über den Rasen. Der Afrika-Meister setzte sich in Houston mit 3:0 (0:0) gegen Co-Gastgeber Kanada durch und erreichte als erstes Team das Viertelfinale der Fußball-WM.

So klar das Ergebnis klingt, so mühsam war der Weg dorthin. Nach einer schwachen ersten Halbzeit drehte Marokko erst nach der Pause auf. Ounahi, später als Spieler des Spiels ausgezeichnet, traf in der 50. und 82. Minute, Soufiane Rahimi setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt (90.+8).

"Wir haben gelitten", sagte Marokkos Nationaltrainer Mohamed Ouahbi anschließend. Nach der Pause habe seine Mannschaft jedoch "beeindruckend" reagiert. Gegen ein so intensiv spielendes Team wie Kanada müsse man schwierige Phasen überstehen, wenn man in einem Turnier weit kommen wolle.

Sorge um Bayern-Neuzugang Saibari

Nach dem historischen vierten Platz bei der WM 2022 trifft Marokko im Viertelfinale nun entweder auf Favorit Frankreich oder auf Deutschland-Bezwinger Paraguay. Offen ist allerdings, ob Ismael Saibari dann wieder einsatzfähig ist. Der Bayern-Neuzugang musste schon in der 22. Minute verletzt ausgewechselt werden.

Für Kanada ist das Turnier dagegen beendet. Dennoch bleibt diese WM die bislang erfolgreichste der Teamgeschichte: Die Mannschaft von Jesse Marsch holte erstmals überhaupt Punkte bei einer Weltmeisterschaft und kam so weit wie nie zuvor. Auch die Unterstützung von Eishockey-Ikone Wayne Gretzky auf der Tribüne half am Ende nicht. Insgesamt waren 68.777 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion.

Marsch hadert trotz Ausscheiden

Kanadas Trainer Jesse Marsch sah sein Team trotz der Niederlage lange auf Augenhöhe, wenn nicht sogar vorne. "Wir waren die bessere Mannschaft. Aber sie haben ein paar Tore erzielt", sagte der frühere Leipzig-Coach. Marokko habe im letzten Drittel etwas mehr Qualität gehabt, genau daran habe es seinem Team gefehlt. Zugleich zeigte sich Marsch stolz: Es sei für die Fans ein Privileg, "so ein tolles Team" zu sehen. "Wir liegen jetzt am Boden, aber ich könnte nicht stolzer sein."

Besondere Atmosphäre am US-Feiertag

Für Kanada hatte das Spiel in Houston auch wegen des Datums eine besondere Note. In den USA wurde am Samstag der 250. Jahrestag der Unabhängigkeit gefeiert. Im und rund um das Stadion im Bundesstaat Texas waren deshalb viele US-Fahnen und Trikots zu sehen. Die USA selbst hatten an ihrem "Independence Day" spielfrei.

Auf den Rängen waren dennoch vor allem die marokkanischen Fans in der Überzahl. Der WM-Vierte von Katar zählte mit seinem talentierten Kader schon vor dem Turnier zum erweiterten Favoritenkreis. Für Saibari hatte der FC Bayern Schätzungen zufolge zuletzt rund 55 Millionen Euro an die PSV Eindhoven gezahlt.

Kanada beginnt stärker, Marokko verliert früh Saibari

In seinem insgesamt dritten WM-Achtelfinale trat Marokko zunächst überraschend passiv auf. Kanada, das auf den nicht vollständig fitten Davies diesmal komplett verzichtete, bestimmte die Anfangsphase. Jonathan David vergab eine gute Gelegenheit (5.), wenig später scheiterte Tani Oluwaseyi aus aussichtsreicher Position an Yassine Bounou, genannt Bono (10.).

Noch schwieriger wurde es für die Nordafrikaner, als Saibari kurz vor der ersten Trinkpause verletzt rausmusste. Der 25-Jährige hatte bei dieser WM bereits drei Tore erzielt, darunter den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 beim 1:1 gegen Brasilien in der Gruppenphase. Für ihn kam Rahimi. Dessen Abschluss in die Arme von Kanadas Torhüter Maxime Crépeau war in der 28. Minute der erste marokkanische Schuss aufs Tor.

Bis zur Pause blieb die Partie spielerisch zäh und phasenweise hitzig. Der größte Aufreger war eine Rangelei, nach der Kanadas Richie Laryea und Marokkos Achraf Hakimi Gelb sahen (40.). Schiedsrichter Michael Oliver hatte Mühe, die Begegnung zu beruhigen, und zeigte noch weitere Verwarnungen.

Vor dem Spiel hatte Ouahbi selbst gewarnt, dass die Leistungen aus den ersten Turnierpartien nicht ausreichen würden. Auch Brahim Díaz von Real Madrid, bislang ohne Turniertor, tat sich wie die gesamte Offensive in den ersten 45 Minuten schwer.

Ounahi erlöst Marokko nach der Pause

Kurz nach Wiederbeginn fiel dann überraschend die Führung für Marokko. Nach einem Freistoß von Hakimi landete der Ball bei Ounahi, der von der Strafraumgrenze flach ins untere Eck traf.

Mit dem 1:0 im Rücken gewann Marokko deutlich an Sicherheit. Der amtierende Afrika-Meister zog sich etwas zurück, setzte auf Konter und ließ Kanada kommen. Ounahis zweiter Treffer nahm den Kanadiern schließlich die letzte Hoffnung. In der Nachspielzeit erhöhte Rahimi noch auf 3:0 und machte den Viertelfinal-Einzug endgültig perfekt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen