Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien deuten erste Hochrechnungen auf einen klaren Sieg des Bündnisses von Ex-Präsident Rumen Radew hin. Nach Daten mehrerer Umfrageinstitute erreicht seine Allianz Progressives Bulgarien (PB), die dem als russlandnah geltenden früheren General zugerechnet wird, bis zu 45 Prozent der Stimmen. Damit könnte PB im 240 Sitze umfassenden Parlament auf bis zu 140 Mandate kommen und allein die absolute Mehrheit stellen.
Mit großem Rückstand folgen den Prognosen zufolge zwei etablierte, westlich orientierte Parteien. Das konservative Bündnis Gerb-SDS, das bis zum Rücktritt der Koalitionsregierung im Dezember 2025 die Regierung führte, sowie das proeuropäische liberal-konservative Bündnis PP-DB liegen demnach mit jeweils 12 bis 13 Prozent im Rennen um Platz zwei. PP-DB hatte im Dezember zu Massenprotesten aufgerufen, die schließlich zum Rücktritt der damaligen Regierung von Gerb-SDS beitrugen.
Rund 6,5 Millionen Menschen waren wahlberechtigt
Etwa 6,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Derzeit wird das Land von einer Übergangsregierung geführt. Radew, früher Kampfpilot, hatte sein Amt als Staatspräsident im Januar niedergelegt, um selbst bei der Wahl anzutreten.
Die Vier-Prozent-Hürde dürfte nach den bisherigen Zahlen auch die Partei DPS des umstrittenen Politikers Deljan Peewski überwunden haben. Sie kommt demnach auf etwas mehr als sieben Prozent. Peewski steht wegen Korruptionsvorwürfen auf Sanktionslisten der USA und Großbritanniens.
Deutlich verloren hat laut den Hochrechnungen die nationalistische und prorussische Partei Wasraschdane ("Wiedergeburt"). Nach 13,3 Prozent im Jahr 2024 fällt sie nun auf etwa vier Prozent zurück. Ob sie nach Auszählung der Stimmen aus dem Ausland sicher im Parlament vertreten sein wird, blieb zunächst offen. Im Europaparlament gehört Wasraschdane derselben Parteienfamilie an wie die AfD.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion