Fußball

Nagelsmanns Klartext: «Jede Sekunde zählt»

Nach dem 7:1 ist Schluss mit Entspannung: Jetzt wartet Deutschlands erste echte WM-Hürde – und alle schauen auf diesen Bundesliga-Star.

17.06.2026, 09:56 Uhr

Nagelsmann richtet den Blick mit voller Kapelle auf die Elfenbeinküste

Nach einem freien Tag ist die kurze Phase der Lockerung im DFB-Quartier wieder beendet. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat mit der deutschen Nationalmannschaft auf dem Trainingsplatz die Vorbereitung auf das zweite WM-Spiel aufgenommen. In Winston-Salem stand bei hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad ein spezielles Schusstraining auf dem Programm: In drei Gruppen traten die Spieler in einer Wettkampfform auf flach liegende Tore ohne Torwart an. Das Ziel war auch, vor dem Topspiel gegen die Elfenbeinküste möglichst viele Erfolgserlebnisse mitzunehmen.

Das Duell mit dem ebenfalls erfolgreich gestarteten afrikanischen Topteam steigt am Samstag um 22.00 Uhr in Toronto und könnte im Kampf um Platz eins in der Gruppe schon richtungsweisend sein. Mit einem Sieg wäre der Einzug in die K.o.-Phase der XXL-WM für die DFB-Elf bereits perfekt.

Das deutliche 7:1 gegen Curaçao ist für Nagelsmann dennoch kein Anlass, sich zurückzulehnen. Trotz der Serie von zehn Siegen in Länderspielen mahnt er, dass bei einer Weltmeisterschaft nichts von allein gelingt. Deshalb sollen Abläufe, Abstimmung und Automatismen im Training weiter verbessert werden.

Nagelsmann stellt das Teamziel über persönliche Meilensteine

Der Bundestrainer betonte, die Mannschaft gehe hochkonzentriert in die Vorbereitung auf das womöglich vorentscheidende Duell um Platz eins in der Gruppe. Jede Minute müsse genutzt werden, um sich weiterzuentwickeln. Nach dem kurzen Freiraum mit Besuchen von Angehörigen und etwas Freizeit steht nun wieder ausschließlich der Fußball im Mittelpunkt.

Sein persönliches Jubiläum von 1.000 Tagen als Bundestrainer spielt für den 38-Jährigen dabei nur eine Nebenrolle. Nagelsmann sagte, er freue sich zwar über diese Zahl, entscheidend sei aber allein, dass Deutschland ein starkes Turnier spiele.

Auch nach dem gelungenen Start wächst sein Vertrauen in die Entwicklung der Mannschaft. Aus seiner Sicht befindet sich das Team auf dem richtigen Weg, auch wenn gegen stärkere Gegner noch Verbesserungen nötig seien. Diese seien jedoch realistisch und umsetzbar.

Alle Spieler im Training dabei

Personell kann Nagelsmann die Vorbereitung ohne Einschränkungen fortsetzen. Auf dem Trainingsgelände in Winston-Salem waren alle Spieler im Einsatz. Die vier Torhüter um Comeback-Keeper Manuel Neuer arbeiteten erneut auf einem Nebenplatz hinter der Tribüne des Spry Stadiums, während auch alle 23 Feldspieler das Mannschaftstraining absolvierten. Personalprobleme gibt es vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste damit nicht.

Körperlich und defensiv wird Deutschland mehr gefordert sein

Klar ist allerdings auch: Gegen die körperlich starke Elfenbeinküste wird die DFB-Auswahl deutlich mehr gefordert sein als zum Auftakt. Vor allem in der Defensive und in den direkten Duellen dürfte die Partie anspruchsvoller werden. Mit Yan Diomande steht bei den Ivorern zudem ein offensivstarker Spieler im Fokus, der in der Bundesliga für RB Leipzig auf sich aufmerksam macht.

