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Minister zeigt Daten: So endete das Wal-Drama!

Timmys Sender wurde erst nach seinem Tod ausgelesen – und verrät jetzt, was in den letzten Tagen des Buckelwals geschah.

12.06.2026, 05:00 Uhr

Die ausgewerteten Daten des am Buckelwal befestigten Senders geben neue Hinweise auf die letzten Tage des Tieres. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) geht nun davon aus, dass der oft „Timmy“ genannte Wal bereits am vierten oder fünften Tag nach seiner Freisetzung in der Nordsee tot war – also vermutlich am 6. oder 7. Mai.

Die gespeicherten Informationen sollen Aufschluss über die Bewegungen des Tieres nach dem Aussetzen geben und sind ein wichtiger Baustein für die weitere Bewertung des umstrittenen Einsatzes. Nach Angaben von Backhaus sammelte der Tracker bis zum 7. Mai Daten. Die Auswertung deutet jedoch darauf hin, dass der Wal spätestens ab dem 6. Mai kaum noch Kraft hatte.

Mehr als 200 Kilometer geschwommen

Bis zu seinem mutmaßlichen Tod legte der Buckelwal den Angaben zufolge rund 215 Kilometer zurück. Auffällig ist dabei: Das Tier nahm demnach direkt wieder Kurs in Richtung Ostsee. Dort schwamm es langsamer und tauchte auch nicht mehr so tief wie zuvor.

Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Walschutzorganisation WDC hält es für sehr wahrscheinlich, dass der Wal bei längerem Überleben erneut gestrandet wäre. Grund sei wohl nicht fehlende Orientierung gewesen, sondern sein schlechter gesundheitlicher Zustand. Das geschwächte Tier habe vermutlich flachere und sicherere Gewässer angesteuert.

Nach Einschätzung der Expertin sprechen auch die Strömungsverhältnisse dafür, dass der Wal bis zum 6. Mai noch selbst aktiv schwamm. Im Kattegat und in der Ostsee seien die Strömungen normalerweise zu schwach, um die erfassten Bewegungen und Distanzen zu erklären. Am 6. Mai habe dem Tier den Daten zufolge offenbar die Kraft gefehlt – realistisch sei, dass es an diesem Tag oder am folgenden starb.

Der Sender erfasste unter anderem Wassertiefe, Temperaturen, Bewegungsabläufe und Geschwindigkeit. Sämtliche Daten sollen nun der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden.

Experten hatten von dem Transport abgeraten

Fachleute aus verschiedenen Instituten und Organisationen hatten von Beginn an davor gewarnt, den schwer geschwächten Buckelwal in die Nordsee zu transportieren. Aus ihrer Sicht hätte das Tier in Ruhe sterben sollen. Backhaus verteidigte den Rettungsversuch dennoch erneut als rechtlich und fachlich vertretbar.

Wal war geschwächt und beim Transport verletzt

Der Tracker der Firma Wildlife Computers war dem stark geschwächten Tier kurz vor der Freilassung an der Rückenfinne befestigt worden. Nach Angaben aus Schwerin war der Buckelwal beim Transport verletzt worden. Backhaus betonte nun zugleich, es gebe nach derzeitigem Kenntnisstand keine belastbaren Hinweise darauf, dass Transport oder Freisetzung unmittelbar zum Tod beigetragen hätten. Für seinen Zuständigkeitsbereich bis zur Landesgrenze gebe es demnach keine Hinweise auf Verletzungen des Tieres.

Eine privat finanzierte Initiative brachte den Wal schließlich mit einem Lastkahn Richtung Nordsee. Rund 70 Kilometer vor Skagen wurde das Tier am 2. Mai im Skagerrak ausgesetzt.

Knapp zwei Wochen später tot auf Anholt angespült

Knapp zwei Wochen nach der Freisetzung, am 14. Mai, wurde der Buckelwal tot an der dänischen Insel Anholt angespült. Inzwischen steht fest, dass es sich um ein Weibchen handelte. Wie lange das Tier zu diesem Zeitpunkt bereits tot war, ließ sich nicht sagen.

Der bereits stark verweste Kadaver wurde auf Anholt obduziert. Konkrete Hinweise auf die Todesursache ergaben sich zunächst nicht. Die Überreste sollten in Dänemark unter anderem zur Herstellung von Biodiesel genutzt werden.

Sender lieferte keine Ortsdaten

Eigentlich sollten die Daten des Trackers zeitnah ausgewertet werden. Zugriff auf die gespeicherten Informationen gab es jedoch erst, nachdem das Gerät nach der Strandung des Wals nach Deutschland gebracht worden war.

Nach Angaben der beteiligten Initiative wurden anfangs zumindest einzelne Bewegungsdaten wie Tauchtiefen erfasst. Ortsdaten übermittelte der Sender jedoch nie. Als Grund gilt, dass das Gerät vor dem Einsatz offenbar nicht wie vorgesehen getestet und initialisiert wurde.

Medizinische Vitalwerte wie Herz- oder Atemfrequenz konnte der Sender ohnehin nicht erfassen, weil dafür spezielle Sensorik nötig gewesen wäre.

Längere Vorgeschichte an der Ostsee

Der Buckelwal war zuvor mehrfach an Ostseeküsten gestrandet. Erstmals gesichtet wurde das Tier am 3. März im Hafen von Wismar. Am 23. März entdeckte man es auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Wenige Tage später schwamm der Wal zwar weiter, strandete jedoch erneut mehrfach. Seit dem 31. März lag das stark geschwächte Tier vor Poel.

Nach Tagen großer öffentlicher Aufmerksamkeit begann die Initiative am 28. April mit dem Transport in Richtung Nordsee. Backhaus sprach von einem traurigen Ende. Der Wal habe die Chance in Freiheit letztlich nicht nutzen können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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