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Lungenfibrose: Wenn nur noch eine Transplantation bleibt

Wenn Atmen zur Qual wird: Bei Lungenfibrose hilft oft nur noch eine Transplantation. Doch was bedeutet das Leben danach?

17.06.2026, 10:27 Uhr

Lungenfibrose: Erkrankung, Transplantation und Perspektiven

Bei einer Lungenfibrose, an der auch Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit erkrankt ist, vernarbt das Lungengewebe nach und nach. Dadurch fällt das Atmen immer schwerer. Heilbar ist die Krankheit nicht, ihr Fortschreiten lässt sich jedoch je nach Ursache mit Medikamenten oder durch eine gezielte Behandlung bremsen. In schweren Fällen bleibt als letzte Möglichkeit eine Lungentransplantation – so wie nun bei Mette-Marit, die eine neue Lunge erhalten hat.

Lungenfibrose ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Oberbegriff für verschiedene Leiden. Auslöser können etwa andere Lungenerkrankungen, Allergene, rheumatoide Arthritis oder auch bestimmte Arzneimittel sein. Gemeinsam ist ihnen eine anhaltende Entzündung des Lungengewebes, das zunehmend vernarbt. In der Folge gelangt Sauerstoff immer schlechter aus den Lungenbläschen in den Blutkreislauf.

Erste Anzeichen sind oft trockener Reizhusten und Atemnot bei körperlicher Anstrengung. Mit fortschreitender Erkrankung treten die Beschwerden schließlich auch in Ruhe auf.

Transplantation kann Lebensqualität deutlich verbessern

In Deutschland kommen Patientinnen und Patienten für eine Lungentransplantation infrage, wenn ihre Lebensqualität massiv eingeschränkt ist oder Lebensgefahr besteht und weitere medizinische Voraussetzungen erfüllt sind.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation wurden 2025 in Deutschland 334 Lungentransplantationen wegen unterschiedlicher Erkrankungen durchgeführt. Gegenüber dem Zustand vor dem Eingriff bedeute dies meist einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität.

Fabio Ius, Leiter des Lungentransplantationsprogramms an der Medizinischen Hochschule Hannover, beschreibt die Zeit danach als einen kompletten Neuanfang: Das Leben sei nicht mehr dasselbe wie früher, aber ein neues Leben. Viele Betroffene könnten bereits nach einigen Wochen wieder berufstätig sein.

Medikamente bleiben dauerhaft nötig

Damit der Körper das neue Organ nicht abstößt, müssen Transplantierte dauerhaft Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Dadurch steigt jedoch die Anfälligkeit für Infektionen, besonders an der Lunge, da sie ständig mit der Außenwelt in Kontakt steht. Im Winter sollten Betroffene deshalb etwa in Zügen oder Flugzeugen nicht ohne Mundschutz unterwegs sein.

Auch Jahre nach einer Transplantation kann es in manchen Fällen zu einer chronischen Abstoßung kommen. Dann verschlechtert sich die Funktion des Organs trotz Behandlung weiter. In ausgewählten Situationen ist sogar eine erneute Transplantation möglich.

Hinzu kommen mögliche Nebenwirkungen der Medikamente. Diese können unter anderem das Herz-Kreislauf-System und die Nieren belasten, das Tumorrisiko beeinflussen oder einen Diabetes verstärken.

Lebenserwartung hat sich verbessert

Nach Angaben des Lungeninformationsdienstes ist die Lebenserwartung nach einer Lungentransplantation in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Heute sei bei neu transplantierten Patientinnen und Patienten vielfach mit einer Überlebenszeit von klar mehr als zehn Jahren zu rechnen. Es gebe inzwischen auch erste Fälle, in denen Menschen seit 20 bis 25 Jahren erfolgreich mit einem Spenderorgan leben.

Ende 2025 warteten laut Eurotransplant in Deutschland 323 Menschen auf eine Spenderlunge. Die Wartezeit beträgt nach Angaben der DSO meist mehrere Monate und richtet sich unter anderem nach Dringlichkeit und Erfolgsaussichten. Insgesamt wurden 2025 demnach 411 Menschen für eine Lungentransplantation neu auf die Warteliste gesetzt, rund 150 davon wegen einer Lungenfibrose.

Zu wenige Organspenden – Reform wird diskutiert

Nicht nur bei Lungen, auch bei anderen Spenderorganen sind die Wartelisten lang. Zwar spendeten im vergangenen Jahr etwas mehr Menschen nach ihrem Tod Organe als im Vorjahr, doch reicht das weiterhin bei weitem nicht aus. Laut DSO erhielten 2025 insgesamt 3.150 Menschen in Deutschland ein Spenderorgan. Gleichzeitig standen zum Jahresende rund 8.200 Menschen auf den Wartelisten.

Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern gilt in Deutschland bislang, dass einer Organentnahme ausdrücklich zugestimmt worden sein muss – entweder zu Lebzeiten durch die verstorbene Person selbst oder stellvertretend durch Angehörige.

Das könnte sich künftig ändern. Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten setzt sich für eine grundlegende Reform ein. Nach ihren Vorstellungen soll ab 2030 jede volljährige und einwilligungsfähige Person zunächst als Organspender gelten, sofern sie nicht zu Lebzeiten widerspricht. Kritiker sehen darin allerdings einen Eingriff in Grundrechte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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