Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) fordert deutlich strengere Strafen für sexualisierte Deepfakes und hält in schweren Fällen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren für angemessen. In München sagte er, solche Fälschungen hätten ein ähnlich hohes Schadenspotenzial wie eine Körperverletzung.
Bei Deepfakes werden mithilfe künstlicher Intelligenz Gesichter in Fotos oder Videos eingefügt oder Stimmen täuschend echt nachgebildet. So entsteht der Eindruck, jemand habe etwas gesagt oder getan, was nie passiert ist – etwa in pornografischen Aufnahmen.
Konkrete Zahlen zu dem Phänomen gibt es bislang nicht. Klar sei aber, dass digitale Gewalt inzwischen ein Massenphänomen ist und das Dunkelfeld groß bleibt. Besonders betroffen seien Frauen und Mädchen, die durch pornografische Deepfakes bloßgestellt und erniedrigt würden.
Tiefe seelische Folgen für Betroffene
Eisenreich zufolge werden solche Manipulationen beim Mobbing, bei Rachepornos und auch für Betrugsdelikte genutzt. Wer sich scheinbar mit dem eigenen Körper nackt und öffentlich in eindeutigen Szenen wiederfinde, trage oft tiefe seelische Folgen davon.
Wie belastend das sein kann, schilderte Schauspielerin Teresa Rizos. Die 39-Jährige, bekannt unter anderem aus „Dahoam is Dahoam“, „Servus Baby“ und „Neue Geschichten vom Pumuckl“, entdeckte bei einer Internetsuche plötzlich ein manipuliertes Bild von sich: Ihr Gesicht war auf den nackten Körper einer Frau in pornografischer Pose gesetzt worden.
Rizos berichtete von Schock, Scham, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Sie habe sich damals gefragt, ob sie selbst irgendwie dazu beigetragen habe – etwa durch ein veröffentlichtes Foto, Kleidung oder eine geäußerte Meinung. Aus Scham habe sie mit niemandem darüber gesprochen und auch nicht daran gedacht, zur Polizei zu gehen. Ihrer Einschätzung nach hätte das damals wohl ohnehin wenig gebracht, weil erst jetzt eine konkrete Strafnorm zu solchen Deepfakes auf den Weg gebracht werde.
Nach einigen Monaten verschwand das Bild wieder aus den Suchergebnissen. Der Vorfall liegt inzwischen rund fünf Jahre zurück, wirkt für sie aber bis heute nach. Rückblickend betont Rizos, dass sie damals die ganze Tragweite noch nicht verstanden habe: Solche Taten seien ebenfalls Gewalt und griffen die Würde von Menschen an.
Gesetzentwurf liegt vor
Derzeit gibt es einen ersten Gesetzentwurf, der das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll. Außerdem ist vorgesehen, dass Betroffene die Sperrung entsprechender Accounts verlangen können. Der bislang geplante Strafrahmen von bis zu zwei Jahren reicht Eisenreich jedoch nicht aus. Für besonders schwere Fälle fordert er bis zu fünf Jahre Haft.
Kritik übt der Minister zudem daran, dass eine ausdrückliche Regelung zum Identitätsmissbrauch fehle. Dabei geben sich Täter im Internet als andere Personen aus, um deren Ruf zu schädigen oder sich unrechtmäßig finanzielle Vorteile zu verschaffen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekam die Debatte über digitale und sexualisierte Gewalt zuletzt durch Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Er soll Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Rizos hofft, dass die geplanten Regeln bald beschlossen werden. Es dürfe nicht erlaubt sein, mit dem Bild oder der Identität eines Menschen im Internet beliebig umzugehen, sagte sie. Ihr Rat an mögliche Betroffene: Hinweise auf solche Deepfakes möglichst nicht allein sichten, weil das zusätzlich traumatisieren könne. Wichtig sei vor allem zu wissen, dass niemand damit allein sei, man sich wehren könne und die Schuld nicht bei den Betroffenen liege.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber