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Jeder fünfte Deutsche ist stark gestresst

Job, Familie, Geld: Warum vor allem Frauen und Berufstätige unter Stress leiden – und Männer anders damit umgehen.

17.06.2026, 13:45 Uhr

Jeder Fünfte in Deutschland fühlt sich stark gestresst

Rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland erleben eine besonders hohe Stressbelastung. Das geht aus einer Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Betroffen sind demnach vor allem Frauen, Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sowie Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss.

Grundlage der Untersuchung ist das RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland“ aus dem Jahr 2024. Für die Analyse wurden die Angaben von 27.102 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter von 18 bis 99 Jahren herangezogen.

Welche Strategien gegen Stress genutzt werden

Am häufigsten nannten die Befragten als Wege zur Stressbewältigung das aktive Lösen von Problemen, Durchhaltevermögen sowie ein flexibles Anpassen der eigenen Strategie an die jeweilige Situation. Deutlich seltener wurden dagegen Verdrängung, Wunschdenken und vorausschauendes Handeln wie der gezielte Aufbau von Ressourcen oder die Vorbeugung möglicher Probleme erwähnt.

Nach Einschätzung des RKI hängen vor allem Problemlösungen, Flexibilität und proaktives Verhalten mit einem geringeren Stressempfinden zusammen. Verdrängung und Wunschdenken gehen dagegen eher mit stärkerem Stress einher.

Frauen greifen laut früheren Studien häufiger auf soziale Unterstützung sowie auf emotionsorientierte oder vermeidende Strategien zurück. Männer nennen demnach öfter aktive, problemorientierte und rationale Ansätze.

Dass Frauen insgesamt mehr Stress angeben, könnte laut RKI mehrere Ursachen haben: Sie seien häufiger verschiedenen Belastungen ausgesetzt, bewerteten Stresssituationen womöglich anders und unterschieden sich auch bei der Art der Bewältigung. So erlebten Frauen öfter alltägliche kleinere Belastungen, mehr chronischen Stress und nähmen einschneidende Lebensereignisse häufiger als schwer kontrollierbar wahr.

Höchste Belastung im jüngeren Erwachsenenalter

Besonders ausgeprägt ist das Stressempfinden nach Angaben des Autorenteams in jüngeren Erwachsenenjahren. Das erhöhte Risiko für starke Stressbelastung bei Menschen bis 64 Jahre könnte mit einer Mehrfachbelastung zusammenhängen – etwa durch Beruf, Kinderbetreuung, Pflege oder Unterstützung älterer Angehöriger sowie finanzielle Verantwortung.

Mit zunehmendem Alter sinkt das empfundene Stressniveau zunächst. Erst bei den 80- bis 99-Jährigen steigt es wieder an. Mögliche Gründe sind wachsende gesundheitliche Probleme, funktionale Einschränkungen und Verlusterfahrungen. Gleichzeitig könnten positive emotionale Erlebnisse im hohen Alter nicht weiter zunehmen oder sogar wieder zurückgehen.

Bildung als Schutzfaktor

Wie schon in früheren Untersuchungen zeigt sich auch diesmal: Höhere Bildung geht mit geringerem wahrgenommenem Stress einher. Menschen mit höherem Bildungsabschluss gaben laut RKI häufiger hilfreiche Strategien wie Problemlösen an und seltener Verdrängung.

Zugleich verweist das Institut darauf, dass Möglichkeiten zur Stressbewältigung sozial ungleich verteilt sind. Mit höherer Bildung gingen oft auch mehr Selbstwirksamkeit, Kontrollgefühl, soziale Unterstützung und materielle Ressourcen einher.

Stressbelastung nimmt zu

Im Vergleich zum Panel aus dem Jahr 2014 hat die wahrgenommene Stressbelastung nach Angaben des RKI deutlich zugenommen. Dieser Trend zeige sich auch in anderen nationalen und internationalen Studien.

So verweist das RKI auf Zahlen der Techniker Krankenkasse: Danach stieg der Anteil der Menschen in Deutschland, die sich häufig oder zumindest manchmal gestresst fühlen, von 57 Prozent im Jahr 2013 auf 66 Prozent im Jahr 2025.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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