Macron spricht nach Schüssen nahe Paris von nationaler Trauer
Nach den tödlichen Schüssen eines Autofahrers in der Region Paris sieht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Land in Trauer. Bei einem Besuch in Trappes bezeichnete er die Tat als „rassistischen Terroranschlag“ und sprach von einem „Wendepunkt“ für Frankreich.
Ein Mann hatte am Freitagvormittag aus einem fahrenden Auto heraus mit einer automatischen Waffe auf mehrere Ziele geschossen. Dabei wurde ein Mensch getötet, fünf weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen, darunter auch ein zwölfjähriges Mädchen. Der mutmaßliche Täter wurde wenig später festgenommen.
Die Schussfahrt dauerte nur wenige Minuten
Nach Angaben der Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft spielte sich die Tat in weniger als einer halben Stunde ab. Gegen 10 Uhr eröffnete der Schütze in Trappes das Feuer auf ein geparktes Auto, in dem sich eine Mutter mit ihrer Tochter befand. Anschließend schoss er auf die Fassade eines Gesundheitszentrums, ohne dort jemanden zu treffen.
Danach fuhr er zu einem Platz weiter und schoss auf einen Mann des Jahrgangs 2000, der tödlich verletzt wurde. Im weiteren Verlauf feuerte er in der Nähe einer Tankstelle erneut und verletzte zwei Menschen. Anschließend setzte er seine Fahrt in die Nachbargemeinde La Verrière fort, wo zwei weitere Personen angeschossen wurden. Eine weitere Person wurde im Verlauf der Fahrt ebenfalls verletzt. In Coignières nahmen Einsatzkräfte den Verdächtigen schließlich gegen 10.20 Uhr fest.
Anti-Terror-Ermittlungen wegen möglichem rassistischen Motiv
Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Absicht ein. Zudem geht es um den Verdacht der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung sowie um Verstöße gegen das Waffenrecht.
Die Ermittler prüfen dabei ausdrücklich, ob die Tat aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit der Opfer zu einer bestimmten „Rasse“, ethnischen Gruppe, Nation oder Religion verübt wurde.
Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann. Medien berichten, er sei 39 Jahre alt. Nach Behördenangaben ist er bereits viermal verurteilt worden. Seine Wohnung wurde noch am Freitagabend durchsucht. Weil er dabei anwesend sein musste, konnte er zunächst nicht vernommen werden.
Sprengfalle in der Wohnung entdeckt
Bei der Durchsuchung fanden die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Sprengfalle in der Wohnung des Mannes. Diese soll aus drei Gasflaschen und elektrischen Kabeln bestanden haben, die mit einer Zeitschaltuhr verbunden waren.
Im Fahrzeug des Verdächtigen wurden zudem eine Maschinenpistole und eine Tränengasgranate entdeckt. Am Nachmittag nahm die Polizei außerdem eine weitere Person aus seinem engen familiären Umfeld fest.
Bürgermeister vermutet islamfeindliches Motiv
Der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, hält einen islamfeindlichen Hintergrund für wahrscheinlich. Er sagte, nach allem, was bekannt sei, handle es sich um einen Anschlag mit rassistischem, vermutlich islamophobem Motiv.
Der französische Muslim-Dachverband CFCM rief Musliminnen und Muslime im Land zu besonderer Wachsamkeit auf.
Für die Bewohner der betroffenen Gemeinden stehen laut Präfektur auch am Samstag wieder psychologische Betreuungsangebote in den Rathäusern bereit.
Die Tat ereignet sich in einer ohnehin angespannten Lage in Frankreich. Für heute werden erneut landesweite Demonstrationen erwartet, bei denen die Behörden schwere Ausschreitungen nicht ausschließen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber