Hasan Ismaik zufolge wäre das nötige Geld für die Drittliga-Lizenz des TSV 1860 München vorhanden gewesen. Dem Traditionsclub war die Zulassung aus wirtschaftlichen Gründen verweigert worden, weil mehr als zwei Millionen Euro fehlten. In der Folge mussten die "Löwen" in die Regionalliga, zudem kündigte der Stammverein die Zusammenarbeit mit dem Investor.
Ismaik schildert geplatzte Einigung
In einem Interview mit BR24Sport sagte Ismaik, aus seiner Sicht habe es bereits eine Verständigung gegeben. Alles sei vorbereitet gewesen, um die Summe zu überweisen, gefehlt habe nur noch die Unterschrift des Vereins unter den gemeinsam ausgehandelten Vertrag. Stattdessen sei um 2.40 Uhr nachts plötzlich eine E-Mail mit einem anderen Vertragsentwurf eingegangen. Solche Abläufe habe er in den vergangenen 15 Jahren immer wieder erlebt, kritisierte der Investor.
Präsident Gernot Mang hatte zuvor erklärt, Ismaik habe im Zusammenhang mit der Zahlung Bedingungen formuliert, die 1860 München nicht habe akzeptieren können.
Scharfe Kritik an der Club-Führung
Der Spielbetriebsgesellschaft, an der sowohl Ismaik als auch der Stammverein beteiligt sind und über die bislang der Profibereich organisiert wurde, droht inzwischen die Insolvenz. Es wird darüber spekuliert, dass sich der Verein auf diesem Weg vom bei vielen Fans unbeliebten Geldgeber trennen wolle. Ismaik wies das zurück. Ihn interessierten solche Machtspiele nicht, sondern allein 1860 München.
Der 48-Jährige warf den Verantwortlichen vor, von ihm nur Geld erwartet zu haben, ohne dass er sich darüber hinaus einbringen dürfe. Er habe 15 Jahre lang Respekt gezeigt, während die Führung aus seiner Sicht versagt habe.
Ismaik sieht sich durch 50+1 ausgebremst
Einfluss habe er bei 1860 nach eigener Darstellung praktisch keinen. Immer wieder werde auf die 50+1-Regel verwiesen, nach der die Stimmenmehrheit bei deutschen Vereinen verbleiben muss und Investoren nur begrenzte Mitspracherechte haben. Ismaik formulierte es zugespitzt: Selbst wenn er nur "Kaffeemaschine" sage, komme als Reaktion stets "50+1". Er habe bei 1860 "null Macht".
Anfang der Woche war Ismaik nach München gereist. Unterstützt wird er dabei von Anwalt Peter Gauweiler. Beide führen Gespräche mit der Vereinsführung über das weitere Vorgehen. Ismaik betonte, man reiche die Hand und suche nach einer Lösung.
Beschwerde gegen den Zwangsabstieg noch nicht eingereicht
Gegen den Zwangsabstieg soll eine Verwaltungsbeschwerde beim DFB eingereicht werden. Die Frist endet am Donnerstag um 24.00 Uhr. Danach müsste das DFB-Bundesgericht prüfen, ob es bei der Lizenzvergabe Verfahrensfehler gegeben hat. Nach dpa-Informationen war bis Mittwochmittag allerdings noch keine Beschwerde in Frankfurt eingegangen.
Trainingsauftakt mit vielen Nachwuchsspielern
In Gesprächen mit mehreren Medien, darunter Bild, Münchner Merkur/tz und Abendzeitung, sagte Ismaik zudem, er liebe Deutschland und den deutschen Fußball und hoffe auf eine tragfähige Lösung für den TSV 1860.
Der Trainingsstart für die kommende Regionalliga-Saison hatte bereits am Montag stattgefunden – zunächst vor allem mit Nachwuchsspielern. Aus dem Kader der abgelaufenen Saison sind nur noch vier Profis übrig. Nicht mehr dabei sind Akteure ohne gültigen Vertrag für die vierte Liga, darunter auch die früheren Bundesligaspieler Kevin Volland und Florian Niederlechner.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion