Neue Katzenart in Bolivien entdeckt
Erstmals seit rund 100 Jahren ist Forschenden die Entdeckung einer bislang unbekannten Katzenart gelungen. Die scheue Wildkatze mit dem wissenschaftlichen Namen Leopardus tilcayo lebt in der Yungas-Region der Anden in Bolivien und gehört zur Gruppe der Tigerkatzen. Vor Ort ist sie unter dem Namen Tilcayo bekannt. Diesen Begriff übernahmen die Wissenschaftler bewusst, um die kulturelle und regionale Bedeutung zu bewahren, wie sie in der Fachzeitschrift Current Biology erläutern.
Als Referenzexemplar der neu beschriebenen Art dient ein ausgewachsenes Männchen. Das Tier wurde laut Studie im September 2021 in der bolivianischen Region La Paz nahe dem Dorf Arapata in einer Höhe von 1.570 Metern lebend gefangen.
Kleine Raubkatze mit leopardenähnlichem Muster
Die Forschenden beschreiben Leopardus tilcayo als kleine Raubkatze mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 42,5 bis 50,5 Zentimetern. Der Schwanz misst demnach zwischen 25 und 26,5 Zentimetern. Das Fell auf dem Rücken ist hellbraun, entlang der Wirbelsäule dunkler gefärbt und wird in Richtung der Gliedmaßen heller. Besonders auffällig sind die großen Flecken, die an das Muster eines Leoparden erinnern.
Genetischen Untersuchungen zufolge trennte sich die Art bereits vor knapp 1,4 Millionen Jahren im frühen Pleistozän von ihren nächsten Verwandten. Nach Einschätzung der Forscher dürften starke Klimaschwankungen und die Aufsplitterung der Bergwälder die geografische Isolation begünstigt haben.
Folgen für den Artenschutz
Mithilfe genomweiter Analysen konnten die Wissenschaftler die Artenvielfalt innerhalb der Tigerkatzen umfassend neu bewerten. Diese genauere Einordnung hat auch direkte Bedeutung für den Naturschutz: Gefährdungseinschätzungen und Schutzmaßnahmen müssen für jede Art einzeln erfolgen. Deshalb müsse jede identifizierte Tigerkatzen-Art als eigenständige Einheit betrachtet und geschützt werden. Nach Ansicht der Autoren sind dafür erhebliche Anpassungen der bisherigen Strategien nötig, um das langfristige Überleben dieser bedrohten kleinen Raubkatzen zu sichern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber