Der Tod einer 28-jährigen Mitarbeiterin eines sibirischen Pestinstituts ist nach offiziellen russischen Angaben nicht auf einen Pesterreger zurückzuführen. Die Frau, die in einem Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten arbeitete, sei an einer „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“ gestorben, teilte die Seuchenschutzbehörde Rospotrebnadsor laut Interfax mit.
In den untersuchten Proben seien keine Mikroorganismen gefunden worden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen. Die Labormitarbeiterin war bereits am vergangenen Freitag in einem Kreiskrankenhaus in Schelechow bei Irkutsk gestorben.
USA beobachten den Fall
Auch die USA verfolgen den Fall nach eigenen Angaben. Das US-Außenministerium erklärte, man beobachte die Entwicklung gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde CDC und weiteren Stellen. Viele Details seien bislang nicht bestätigt; zugleich forderte Washington die russischen Behörden auf, Informationen schnell und transparent offenzulegen.
US-Präsident Donald Trump sagte auf Nachfrage von Reporterinnen und Reportern, man habe erst kurz zuvor von dem Fall erfahren, befasse sich nun aber intensiv damit. Zugleich signalisierte er die Bereitschaft der USA, Russland Hilfe anzubieten.
Behörde weist Berichte über Laborunfall zurück
Nach Darstellung von Rospotrebnadsor ergaben die Untersuchungen keinen Hinweis auf einen Laborunfall in dem Institut in Irkutsk. Zuvor waren unbestätigte Berichte aufgekommen, wonach sich die Frau möglicherweise mit Lungenpest infiziert habe, nachdem ihr versehentlich ein Reagenzglas heruntergefallen sei.
Die Behörde erklärte zudem, die hygienisch-epidemiologische Lage in der Region Irkutsk sowie in den Städten Irkutsk und Schelechow sei stabil. Gleichzeitig werde ein Maßnahmenpaket umgesetzt.
Nach Angaben des Telegram-Kanals „Ljudi Bajkala“ wurden in Irkutsk drei Allgemeinkrankenhäuser sowie eine Kinderklinik und eine Geburtenklinik für mindestens drei Wochen unter Quarantäne gestellt. Örtlichen Berichten zufolge mussten auch Beschäftigte des betroffenen Instituts an ihrem Arbeitsplatz in Quarantäne bleiben. Weitere Infektionen wurden bislang nicht registriert.
Lungenpest ohne schnelle Behandlung lebensgefährlich
Die Lungenpest zählt zu den schwersten Formen der Pest und wird durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet. Bei frühzeitigem Beginn ist die Erkrankung mit Antibiotika behandelbar.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) kommt die Pest weiterhin in einzelnen Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, nicht jedoch in Deutschland. Das Risiko, dass eine infizierte Person nach Deutschland einreist, gilt demnach als gering.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber