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«Stiller Killer» – Warum Hitze plötzlich tödlich wird

Deutschland steuert auf Hitzetage zu – und für Millionen kann es gefährlich werden. Wer jetzt besonders aufpassen muss.

17.06.2026, 05:00 Uhr

Hitzewelle in Deutschland: Warum hohe Temperaturen gefährlich werden können

Deutschland steht vor mehreren sehr heißen Tagen mit Temperaturen von über 30 Grad, örtlich auch deutlich darüber. Das bedeutet zwar Sommerstimmung mit Freibad, Eis und Biergarten – gleichzeitig steigt aber auch die gesundheitliche Belastung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie Personen mit bestehenden Erkrankungen.

Warum Hitze so problematisch ist

Nach Einschätzung von Fachleuten zählt Hitze inzwischen zu den bedeutendsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken – in Deutschland ebenso wie weltweit. Bei hohen Temperaturen erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt und das Herz muss stärker arbeiten. Für Menschen mit Vorerkrankungen kann das das Risiko für Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche erhöhen.

Hinzu kommt der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Wer zu wenig trinkt, riskiert eine Dehydrierung. Dadurch können unter anderem Kreislaufzusammenbrüche oder Thrombosen begünstigt werden.

Wer besonders gefährdet ist

Ein erhöhtes Risiko haben vor allem Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lungenerkrankungen, mit Diabetes oder neurologischen Leiden wie Demenz. Vor allem ältere Menschen gelten als besonders anfällig, weil ihr Körper sich oft schlechter an Hitze anpassen kann und das Durstgefühl häufig nachlässt.

Gerade bei Menschen, die bettlägerig oder dement sind, kommt hinzu, dass sie einfache Schutzmaßnahmen wie ausreichend Trinken oder das Aufsuchen kühler Räume oft nicht mehr selbstständig umsetzen können.

Sommer in Sachsen
Für Schatten sorgen: nicht nur einige Aufgabe für Einzelne, sondern auch für die Stadtplanung. Kommunen sollen Hitzeaktionspläne vorlegen. Quelle: Jan Woitas/dpa

Auch die Wohnsituation spielt eine Rolle: Wer alleine lebt oder in oberen Stockwerken wohnt, ist oft stärker belastet. Für Schwangere kann große Hitze ebenfalls problematisch sein, da sie den Kreislauf und die Durchblutung beeinflusst und damit auch Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben kann.

Kinder zählen ebenfalls zu den Risikogruppen. Ihr Körper ist noch in der Entwicklung, sie halten sich häufig länger im Freien auf, sind meist aktiver und atmen schneller als Erwachsene.

Wie viele Menschen sterben an Hitze?

Hitze wird häufig als „stiller Killer“ bezeichnet, weil sie in Statistiken oft nicht direkt als Todesursache auftaucht. Stattdessen betrachten Behörden wie das Robert Koch-Institut oder das Umweltbundesamt die sogenannte Übersterblichkeit. Dabei wird verglichen, wie viele Menschen während einer Hitzewelle sterben und wie stark diese Zahl über dem üblichen Niveau liegt.

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts starben im vergangenen Jahr rund 2.500 Menschen in Deutschland hitzebedingt. In besonders heißen Sommern lag diese Zahl bereits deutlich höher. Den größten Anteil machen dabei ältere und gebrechliche Menschen aus.

Woran Betroffene sterben

Nur ein kleiner Teil der Todesfälle geht direkt auf einen nachgewiesenen Hitzschlag zurück. Häufiger stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen im Zusammenhang mit hitzebedingten Todesfällen.

Darüber hinaus verschlechtert Hitze viele bestehende Leiden oder erhöht deren Risiko. Dazu zählen unter anderem Schlaganfälle, Migräne sowie eine Verstärkung von Beschwerden bei Multipler Sklerose, Epilepsie oder Demenz.

Folgen auch für gesunde Menschen

Selbst Menschen ohne Vorerkrankungen bleiben von großer Hitze meist nicht unbeeinflusst. Hohe Temperaturen können die Konzentration mindern, den Schlaf verschlechtern und die Reizbarkeit erhöhen. Auch die psychische Belastung nimmt zu, weil Hitze für das Gehirn zusätzlichen Stress bedeutet.

Besonders anstrengend sind sogenannte tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Solche Nächte können die Erholung stören und die Leistungsfähigkeit am nächsten Tag beeinträchtigen.

Fachleute weisen außerdem darauf hin, dass Hitze aggressiveres Verhalten fördern kann. Das kann sich etwa in mehr Konflikten im Alltag, im Straßenverkehr oder im Sport zeigen.

Wie heiß wird der Sommer?

Durch den Klimawandel treten Hitzewellen häufiger und intensiver auf. Einzelne heiße Phasen lassen sich zwar erst kurzfristig genau vorhersagen, doch der Deutsche Wetterdienst rechnet mit einer leichten Tendenz zu einem wärmeren Sommer als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020.

Nach aktueller saisonaler Einschätzung besteht für den Zeitraum von Juni bis August eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent, dass es mehr heiße Tage mit über 30 Grad geben wird als im langjährigen Durchschnitt. Deutschland hat sich infolge des Klimawandels bereits um rund 2,5 Grad erwärmt – stärker als der globale Mittelwert.

So lässt sich die Belastung verringern

  • Viel trinken: Experten raten dazu, deutlich mehr Flüssigkeit aufzunehmen als sonst. Bei großer Hitze kann der Körper selbst in Ruhe pro Stunde rund 500 bis 700 Milliliter Schweiß verlieren. Sinnvoll ist es, etwa alle 20 bis 30 Minuten rund 200 Milliliter zu trinken.
  • Auf Warnzeichen achten: Ein deutlicher Gewichtsverlust an einem heißen Tag kann auf Flüssigkeitsmangel hinweisen.
  • Wohnräume kühl halten: Rollläden, Vorhänge oder Markisen helfen dabei, die Hitze draußen zu halten. Lüften in den kühleren Nachtstunden kann zusätzlich Abkühlung bringen.
  • Kühle Orte aufsuchen: Wenn möglich, sollten zumindest zeitweise kühlere Räume genutzt werden, damit sich der Körper erholen kann.
  • Mehr Schutz durch Kommunen: Neben persönlicher Vorsorge sehen Experten auch die Politik in der Pflicht. Städte und Gemeinden sollten Hitzeaktionspläne entwickeln, etwa mit Schutzangeboten und einer hitzeangepassten Stadtgestaltung.

Hitze ist damit weit mehr als nur Sommerwetter – sie kann für viele Menschen zu einer ernsthaften Gefahr werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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