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Droht jetzt das Aus der Schaltsekunde?

27-mal bekam die Zeit eine Extra-Sekunde – doch seit 2016 könnte endgültig Schluss sein. Warum das jetzt alles verändert.

08.10.2026, 04:00 Uhr

Um die offizielle Zeit bislang an die leicht schwankende Erdrotation anzupassen, wurden bei Bedarf Schaltsekunden eingeführt. Dieses Verfahren steht nun vor dem Aus: Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) will die zusätzlichen oder wegfallenden Sekunden beenden, um Zeitsysteme stabiler zu machen. Die endgültige Bestätigung soll am 15. Oktober in Versailles erfolgen.

Warum es Schaltsekunden gibt

Die Zeitmessung stützt sich auf zwei Bezugssysteme. Die Koordinierte Weltzeit (UTC) wird mit hochpräzisen Atomuhren bestimmt. Daneben gibt es die Universalzeit UT1, die sich an der tatsächlichen Rotation der Erde orientiert. Während Atomuhren gleichmäßig laufen, verändert sich die Drehgeschwindigkeit unseres Planeten geringfügig – von Tag zu Tag, über Jahreszeiten hinweg und auch im Verlauf von Jahrzehnten.

Dadurch entfernen sich beide Zeitskalen langsam voneinander. Um das zu begrenzen, wurde festgelegt, dass UTC und UT1 höchstens um 0,9 Sekunden auseinanderliegen dürfen. Wird diese Grenze fast erreicht, gleicht eine Schaltsekunde den Unterschied wieder aus. Seit 1972 ist das 27-mal geschehen. Zuständig dafür ist der Internationale Erdrotations- und Referenzsystemdienst (IERS). Die letzte Schaltsekunde wurde Ende 2016 eingefügt.

Meist wurde sie entweder am 30. Juni oder am 31. Dezember am Tagesende ergänzt. Dann dauerte die letzte Minute des Tages 61 statt 60 Sekunden.

Welche Folgen eine Schaltsekunde haben kann

Im Alltag merken die meisten Menschen davon nichts. Technische Systeme können jedoch empfindlich reagieren. Vor allem Computersysteme sowie kritische Infrastruktur in Bereichen wie Energie, Telekommunikation oder Verkehr sind auf eine möglichst gleichmäßige Zeitbasis angewiesen. Genau dort können plötzliche Korrekturen Probleme verursachen.

Warum die Entscheidung gerade jetzt ansteht

Langfristig wird die Erdrotation durch die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne eher langsamer. In den vergangenen Jahren hat sich die Erde nach Angaben der CGPM allerdings leicht schneller gedreht. Damit könnte erstmals nicht eine zusätzliche, sondern eine negative Schaltsekunde nötig werden – also das Streichen einer Sekunde.

Ein solcher Fall ist bisher noch nie eingetreten. Ob sich eine Minus-Schaltsekunde technisch ohne Störungen umsetzen ließe, ist unklar. Aus Sicht der Industrie wären dafür erhebliche Vorbereitungen notwendig, verbunden mit zusätzlichen Kosten.

Da die Wahrscheinlichkeit für eine solche Situation in den kommenden Jahren steigt, will die CGPM das Verfahren möglichst bald ganz abschaffen. Nach bisherigem Plan könnte das zum 20. Mai 2027 geschehen.

Was konkret vorgesehen ist

Künftig soll UTC ohne sprunghafte Korrekturen weiterlaufen. Anstelle einzelner Schaltsekunden soll also eine durchgehende, gleichmäßige Weltzeit gelten. Dafür dürfte der Abstand zwischen UTC und der astronomischen Zeit UT1 künftig deutlich größer werden: erlaubt wären bis zu 3.600 Sekunden, also eine volle Stunde.

Fachleute gehen davon aus, dass dann über viele Generationen hinweg keine Anpassung mehr nötig wäre. Der konkrete Grenzwert wurde auch deshalb festgelegt, weil bestimmte Softwarelösungen einen definierten Maximalwert benötigen.

Was die neue Regelung bedeuten würde

Ohne Schaltsekunden würden sich UTC und UT1 nach und nach weiter auseinanderentwickeln. Die Uhrzeit würde sich also langsam stärker von der tatsächlichen Sonnenstellung unterscheiden. Im Alltag hätte das aber auf lange Sicht kaum praktische Bedeutung.

Schon heute stimmt die gesetzliche Uhrzeit ohnehin nicht exakt mit der örtlichen Sonnenzeit überein – unter anderem wegen Zeitzonen, geografischer Lage und Sommerzeit.

Spürbarer wäre die Änderung vor allem für Fachbereiche, die direkt mit astronomischer Zeit arbeiten. Dazu zählen etwa Astronomen sowie Experten aus der Geodäsie und der Vermessung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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