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Zeuge enthüllt: Angeklagte war früher am Fundort

Wusste sie schon, wo Fabian lag? Zeugen sahen die Angeklagte am Fundort, als der Junge offiziell noch vermisst wurde.

12.06.2026, 12:14 Uhr

Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian prüft das Landgericht Rostock, ob die angeklagte Frau einen Bekannten bereits vor dem offiziellen Auffinden der Leiche gezielt zu dem späteren Fundort geführt hat.

Der 37-jährige Zeuge sagte vor Gericht aus, die heute 30-Jährige habe ihn am Abend des 13. Oktober 2025 gebeten, mit ihr nach dem Jungen zu suchen. Nach seiner Schilderung habe sie dabei unbedingt zu dem Tümpel bei Klein Upahl gewollt.

Während die Frau in der Dunkelheit oben an der Böschung stehen geblieben sei, sei er selbst zum Wasser hinuntergegangen. Dann habe sie gesagt: „Da liegt was. Das ist er.“ Der Zeuge erklärte, für ihn habe es sich so angefühlt, als habe sie genau gewusst, wohin sie wollte.

Nach seinen Angaben konnte er wegen der Finsternis selbst kaum etwas erkennen und habe zunächst gedacht, dort lägen Rohre. Die Angeklagte habe mit der Lampe ihres Handys geleuchtet. Er sei nur kurz in die Hocke gegangen und habe danach sofort weggewollt. Die Situation sei für ihn ein Schock gewesen. Anschließend seien beide über einen Acker zurück zum Auto gelaufen. Während der Fahrt habe niemand gesprochen: „Im Auto war Totenstille.“

Weder Polizei noch Vater informiert

Weder der Zeuge noch die Angeklagte verständigten an diesem Abend die Polizei oder Fabians Vater. Richter Holger Schütt bezeichnete dieses Verhalten als schwer nachvollziehbar. Auch der Zeuge räumte ein, das sei ein Fehler gewesen. Nach seinen Worten brach er den Kontakt zu der Frau am 15. Oktober 2025 vollständig ab.

Erst einen Tag nach dem nächtlichen Gang zum Tümpel, am 14. Oktober, meldete sich die Angeklagte bei der Polizei. Dort gab sie an, Fabians Leichnam bei einem Spaziergang mit ihrem Hund zufällig an dem Tümpel entdeckt zu haben. Diese Darstellung steht im Widerspruch zur Aussage des Zeugen.

1.431 WhatsApp-Nachrichten in vier Wochen

Breiten Raum nahm vor Gericht auch die Beziehung zwischen der Angeklagten und dem Zeugen ein. Beide kennen sich seit Jahren aus ihrem Dorf im Landkreis Rostock, hatten aber erst ab September 2025 wieder intensiveren Kontakt. Laut Gericht schrieben sie sich in nur vier Wochen 1.431 WhatsApp-Nachrichten. Ihre Treffen hielten sie geheim; selbst die Ehefrau des Zeugen wusste davon nichts.

Der 37-Jährige beteuerte, er habe nur ein freundschaftliches Verhältnis zur Angeklagten gewollt. Daran äußerten sowohl die Verteidigung als auch die Vertreterin der Nebenklage Zweifel. Zugleich deutete Verteidiger Thomas Löcker an, dass die Angeklagte ihr bisheriges Schweigen im Prozess möglicherweise noch brechen könnte.

Nach Aussage des Zeugen habe sich der intensive Austausch vor allem um die schwierige Beziehung der Angeklagten zu Fabians Vater gedreht. Das Verhältnis sei damals beendet gewesen, weil der Vater den Kontakt zu seinem Sohn nicht habe gefährden wollen. Die Angeklagte habe ihm gegenüber gesagt, sie wolle einen „Keil“ zwischen Fabian und dessen Vater treiben.

Hohe Aufmerksamkeit im Prozess

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft starb Fabian bereits am 10. Oktober 2025. Demnach wurde vier Tage lang mit zahlreichen Einsatzkräften nach dem Kind gesucht. Die Anklage wirft der Frau vor, den Jungen mit sechs Messerstichen getötet und seinen Körper anschließend angezündet zu haben. Die Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Am elften Verhandlungstag war der große Saal 2.002 nach Gerichtsangaben mit rund 130 Zuhörerinnen und Zuhörern bis auf den letzten Platz gefüllt. Das öffentliche Interesse und die Medienpräsenz sind seit Prozessbeginn am 28. April hoch.

Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin persönlich an dem Verfahren teil. Der Prozess soll am Dienstag fortgesetzt werden. Dann wird ein weiterer Zeuge erwartet, der ebenfalls mit der Angeklagten am Fundort gewesen sein soll.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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