Politik

UN-Bericht: Sexuelle Gewalt in Konflikten explodiert

UN-Report enthüllt drastischen Anstieg sexueller Gewalt in 21 Krisengebieten – Israels wütende Reaktion wirft neue Fragen auf.

29.05.2026, 18:16 Uhr

Die Vereinten Nationen verzeichnen einen starken Anstieg sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten. Nach Angaben von Pramila Patten, der UN-Sonderbeauftragten für sexuelle Gewalt in Konflikten, ist die Zahl der dokumentierten Fälle im Jahr 2025 deutlich gestiegen. In New York sagte sie, sexualisierte Gewalt werde zunehmend als Kriegsstrategie, Mittel der Folter, des Terrors und der politischen Unterdrückung eingesetzt. Betroffen seien vor allem Frauen und Mädchen, die Taten seien von äußerster Brutalität geprägt.

Fast 10.000 dokumentierte Fälle in 21 Konfliktgebieten

Der Bericht erfasst 21 Konfliktregionen und nennt insgesamt 9.788 Fälle konfliktbezogener sexueller Gewalt. Das entspricht laut UN etwa einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Zugleich betonte Patten, dass diese Zahl nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes abbilde. Zivilisten seien sowohl von staatlichen Kräften als auch von bewaffneten nichtstaatlichen Gruppen angegriffen worden – unter anderem durch Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, Entführungen und sexuelle Versklavung.

Gewalt als Mittel zur Kontrolle und Einschüchterung

In Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo sei sexuelle Gewalt gezielt genutzt worden, um Gebiete zu beherrschen und Zugang zu wertvollen Rohstoffvorkommen zu sichern. Die Terrormiliz IS im Irak und in der Levante sowie Al-Kaida hätten laut Bericht Entführungen, Zwangsehen, Menschenhandel und Geiselnahmen strategisch eingesetzt. Im Sudan seien Frauen und Mädchen demnach auch wegen ihrer ethnischen Herkunft gezielt attackiert worden.

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon.
Danny Danon vertritt Israel als Botschafter bei den Vereinten Nationen. (Archivbild) Quelle: Seth Wenig/AP/dpa

Der Bericht schildert zahlreiche Fälle von Frauen, Mädchen, Männern und Jungen, deren Leben durch extreme Gewalt massiv zerstört worden sei.

Vorwürfe gegen Israel wegen Gewalt an Palästinensern

In dem noch nicht veröffentlichten Dokument werden auch israelischen Stellen sexualisierte Übergriffe auf Palästinenser vorgeworfen. Genannt werden unter anderem Vergewaltigungen, auch mit Gegenständen, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen, Gewalt gegen die Genitalien sowie gezielte Schüsse auf den Genitalbereich. Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe als unbegründet zurück und sprach von haltlosen Anschuldigungen ohne Tatsachengrundlage.

Israelische Sicherheitskräfte und Russland neu aufgeführt

Laut Bericht bestätigten die Vereinten Nationen 2025 mehrere Fälle konfliktbezogener sexualisierter Gewalt im Gazastreifen und im Westjordanland. Betroffen gewesen seien 14 Männer, 7 Frauen, 9 Jungen und 1 Mädchen. Bei neun Opfern seien Vergewaltigungen oder Gruppenvergewaltigungen dokumentiert worden, teils wiederholt. Die meisten dieser Opfer stammten demnach aus dem Gazastreifen.

Die israelischen Sicherheitskräfte werden in dem Bericht auf eine Liste von Akteuren gesetzt, gegen die ein glaubhafter Verdacht besteht, systematisch Vergewaltigungen oder andere Formen sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten begangen zu haben. Neu auf dieser Liste steht auch Russland. Für Russland verifizierte die UN im Jahr 2025 insgesamt 310 Fälle sexualisierter Gewalt, davon 52 aus demselben Jahr. Dokumentiert wurden unter anderem Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen und Genitalverstümmelungen. Unter den Betroffenen seien 280 Männer, 26 Frauen und 4 Mädchen.

Israel spricht von "falscher Symmetrie"

Das israelische Außenministerium kritisierte die Entscheidung scharf und nannte sie beschämend und absurd. Es warf den Vereinten Nationen vor, damit eine falsche Gleichsetzung zwischen Israel und den von der Hamas begangenen sexuellen Gräueltaten herzustellen. Auch die Hamas steht erneut auf der entsprechenden UN-Liste.

Zugleich sprach das Außenministerium von einer langjährigen und institutionell verankerten Feindseligkeit der UN gegenüber Israel. Die israelische UN-Vertretung in New York reagierte ebenfalls empört und kündigte am Donnerstag an, die Kontakte mit dem UN-Generalsekretariat unter António Guterres abzubrechen.

UN-Sprecher Stéphane Dujarric erklärte daraufhin, man habe von diesem Schritt zunächst über soziale Medien erfahren. Die Vereinten Nationen seien jedoch jederzeit zu Gesprächen bereit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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