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Beben-Schock: Kolumbien ruft landesweiten Notstand aus

Schock in Kolumbien: Das heftigste Beben seit Jahrzehnten fordert über 100 Tote – unter den Trümmern wird noch gesucht.

11.08.2026, 00:24 Uhr

Nach schwerem Erdbeben: Präsident ruft Notstand aus

Nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,4 hat Kolumbiens Präsident Abelardo de la Espriella den landesweiten Notstand ausgerufen. Der erst vor wenigen Tagen vereidigte Staatschef sprach während eines Krisentreffens zunächst von 111 Todesopfern. In der Nacht zum Dienstag meldete der Städteverbund Asocapitales jedoch bereits 132 Tote sowie Hunderte Verletzte. Die Zahl dürfte weiter steigen.

De la Espriella erklärte, sämtliche staatlichen Mittel würden mobilisiert, um die Folgen der Katastrophe zu bewältigen. Oberste Priorität habe die Rettung von Menschen, die unter Trümmern verschüttet sind. Für den neuen Präsidenten ist die Naturkatastrophe die erste große Bewährungsprobe im Amt.

Das gesamte Ausmaß der Zerstörung ist weiter unklar. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden, vielerorts helfen auch Anwohner bei der Bergung. Die Behörden gehen davon aus, dass noch zahlreiche Menschen unter Trümmern eingeschlossen sind.

188 Vermisste allein in Cali

Besonders im Fokus steht derzeit die Millionenstadt Cali südlich des Epizentrums. Dort werden nach Angaben des Präsidenten 188 Menschen vermisst. „Darauf werden sich jetzt all unsere Kräfte konzentrieren“, sagte de la Espriella bei einer Pressekonferenz vor Ort.

Regierung und lokale Behörden arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, betonte der Präsident. Zu den bereits eingesetzten 600 Soldaten sollen demnach 400 weitere hinzukommen, um die Such- und Bergungsarbeiten zu unterstützen.

Hunderte Verletzte befürchtet

Auch bei den Verletzten gehen die Angaben bislang auseinander. Während zunächst niedrigere Zahlen genannt wurden, meldeten betroffene Regionen deutlich höhere Werte. Allein in Cali sprach der Präsident inzwischen von etwa 700 Verletzten und 35 Toten.

Aus Chocó wurden nach Angaben der dortigen Gouverneurin 119 Verletzte gemeldet. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Zahl der Verletzten landesweit noch deutlich steigt.

Tausende Häuser beschädigt, schwere Schäden in Pereira und Cali

Nach offiziellen Angaben wurden in mehreren Städten im Umkreis des Epizentrums tausende Wohnhäuser schwer beschädigt, darunter in Cali, Pereira und Manizales. Hinzu kommen massive Schäden an öffentlichen Gebäuden.

Besonders schwer traf es Pereira: Dort kamen nach jüngsten Angaben der Stadtverwaltung 66 Menschen ums Leben, 11 weitere werden vermisst. Zudem gelten nach einem Post der Behörden 53 Menschen als verschüttet. Demnach stürzten in der Stadt 58 Gebäude vollständig ein.

Auch Cali wurde schwer verwüstet. Dort stürzten nach Angaben des Präsidenten rund 40 Gebäude sowie drei Krankenhäuser komplett ein. Die Stadt ist unter anderem für ihre vielen Salsa-Schulen bekannt und gilt auch bei europäischen Touristen als beliebtes Reiseziel.

Im Viertel La Alameda berichtete ein Feuerwehrchef, ein vierstöckiges Gebäude sei komplett eingestürzt. Drei Menschen seien dort lebend aus den Trümmern gerettet worden. Zahlreiche Bewohner beteiligten sich an der Suche nach weiteren Überlebenden.

Infrastruktur stark beeinträchtigt

Auch die Infrastruktur des Landes ist betroffen: Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Nach Angaben des Präsidenten sind sechs Flughäfen wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb.

Der Flughafen von Cali ist den jüngsten Angaben zufolge nur noch eingeschränkt betriebsbereit. In Manizales wurde zudem die Kathedrale schwer beschädigt.

Starkes Beben auch in Nachbarländern zu spüren

Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes. Das Beben ereignete sich am Montag um 7.34 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mitteilte. Anschließend wurden zahlreiche Nachbeben registriert.

Der SGC hatte das Erdbeben als das stärkste in Kolumbien registrierte Beben im 21. Jahrhundert bezeichnet. Die Erschütterungen waren auch in Bogotá, Medellín, Popayán und Armenia deutlich zu spüren. Berichten zufolge wurde das Beben außerdem in Ecuador, Venezuela und Panama wahrgenommen.

Augenzeugen berichten von Panik und Schäden

Viele Menschen verließen in Panik ihre Häuser, während Autos auf den Straßen schwankten und Fensterscheiben klirrten. Eine Frau aus Manizales schilderte, sie habe zunächst an ein leichteres Beben gedacht, dann aber Todesangst bekommen, weil die Erschütterungen immer stärker geworden seien.

Auch aus Armenia wurden Schäden gemeldet. Ein Bewohner berichtete, ein Teil seines Hausdachs sei eingestürzt und die Wände hätten Risse bekommen. Selbst im mehrere hundert Kilometer entfernten Bogotá war das Beben noch deutlich zu spüren. Dort sagte Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung, die ganze Wohnung und das gesamte Gebäude hätten geschwankt – ein solches Erdbeben habe sie dort noch nicht erlebt.

Experten sehen keinen Zusammenhang zu Beben in Venezuela

Erinnerungen weckte das Beben an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort hatten am 24. Juni binnen weniger Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes erschüttert, Tausende Menschen kamen ums Leben.

Einen direkten Zusammenhang gibt es nach Einschätzung des Geologischen Dienstes jedoch nicht. Demnach wurden die Beben durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela spielte die Karibische Platte eine Rolle, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.

Frühere schwere Erdbeben in Kolumbien

Das zuvor stärkste Erdbeben in der Region ereignete sich 1958 vor der Küste zwischen Ecuador und Kolumbien mit einer Stärke von 7,6. Damals kamen laut Geologischem Dienst 15 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 starben in Armenia und umliegenden Gemeinden bei einem Beben der Stärke 6,1 mehr als 1.000 Menschen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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