Ursprünglich hatte Nagelsmann die Elfenbeinküste sogar als Testspielgegner auf dem Weg zur WM vorgesehen. Nach der Auslosung als Gruppengegner musste jedoch umgeplant werden. Stattdessen testete Deutschland im März gegen Ghana und tat sich dabei beim 2:1 in Stuttgart lange schwer. Erst ein später Treffer von Deniz Undav brachte damals die Entscheidung.

Joshua Kimmich warnte daher vor den Stärken des kommenden Gegners. Die Elfenbeinküste verfüge über spektakuläre Offensivspieler und sei vor allem im Umschaltspiel gefährlich. Mit Blick auf das letzte Gruppenspiel gegen Ecuador sprach der Kapitän sogar von zwei großen Herausforderungen. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass Deutschland selbst genug Qualität besitze, um beiden Gegnern Probleme zu bereiten.

In Toronto drohen diesmal keine Hitzebedingungen

Anders als auf dem Trainingsplatz in North Carolina wird die deutsche Mannschaft am Spieltag in Kanada voraussichtlich nicht unter extremer Hitze leiden. Für Toronto beziehungsweise die Provinz Ontario werden angenehme Temperaturen von knapp über 20 Grad erwartet. Schon beim 7:1 gegen Curaçao kam der Spielplan der DFB-Elf entgegen, weil die Partie in Houston unter dem Hallendach eines klimatisierten Stadions stattfand.

Deutschland überholt Brasilien bei WM-Toren

Große Hoffnungen setzt die DFB-Elf vor allem in ihre Offensivkraft. Durch die sieben Treffer im ersten Spiel hat Deutschland nun insgesamt 239 Tore bei Weltmeisterschaften erzielt und damit Brasilien überholt, das bislang mit 238 Treffern an der Spitze lag.

Kimmich spürt innerhalb der Mannschaft einen ausgeprägten Hunger auf Erfolge. Bis auf Manuel Neuer habe niemand im aktuellen Team mit der Nationalmannschaft bereits einen Titel gewonnen, sagte er. Für ihn ist entscheidend, auch während des Turniers nicht im Training nachzulassen, wenn wieder Großes erreicht werden soll.

Nagelsmann will den gesamten Kader einbinden

Ein wichtiger Punkt ist für Trainer und Kapitän, nicht nur auf die Stammelf zu setzen. Gegen Curaçao nutzte Nagelsmann alle Wechselmöglichkeiten, um auch Spieler aus der zweiten Reihe einzubinden und für ihren Einsatz im Mannschaftsgefüge zu belohnen.

Besonders Deniz Undav verdiente sich Lob. Nagelsmann hob hervor, dass der Angreifer mit drei direkten Torbeteiligungen einen starken Beitrag geleistet habe. Neben Undav sammelten auch Antonio Rüdiger, Leon Goretzka, David Raum und Waldemar Anton Einsatzminuten.

Kimmich unterstrich, wie wichtig es sei, dass alle Spieler im Kader auf Spannung bleiben. Jeder müsse mit voller Intensität und hoher Konzentration weiter an den eigenen Stärken und Schwächen arbeiten. Aus seiner Sicht gibt es in dieser Hinsicht noch Aufgaben zu erledigen.

Brown vor besonderer Aufgabe gegen Diomande

Eine spezielle Rolle könnte im Spiel gegen die Elfenbeinküste Nathaniel Brown zukommen. Der schnelle Verteidiger aus Frankfurt dürfte vor allem gegen Diomande gefordert sein, der im deutschen Lager als größte offensive Gefahr der Ivorer gilt.

Kimmich lobte die Entwicklung des Leipziger Flügelspielers ausdrücklich. Noch vor einem Jahr sei er kaum jemandem bekannt gewesen, inzwischen habe er enorme Fortschritte gemacht. Besonders sein Dribbling sei außergewöhnlich: Er beschleunige explosiv, stoppe abrupt ab und bringe Gegenspieler dadurch aus dem Rhythmus. Dennoch warnte Kimmich davor, den Gegner nur auf Diomande zu reduzieren. Die Elfenbeinküste verfüge über weitere starke Spieler, weshalb eine gründliche Vorbereitung unerlässlich sei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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