Baden-Württemberg

Totes Kleinkind im Auto: Was die Obduktion jetzt enthüllen soll

Tod im Auto in Schorndorf: Starb die Einjährige an der Hitze – oder steckt eine ganz andere Ursache dahinter?

18.06.2026, 04:08 Uhr

Nach dem Tod eines 20 Monate alten Mädchens in einem Auto im baden-württembergischen Schorndorf hofft die Polizei auf neue Erkenntnisse durch eine Obduktion. Ein genauer Termin stand zunächst noch nicht fest. Nach Angaben eines Sprechers war jedoch nicht ausgeschlossen, dass die Untersuchung noch am Donnerstag oder Freitag stattfindet.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll die 44 Jahre alte Mutter ihre Tochter am heißen Mittwoch über mehrere Stunden im Wagen vergessen haben. Erst am frühen Nachmittag entdeckte sie das Kind leblos im Auto. Rettungsdienst und Notarzt versuchten laut Polizei sofort, das Mädchen wiederzubeleben. Es starb jedoch noch am Fundort.

Welche Rolle spielte die Hitze?

Bislang ist unklar, woran das Kind genau starb. Untersucht werden soll unter anderem, ob die hohen Temperaturen entscheidend waren oder ob andere gesundheitliche Ursachen eine Rolle gespielt haben.

Offen ist außerdem weiterhin, wie es nach Darstellung der Mutter dazu kommen konnte, dass sie ihr Kind so lange im Auto vergaß. Diese Umstände seien Teil der laufenden Vernehmungen, teilte die Polizei mit. Zu möglichen Ermittlungen gegen die Frau machten die Beamten zunächst keine konkreten Angaben. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnten verschiedene Fahrlässigkeitsdelikte infrage kommen. Festgenommen wurde die 44-Jährige bislang nicht.

Warum ein geparktes Auto so gefährlich wird

Fachleute warnen schon seit Jahren davor, wie schnell sich Fahrzeuge in der Sonne aufheizen. Nach Angaben des ADAC steigt die Temperatur im Innenraum selbst bei 24 Grad Außentemperatur innerhalb von zehn Minuten auf rund 31 Grad. Nach einer halben Stunde können es bereits 40 Grad sein, nach einer Stunde etwa 50 Grad. Bei 30 Grad draußen wird das Wageninnere nach einer Stunde demnach sogar bis zu 56 Grad heiß. Auch ein leicht geöffnetes Fenster verhindert den Hitzestau laut ADAC nicht zuverlässig.

Warum kleine Kinder besonders gefährdet sind

Babys und Kleinkinder reagieren auf Hitze deutlich empfindlicher als Erwachsene. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit erklärt das unter anderem damit, dass sie weniger schwitzen und ihren Körper dadurch schlechter abkühlen können. Zugleich ist ihre Stoffwechselrate höher, sie produzieren also mehr Wärme. Außerdem ist ihre Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht größer. Grundsätzlich gilt: Je jünger ein Kind ist, desto höher ist das Risiko einer gefährlichen Überhitzung.

Wie häufig solche Fälle vorkommen

Umfassende Statistiken zu Kindern, die in Autos vergessen werden und an einem Hitzeschlag sterben, gibt es nicht. Die US-Informationsplattform "No Heat Stroke" kommt auf Basis von Medienauswertungen auf durchschnittlich mehr als 37 Todesfälle pro Jahr in den USA. In diesem Jahr seien dort bislang bereits 7 Kinder auf diese Weise gestorben, seit 1998 insgesamt 1.050.

Behördliche Exaktzahlen zum sogenannten "Forgotten Baby Syndrome" gibt es demnach weder in den USA noch in vielen anderen Ländern. Nicht eingerechnet werden Fälle, in denen Eltern Kinder bewusst im Auto zurücklassen, etwa für eine kurze Besorgung, ohne die Lebensgefahr richtig einzuschätzen.

Warum Eltern Kinder im Auto vergessen können

Der US-Psychologieprofessor David M. Diamond forscht seit vielen Jahren zu solchen Fällen. Nach seinen Studien können Stress, Schlafmangel oder veränderte Alltagsroutinen dazu beitragen, dass Eltern ein Kind im Auto vergessen. Dabei könne das Gehirn gewissermaßen eine falsche Erinnerung erzeugen – etwa daran, das Kind wie üblich schon in der Betreuung abgegeben zu haben.

Diamond beschreibt, dass normalerweise das sogenannte Intentionsgedächtnis dabei hilft, geplante Handlungen zum richtigen Zeitpunkt auszuführen. In besonderen Belastungssituationen könne dieses System jedoch vom Gewohnheitsgedächtnis überlagert werden. Dann läuft eine vertraute Strecke wie im Autopilot ab – mit fatalen Folgen.

Nach Einschätzung des Forschers kommt es zudem immer wieder vor, dass Eltern während der Fahrt zeitweise vergessen, dass ihr Kind mit im Auto sitzt – besonders dann, wenn es eingeschlafen ist. In den meisten Fällen erinnern sie sich rechtzeitig wieder daran, etwa durch Geräusche oder Gegenstände wie Wickeltaschen.

Welche Vorsichtsmaßnahmen helfen können

Kinderärzte und Präventionsinitiativen raten zu einfachen Erinnerungsstrategien. So kann etwa eine Wickeltasche oder ein Spielzeug auf dem Beifahrersitz daran erinnern, dass ein Kind mitfährt. Ebenso wird empfohlen, Handtasche, Handy oder andere Dinge, die man beim Aussteigen braucht, auf die Rückbank neben den Kindersitz zu legen.

Die Organisation "No Heat Stroke" empfiehlt außerdem, mit der Betreuungseinrichtung abzusprechen, dass diese anruft, wenn ein Kind morgens unangekündigt fehlt.

Schorndorf liegt im Rems-Murr-Kreis rund 30 Kilometer östlich von Stuttgart und hat etwa 42.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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