Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht trotz des ersten bestätigten Ebola-Falls in Frankreich keinen Anlass, ihre globale Risikobewertung anzuheben. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte in Genf, dass das Risiko außerhalb der betroffenen Regionen weiterhin gering sei.
„Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte Tedros bei einer Pressekonferenz.
Er verwies darauf, dass es seit dem ersten dokumentierten Ebola-Ausbruch vor rund 50 Jahren zwar Zehntausende Infektionen in Afrika gegeben habe, außerhalb des Kontinents jedoch weniger als 30 Fälle registriert worden seien.
Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums wurde in Frankreich erstmals eine Ebola-Infektion festgestellt, die mit dem aktuellen Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo in Verbindung steht. Betroffen ist demnach ein Arzt, der dort im humanitären Einsatz war.
Fast 80 Infektionen unter Gesundheitspersonal
Tedros betonte, der Fall zeige, welchen Gefahren Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten ausgesetzt seien. Nach WHO-Angaben haben sich bislang fast 80 Beschäftigte im Gesundheitswesen angesteckt. Der erkrankte Arzt in Frankreich befinde sich den Umständen entsprechend in stabilem Zustand und leide an Fieber sowie leichten Beschwerden.
Zugleich hob der WHO-Chef hervor, dass im Kongo sowohl Behandlungsmöglichkeiten als auch Testkapazitäten zügig ausgebaut worden seien. Dennoch bleibe die Lage schwierig. Laut Tedros verbreite sich der Ausbruch noch immer schneller als die eingeleiteten Gegenmaßnahmen.
Zu den größten Problemen zählen demnach:
- unzureichende Nachverfolgung von Infektionsketten,
- Schwierigkeiten bei sicheren und hygienischen Bestattungen,
- fehlende finanzielle Mittel,
- sowie die angespannte Sicherheitslage in den betroffenen Gebieten.
Seit der offiziellen Bekanntgabe des Ausbruchs im Mai ist die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle im Kongo laut WHO auf mehr als 1.000 gestiegen. Über 270 Menschen sind bislang gestorben.
Medikamentenstudien sollen bald starten
Wie die WHO weiter mitteilte, sollen ab kommender Woche im Kongo zwei mögliche Behandlungen gegen Ebola vom Typ Bundibugyo getestet werden. Dabei handelt es sich um das experimentelle Mittel MBP134 sowie das antivirale Medikament Remdesivir.
An den Studien sollen rund 1.000 positiv getestete Patienten teilnehmen. Für die Bundibugyo-Variante gibt es bisher weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber