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Nobelpreisträger Nagel: Per Rad durch New York!

Schwere Krankheit, Bastelset, Forschungslabor: Wie wurde aus dem stillen Jungen aus Würzburg ein Medizin-Nobelpreisträger?

05.10.2026, 14:18 Uhr

Als Georg Nagel fünf Jahre alt war, erkrankte er schwer. Während seine Geschwister im nahen Österreich Ski fuhren, tüftelte er daheim mit naturwissenschaftlichen Experimentierkästen, die ihm seine Eltern jedes Jahr zu Weihnachten schenkten. Daraus baute er etwa eine Dampfmaschine oder ein Radio. Später schrieb er anlässlich des Shaw Prize für Lebenswissenschaften und Medizin, den er 2020 erhielt, dass er viele Sommerferien mit Operationen im Universitätsklinikum Würzburg verbracht habe.

Ausgerechnet in dieser fränkischen Stadt lebt und arbeitet Nagel viele Jahre später, als ihm der Nobelpreis für Medizin zugesprochen wird. Am Lehrstuhl für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik ist der 73-Jährige bestens bekannt. Kollegen beschreiben ihn als neugierig, sympathisch und bescheiden – als jemanden, der eigene Erfolge nicht in den Vordergrund stellt.

Geboren wurde Nagel als ältestes von fünf Geschwistern im württembergischen Weingarten. Schon in der Schulzeit begeisterten ihn Mathematik, Physik und Biologie. Anschließend studierte er Biologie an der Universität Konstanz. Dort begegnete er Ernst Bamberg, seinem ersten Dozenten für Biophysik, der später Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main wurde und zu einem wichtigen Förderer Nagels avancierte.

Während seiner Studienzeit war Nagel außerdem Mitgründer des „Café Chaos“ in Konstanz. In lokalen Quellen wird das Lokal als Treffpunkt der linken Szene in den 1980er Jahren beschrieben. Nach Angaben der Organisation „Belladonna“ fanden dort unter anderem feministische Treffen statt. Das Online-Magazin „Seemoz“ nennt das Café im Zusammenhang mit besetzten Häusern und Punk-Konzerten.

Vom Lehrer in die Forschung

Nach dem Diplom arbeitete Nagel zunächst als Lehrer an einem privaten Gymnasium in der Schweiz. Eine weitere Operation in Würzburg beendete nach seinen eigenen Worten schließlich „die Entzündung in meinen Knochen“. Er lernte Drachenfliegen und unterrichtete weiter, bis Ernst Bamberg ihn nach Frankfurt holte. Nagel sagte nach eigenen Angaben ohne Zögern zu. Später führte ihn seine wissenschaftliche Laufbahn für fünf Jahre in die USA.

In New York lernte er seine spätere Frau Anna kennen, eine Gastprofessorin aus Neapel an der Columbia University. Gemeinsam erkundeten sie die Stadt mit dem Fahrrad. Die Molekularbiologin half ihm zudem, seinen biophysikalischen Forschungsansatz auszubauen. 1996 heiratete das Paar in Dänemark, später wurde ihre Tochter geboren. Rückblickend schrieb Nagel, das Kind habe seinem Leben einen neuen Sinn gegeben und manche Strapazen und Misserfolge im Labor ausgeglichen.

2004 wechselte Nagel als Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie nach Würzburg. Seit sieben Jahren arbeitet er dort am Institut für Physiologie im Herzen der Stadt weiter – auch wenn er seit Ende Juni offiziell im Ruhestand ist.

Professor Dirk Becker vom Lehrstuhl für Botanik I forschte nach Angaben der Universität Würzburg 20 Jahre lang mit Nagel zusammen. Über die Universität ließ er mitteilen, er schätze ihn als „sehr angenehmen und umgänglichen Kollegen mit vielen Ideen und wissenschaftlicher Kreativität“ und freue sich sehr für ihn.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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