Politik

ICE-Beamte schießen Mann an – was dann geschah

Nach neuen Schüssen der ICE in Texas wächst die Empörung: Was geschah wirklich? Der Bürgermeister fordert lückenlose Aufklärung.

21.09.2026, 03:27 Uhr

In Austin im US-Bundesstaat Texas haben Beamte der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE einen Mann angeschossen. Nach Angaben von Bürgermeister Kirk Watson wurde der Verletzte mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, sein Zustand sei jedoch nicht lebensbedrohlich. Watson zeigte sich empört und sagte vor Reportern, er sei «sehr wütend». Viele Einzelheiten des Vorfalls seien noch ungeklärt. Zugleich machte er deutlich, dass es nicht hinnehmbar sei, wenn Mitarbeiter einer Behörde, die für Recht und Ordnung stehen wolle, auf offener Straße auf Menschen schießen. Eine Stellungnahme von ICE lag zunächst nicht vor.

Laut Polizei wurde der Mann am Sonntag im Oberkörper getroffen. Zunächst blieb offen, ob das Projektil ihn vorn in die Brust oder hinten in den Rücken traf. Bilder vom Einsatzort deuten darauf hin, dass sich der Mann zum Zeitpunkt der Schüsse in seinem Auto befand.

Watson und Austins Polizeichefin Lisa Davis verlangten, dass auch die örtliche Polizei in die Untersuchung einbezogen wird. Eine interne Aufarbeitung allein durch ICE sei aus Transparenzgründen nicht ausreichend, erklärte der demokratische Bürgermeister. Zugleich verwies er darauf, dass die Aktivitäten der Bundesbehörde gegen Migranten in Austin in diesem Monat deutlich zugenommen hätten.

«Der Horror ist in unsere Stadt gekommen»

Am Ort des Geschehens versammelten sich spontan kleinere Gruppen zu Protesten gegen das Vorgehen der Behörde. Der Kongressabgeordnete Greg Casar, zu dessen Wahlkreis Austin gehört, verlangte eine «vollständige, unabhängige Untersuchung» sowie die umgehende Veröffentlichung der Bodycam-Aufnahmen der beteiligten Einsatzkräfte. Der verantwortliche ICE-Beamte müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Casar warf der Behörde vor, wiederholt auf Menschen geschossen und anschließend falsche Darstellungen der Ereignisse verbreitet zu haben. «Der Horror ist in unsere Stadt gekommen», sagte der Demokrat.

US-Einwanderungsbehörde ICE - Texas
Nach dem Zwischenfall kam es in der Nähe des Tatorts zu kleineren Demos gegen die Bundesbehörde ICE. Quelle: Joel Angel Juarez/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump verfolgt seit seinem Amtsantritt vor gut anderthalb Jahren einen besonders harten Kurs gegen Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere oder mit Vorstrafen. Der Republikaner dringt auf Massenabschiebungen und stützt sich dabei vor allem auf ICE, deren Beamte Razzien und Festnahmen durchführen.

Das Vorgehen der unter Trump stark ausgebauten Behörde sorgt in den USA seit Längerem für heftige Kritik. Anfang des Jahres geriet ICE bereits nach tödlichen Schüssen auf zwei US-Bürger im Bundesstaat Minnesota in die Schlagzeilen. Der für solche Einsätze verantwortliche Hardliner Gregory Bovino musste danach seinen Posten räumen. Seitdem treten die Beamten zwar etwas weniger martialisch auf, die Einsätze im ganzen Land dauern jedoch an.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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