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Umfrage: Warum Nichttrinker sich rechtfertigen müssen

Feiern ohne Alkohol? Für viele undenkbar – wer nichts trinkt, muss sich oft rechtfertigen. Eine Umfrage mit brisanten Einblicken.

24.10.2026, 04:00 Uhr

Umfrage: Alkoholverzicht muss in Deutschland oft noch erklärt werden

Wer in Deutschland keinen Alkohol trinkt, stößt damit laut einer aktuellen Umfrage häufig auf Nachfragen. Nach Angaben der Krankenkasse Pronova BKK sagten 42 Prozent der Befragten, sie hätten sich schon einmal dafür rechtfertigen müssen, keinen Alkohol zu trinken.

Die Erhebung wurde für die Studie „Alkohol in Alltag, Familie und Beruf“ in Auftrag gegeben. Im Juli und August wurden dafür bundesweit 1.228 Erwachsene ab 18 Jahren online befragt.

Alkohol ist für viele Teil von Feiern

86 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erklärten, grundsätzlich Alkohol zu konsumieren. 38 Prozent trinken demnach mindestens einmal pro Woche alkoholische Getränke. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei den Männern greift etwa jeder Zweite mindestens wöchentlich zu Bier, Wein oder Spirituosen, bei den Frauen ist es etwas mehr als jede Vierte.

39 Prozent nannten als Grund, dass Alkohol bei bestimmten Anlässen für sie einfach dazugehört.

Patrizia Thamm, Wirtschaftspsychologin und Referentin für Gesundheitsförderung bei der Pronova BKK, sagte, Alkohol sei in vielen sozialen Situationen so fest verankert, dass der Konsum oft gar nicht mehr als bewusste Entscheidung wahrgenommen werde. Stattdessen gelte Trinken vielerorts als selbstverständlich.

Gemeinsames Trinken als soziales Ritual

Nach Einschätzung von Thamm entsteht durch solche gesellschaftlichen Gewohnheiten oft die stillschweigende Erwartung, dass alle mitmachen. Hinzu komme der Wunsch, dazuzugehören. Gemeinsames Trinken könne Verbundenheit ausdrücken, während Ablehnung schnell als Distanzierung verstanden werde.

Alkoholkonsum
Obwohl die meisten Befragten selbst Alkohol konsumieren, sehen viele den Konsum anderer kritisch. (Symbolbild) Quelle: Robert Michael/dpa

Fast jede dritte befragte Person gab an, sich schon mehrfach erklären zu müssen, weil ein alkoholisches Getränk abgelehnt wurde. Thamm betonte, dass nicht der Verzicht problematisch sei, sondern die verbreitete Annahme, Alkohol sei der Normalfall.

Viele berichten von negativen Erfahrungen

Obwohl die meisten selbst Alkohol trinken, sehen viele den Konsum anderer kritisch. Laut Studie hat fast die Hälfte schon einmal eine Feier oder Party früher verlassen, weil andere zu betrunken waren. 46 Prozent machten diese Erfahrung bereits.

Rund ein Drittel berichtete außerdem, mindestens einmal von einer alkoholisierten Person angegriffen worden zu sein.

Besonders alarmierend sind die Angaben zu sexueller Belästigung: Mehr als jede dritte Frau erklärte, schon von einer betrunkenen Person sexuell belästigt worden zu sein. Bei mehr als der Hälfte dieser Betroffenen geschah das sogar mehrfach. Unter den Männern berichteten 19 Prozent von ähnlichen Erlebnissen.

Warnungen vor gesundheitlichen Folgen

Bereits vor einigen Monaten hatte der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck darauf hingewiesen, dass über die Risiken von Alkohol oft erst sehr spät und zu zurückhaltend gesprochen werde – meist dann, wenn der Konsum bereits problematisch geworden sei.

Nach seinen Worten kann Alkohol unter anderem Krebs begünstigen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern, abhängig machen und Familien stark belasten. Im Zusammenhang mit der Aktionswoche Alkohol erklärte Streeck zudem, weniger zu trinken bedeute für viele Menschen keinen Verlust, sondern einen Zugewinn an Gesundheit, Freiheit und Lebensqualität.

Auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen rief dazu auf, den eigenen Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen, zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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