Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sieht in der bundesweiten Störung des Bahnfunknetzes deutliche Defizite bei der Krisenvorsorge der Deutschen Bahn. Technische Pannen ließen sich zwar nie vollständig ausschließen, sagte der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz in München. Bei einem Ausfall dieser Größenordnung müsse die Bahn jedoch ein belastbares Notfallkonzept bereithalten – im Interesse der Fahrgäste ebenso wie der Wirtschaft.
Funk-Ausfall soll bei nächster Ministerkonferenz Thema werden
Bernreiter kritisierte zudem den Zustand des Bahnsystems insgesamt. Der Zusammenbruch des Zugfunknetzes zeige erneut, wie marode die Strukturen bei der Deutschen Bahn seien. Aus seiner Sicht braucht die gesamte Bahninfrastruktur dringend eine grundlegende Modernisierung. Bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz im Oktober werde DB-Chefin Evelyn Palla teilnehmen. Dann solle ausführlich über die Probleme gesprochen werden.
Störung brachte den Zugverkehr für rund zwei Stunden zum Stillstand
Am späten Dienstagabend hatte eine deutschlandweite Störung im digitalen Bahnfunk den Bahnverkehr in weiten Teilen des Landes für etwa zwei Stunden lahmgelegt. Betroffen waren Fernzüge, Regionalverbindungen und S-Bahnen; zahlreiche Fahrten fielen aus. Inzwischen läuft der Verkehr vielerorts wieder an, dennoch waren viele Reisende von den Folgen betroffen. Die ersten Züge konnten gegen 0.30 Uhr wieder fahren.
Austausch einer Komponente im GSM-R-System als Auslöser
Nach Angaben der Deutschen Bahn hing der flächendeckende Ausfall mit dem planmäßigen Wechsel einer technischen Komponente im Zugfunksystem GSM-R zusammen. Wie genau es zu der Panne kam, war zunächst noch unklar. Laut DB InfraGo ersetzt das GSM-R-Mobilfunknetz nahezu sämtliche früheren analogen Funksysteme der Deutschen Bahn.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber