Wetter

Warum die Hitze Main und Donau bedroht

Über 25 Grad im Wasser? Für Badegäste traumhaft – für Fische und Pflanzen beginnt jetzt ein gefährlicher Kampf ums Überleben.

25.06.2026, 04:01 Uhr

Hitze setzt Main massiv unter Druck – nun auch Warnung für die Donau

Die anhaltende Hitzewelle lässt den Main derzeit in rasantem Tempo wärmer werden. Fachleute sprechen von einer äußerst angespannten Lage. Auch an der Donau, die unter anderem von kaltem Wasser aus dem Alpenraum und aus Gletscherschmelze geprägt wird, verschärft sich die Situation spürbar.

Wie warm ist der Main derzeit?

Besonders kritisch ist die Lage am unteren Main zwischen Würzburg und Kahl am Main. Als Problemzone gilt vor allem der Großraum Kitzingen, Würzburg und Erlabrunn. Dort sinkt die Wassertemperatur nachts inzwischen nicht mehr unter 26 Grad, tagsüber werden teils mehr als 27 Grad erreicht.

In Erlabrunn wurden am Donnerstagnachmittag 28,6 Grad gemessen. Für diese Jahreszeit wären etwa 20 bis 25 Grad deutlich günstiger. Auffällig ist vor allem das Tempo der Entwicklung: Noch vor sechs Tagen lag die Temperatur laut Gewässerökologin Eva-Barbara Meidl bei rund 20 Grad.

Auch am oberen Main zwischen Bamberg und Würzburg könnte sich die Situation bis Sonntag weiter zuspitzen. Nach Einschätzung der Expertin hat sich die Lage innerhalb von nicht einmal einer Woche deutlich verschärft.

Ein Grund dafür ist die Struktur des Flusses. Der Main ist mehr als 520 Kilometer lang, knapp 408 Kilometer davon verlaufen durch Bayern. Anders als die Donau hat der Main rund 30 Staustufen. Dadurch fließt das Wasser langsamer und kann sich leichter aufheizen.

Wie sieht es an der Donau aus?

Auch die Donau erwärmt sich inzwischen so stark, dass für den Abschnitt zwischen Regensburg und Passau eine Warnung herausgegeben wurde. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz meldet die Messstation Pfelling bei Deggendorf seit Mittwoch in der Tagesspitze Wassertemperaturen von mehr als 26,5 Grad – mit weiter steigender Tendenz.

Trotzdem bleibt die Donau meist noch etwas kühler als der Main, weil sie von Flüssen aus dem Alpenraum gespeist wird.

Folgen für Tiere und Pflanzen

Halten die hohen Temperaturen länger an, drohen ökologische Schäden. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff und belastet damit Fische und andere Wasserlebewesen. Zusätzlich können hohe Temperaturen starkes Algenwachstum fördern. Sterben die Algen später massenhaft ab, wird bei ihrer Zersetzung erneut viel Sauerstoff verbraucht.

Noch wird der Sauerstoffgehalt im Main als gut eingeschätzt. Erste Tiere zeigen aber bereits deutliche Stressreaktionen. Betroffen sind sehr kleine Krebse von nur sechs bis sieben Millimetern Größe, die nach Beobachtungen bereits apathisch wirken.

Nicht alle Fischarten reagieren gleich. Forellen, Zander und Hechte bevorzugen eher kühles Wasser, während karpfenartige Fische höhere Temperaturen besser verkraften. Ein flächendeckendes Fischsterben wird derzeit noch nicht erwartet. Die Tiere stehen aber unter Stress, suchen Schatten und gehen teils zum Atmen an die Wasseroberfläche. Sollte die Hitze anhalten und keine Abkühlung einsetzen, könnte die Lage spätestens übers Wochenende oder Anfang kommender Woche kritisch werden.

Wann Alarmpläne greifen

Für Main und Donau gibt es spezielle Alarmpläne für heiße Sommerphasen. Am Main ist dieser Plan seit Wochenbeginn aktiv. Das bedeutet, dass die Behörden Temperatur und Sauerstoffgehalt besonders engmaschig kontrollieren.

Steigt die Wassertemperatur weiter, kann das konkrete Folgen für Flussnutzer haben, etwa für Unternehmen, die Wasser in den Main einleiten. Auch für die Donau gibt es einen solchen Alarmmechanismus. In Bayern leben dort rund 60 Fischarten, außerdem brüten in den Auen 135 Vogelarten.

Die Regierungen von Unterfranken und der Oberpfalz informieren bei steigenden Temperaturen frühzeitig Unternehmen, Schifffahrt und Behörden. Im Alarmfall sollen zum Beispiel keine zusätzlichen warmen Abwässer mehr eingeleitet werden. Städte und Gemeinden werden außerdem gebeten, auf Kanalspülungen und ähnliche Maßnahmen möglichst zu verzichten.

Für den Donauabschnitt im Bereich der aktuellen Warnung gilt zudem: Wasserwirtschaftsämter und Kreisverwaltungsbehörden sollen Maßnahmen vermeiden, die Sauerstoffgehalt und Temperatur weiter verschlechtern könnten. Dazu zählen etwa Schlammräumungen und Baggerarbeiten.

Was Badegäste und Bootsfahrer beachten sollten

Fachleute rufen alle Menschen, die die Flüsse zum Baden oder für Bootstouren nutzen, zu besonderer Rücksicht auf. Wer paddelt, sollte vor allem am Ufer möglichst kein Sediment aufwirbeln. In diesen nährstoffreichen Ablagerungen werden Bakterien und Pilze besonders aktiv. Das verbraucht zusätzlichen Sauerstoff, der dann Fischen und Mikroorganismen fehlt.

Offizielle Badestellen gelten dabei als unproblematisch, weil sich kleine Fische dort in der Regel nicht aufhalten. Ruhigere Flussbereiche sollten Schwimmerinnen und Schwimmer dagegen möglichst meiden. Gerade dorthin ziehen sich viele Fische zurück, weil diese Rückzugsorte für sie in der Hitze immer wichtiger werden.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen