Der britische Künstler David Hockney ist tot. Wie sein Management mitteilte, starb er kurz vor seinem 89. Geburtstag friedlich in seinem Zuhause.
Hockney galt als einer der einflussreichsten Maler des 20. und 21. Jahrhunderts. Berühmt wurde er vor allem mit seinen Swimming-Pool-Bildern, in denen kräftige Farben und Licht zu seinem Markenzeichen wurden. Kaum ein anderer Künstler habe das Lebensgefühl der westlichen Nachkriegsgesellschaft so eingefangen wie er.
Der britische „Guardian“ würdigte ihn sogar als „Matisse der Pop Art“. In einem Nachruf hieß es, Hockney habe das Aussehen der modernen Welt eingefangen – ähnlich, wie die Beatles ihren Klang geprägt hätten. Während viele Zeitgenossen auf Abstraktion setzten, hielt Hockney an der gegenständlichen Malerei fest und machte oft Szenen des Alltags und der Konsumgesellschaft zu seinen Motiven.
In einer Erklärung seines Managements wurde er als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst bezeichnet. Sein bleibendes Vermächtnis stehe für Lebensfreude, Humor, Großzügigkeit und eine unermüdlich forschende Neugier.
Aufgewachsen in den Nachkriegsjahren
Geboren wurde Hockney am 9. Juli 1937 im nordenglischen Bradford. Seine Kindheit war von den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren geprägt. Schon früh zeigte sich seine Leidenschaft für die Kunst: Er zeichnete auf alten Bustickets, Zeitungen und sogar auf Deckblättern in Gebetsbüchern – nur die Tapeten waren für ihn tabu, weil seine Mutter das untersagte.
Auch privat fiel Hockney durch Eigenwilligkeit auf. Obwohl sein Vater überzeugter Nichtraucher war, sah man den Künstler selbst im hohen Alter oft mit einer Zigarette in der Hand. Er sprach sich sogar gegen Anti-Raucher-Regeln aus. Bei seinem 70. Geburtstag in der Tate Britain wurden 2007 laut PA für kurze Zeit sogar Rauchmelder abgeschaltet, damit er rauchen konnte.
Zwischen Bradford, London und Kalifornien
Nach seiner ersten Einzelausstellung Anfang der 1960er Jahre zog es Hockney nach Hollywood. Seit den 60er Jahren lebte er abwechselnd in Großbritannien und Los Angeles. Dort wurde sein Haus mit der blauen Terrasse und den roten Blumentöpfen, das in vielen seiner Werke auftauchte, zu einem wiederkehrenden Motiv.
Kalifornien bot ihm künstlerisch wie privat neue Freiheiten. Hockney machte nie ein Geheimnis daraus, dass er schwul war – auch in einer Zeit, als Homosexualität in Großbritannien noch verboten war. Schon während seines Studiums an einer der führenden Kunsthochschulen des Landes malte er zwei sich umarmende Jungen und versah das Werk mit den Worten „We Two Boys Together Clinging“.
Seine kalifornischen Bilder spiegelten oft eine unbeschwerte, unkonventionelle Lebensart wider. Besonders bekannt wurden Werke wie „Peter Getting Out of Nick’s Pool“ von 1966 und „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ von 1972.
Rekord auf dem Kunstmarkt
Auch auf dem Kunstmarkt sorgte Hockney für Schlagzeilen: 2018 wurde eines seiner Gemälde für mehr als 90 Millionen US-Dollar versteigert. Damit stellte er damals den Auktionsrekord für das Werk eines noch lebenden Künstlers auf.
Lebensfrohe Kunst trotz Kritik und Verlusten
Auch in den 1980er Jahren, als viele seiner Freunde an Aids starben, blieb Hockney seinen hellen, lebensfrohen Motiven treu. Kritiker warfen ihm mitunter vor, seine Werke blieben an der Oberfläche und spiegelten die Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht wider. Hockney selbst sah das anders: Er wolle Bilder schaffen, die für viele Menschen Bedeutung haben – nicht nur für einen kleinen Kreis in der Kunstwelt.
Trotz Schlaganfall bis zuletzt kreativ
2012 erlitt Hockney einen Schlaganfall. Bemerkt habe er das erst, als er Sätze nicht mehr richtig beenden konnte. Dennoch konnte er weiterarbeiten und seiner Kunst treu bleiben.
Immer wieder experimentierte er mit neuen Techniken – darunter dreidimensionale Collagen, Fotokopien und iPad-Zeichnungen. Zudem gilt er als früher Pionier stilisierter Selbstporträts und damit auch ein Stück weit als Vorläufer der Selfie-Kultur.
Noch kurz vor seinem Tod malte Hockney weiter. Alt habe er sich im Atelier nie gefühlt. 2018 sagte er der Nachrichtenagentur PA, im Studio fühle er sich nicht alt, sondern eher wie 30. Deshalb habe er dort auch die meiste Zeit verbracht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion