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Hütten-Ärger: Kein Bett trotz leerer Schlafplätze?

Doppelbuchung, No-Shows, Frust auf der Hütte: Warum faires Reservieren am Berg jetzt auch für andere Wanderer entscheidend ist.

25.06.2026, 04:30 Uhr

DAV appelliert an Wanderer: Hüttenplätze fair reservieren und rechtzeitig absagen

Der Deutsche Alpenverein (DAV) ruft Bergsportlerinnen und Bergsportler zu mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Buchung von Schlafplätzen auf Alpenvereinshütten auf. Hintergrund ist die stark gestiegene Nachfrage nach Übernachtungen, während das Platzangebot auf den Hütten naturgemäß begrenzt bleibt.

Problem durch Nichterscheinen und Doppelbuchungen

Nach Angaben des DAV haben Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte zunehmend mit sogenannten No-Shows zu kämpfen. Gemeint sind Gäste, die Betten reservieren, dann aber nicht auftauchen und ihre Buchung auch nicht rechtzeitig absagen.

Erschwerend kommt hinzu, dass manche Wandernde vorsorglich mehrere Hütten gleichzeitig buchen und sich erst kurz vor der Tour für eine Route entscheiden. Dadurch werden Plätze blockiert, die anderen Interessierten fehlen. Werden diese Reservierungen erst spät storniert oder gar nicht genutzt, bleiben die Betten häufig leer.

Rund 930.000 Übernachtungen im Jahr 2024

Auf den 325 Berg- und Schutzhütten des DAV stehen insgesamt etwa 20.000 Schlafplätze zur Verfügung. Im Jahr 2024 wurden dort rund 930.000 Übernachtungen gezählt. Gerade an gefragten Sommerwochenenden und in beliebten Bergregionen sorgen kurzfristige Absagen und Mehrfachbuchungen laut DAV für erhebliche Schwierigkeiten. Viele Hütten an bekannten Routen und Gipfeln seien oft schon Wochen vorher ausgebucht.

Wer ohne Reservierung ankommt, muss unter Umständen wieder umkehren, falls keine freien Plätze mehr vorhanden sind und der Abstieg ins Tal noch zumutbar ist. Ist das nicht möglich, bleibt manchmal nur eine Nacht auf dem Boden des Gastraums – unangenehm für die Betroffenen ebenso wie für das Hüttenteam und andere Gäste.

No-Show auf Hütten - Kein Schlafplatz trotz leerer Betten?
Wanderungen mit Hüttenübernachtung liegen im Trend. (Archivbild) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Schlafplätze sind knappes Gut

Robert Kolbitsch, beim DAV für Hütten und Wege zuständig, betont, dass Übernachtungsplätze auf Alpenvereinshütten nur in begrenzter Zahl vorhanden seien. Wer reserviere, solle den Platz deshalb auch tatsächlich nutzen oder andernfalls frühzeitig absagen. Das erleichtere nicht nur die Planung für die Hüttenwirte, sondern gebe auch anderen Wanderern die Chance auf eine Tour mit Hüttenübernachtung.

Für die Wirtinnen und Wirte ist eine verlässliche Planung wichtig. Sie müssen Einkäufe im Tal organisieren, den Transport zur Hütte sicherstellen und Speisen vorbereiten. Carolin Kalkbrenner von der DAV-Sektion München weist darauf hin, dass insbesondere bei ausbleibenden Gruppen große Probleme entstehen können. Im schlimmsten Fall müssten bereits vorbereitete Lebensmittel entsorgt werden.

Sie kritisiert, dass Gäste, die reservieren und ohne Absage fernbleiben, rücksichtslos gegenüber anderen Bergsportlern handeln und den solidarischen Gedanken am Berg missachten. Auch parallele Reservierungen auf mehreren Hütten seien nicht akzeptabel.

Stornogebühren haben sich verbreitet

Bereits vor rund zehn Jahren hatten sich der DAV, der Österreichische Alpenverein und der Alpenverein Südtirol auf eine gemeinsame Empfehlung zu Stornogebühren verständigt, um gegen nicht wahrgenommene Reservierungen vorzugehen. Diese Praxis hat sich inzwischen vielerorts etabliert. Nach Schätzungen des DAV verlangen inzwischen etwa drei Viertel der DAV-Hütten im Stornofall eine Gebühr. Ob sie erhoben wird, entscheiden jedoch die jeweiligen Wirtsleute selbst. Eine generelle Reservierungsgebühr gibt es auf DAV-Hütten dagegen nicht.

Online-Buchung erleichtert Reservierungen – und wohl auch Fehlbuchungen

Mit dem Online-System „Hut Reservation“ ist die Buchung eines Schlafplatzes deutlich einfacher geworden. Gleichzeitig berichten zahlreiche Wirte, dass die Zahl der No-Shows über die Jahre gestiegen sei. Der DAV hält es für möglich, dass die niedrige Hürde der Online-Reservierung auch Doppel- oder Mehrfachbuchungen begünstigt hat.

Nach Einschätzung der Sektion München zeigen die eingeführten Storno- und No-Show-Gebühren inzwischen aber Wirkung: Die Zahl der Nichterscheinenden sei rückläufig.

Kampagne soll für Hüttenkultur sensibilisieren

Um Gäste besser auf die Besonderheiten des Hüttenlebens aufmerksam zu machen, haben die Alpenvereine die Kampagne „Hütten-Reality-Check“ gestartet. Auch dabei geht es darum, für einen fairen und verantwortungsvollen Umgang mit Reservierungen zu werben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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