Schimpansen unterstützen ihren Nachwuchs beim Lernen von Werkzeuggebrauch
Wildlebende Schimpansen in Senegal helfen offenbar jungen und unerfahrenen Tieren dabei, den Umgang mit Werkzeugen zu erlernen. Das zeigt eine Untersuchung von Forschern, die beobachteten, wie erfahrene Tiere Stöcke oder Früchte weitergaben und damit den Zugang zu anspruchsvollen Methoden der Nahrungssuche erleichterten. Eine besonders wichtige Rolle übernahmen dabei Mütter, wie das Team in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology berichtet.
Für die Studie analysierten Wissenschaftler der Universität Barcelona und des spanischen Jane-Goodall-Instituts rund 15 Stunden Material aus Kamerafallen. Die Geräte waren in der Region Dindefelo im Südosten Senegals aufgestellt – an Plätzen, an denen Westafrikanische Schimpansen (Pan troglodytes verus) Werkzeuge einsetzen, etwa um Ameisen, Termiten oder Algen zu sammeln.
Mütter fördern gezielt das Lernen ihrer Jungen
Insgesamt erfassten die Forscher 33 Situationen, in denen Schimpansen Werkzeuge an andere Tiere überließen. Meist stammten diese Gegenstände von erwachsenen Tieren, vor allem von Weibchen. Die größte Gruppe unter den Empfängern waren sehr junge Tiere mit einem Anteil von 42 Prozent. Besonders oft erfolgte die Übergabe innerhalb von Verwandtschaftsbeziehungen – in etwa jedem dritten Fall von einer Mutter an ihr Junges.
Eine Aufnahme zeigt, wie eine Schimpansenmutter einen Stock in ein Ameisennest steckt und anschließend ihre Tochter zu diesem vorbereiteten Werkzeug führt. Das Jungtier zieht den Stock heraus und frisst die daran haftenden Ameisen.
In einer weiteren Szene versucht ein junges Tier zunächst erfolglos, eine Baobab-Frucht auf einem Stein zu öffnen. Danach demonstriert ein älteres Jungtier die nötige Schlagbewegung und öffnet zusätzlich selbst eine Frucht. Das jüngere Tier beobachtet genau und versucht es anschließend erneut.
Hinweise auf eine Form des Lehrens
Nach Einschätzung der Forscher sprechen diese Beobachtungen dafür, dass die Weitergabe von Werkzeugen bei Schimpansen eine Art Lehrverhalten darstellen könnte. Die erfahrenen Tiere passen ihr eigenes Verhalten an und erleichtern den anderen damit das Lernen. Die Empfänger setzten danach häufiger Werkzeuge ein und gelangten öfter an Nahrung.
Schon 1960 hatte die Primatenforscherin Jane Goodall beschrieben, wie Schimpansen Werkzeuge herstellen und zum Termitenfischen verwenden. Heute gilt als gesichert, dass Menschenaffen über ein breites Repertoire an Techniken verfügen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber