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Im Pool lauern mehr Keime, als du denkst

Schon ein paar Schlucke Poolwasser können Kinder krank machen – vor allem in Mini-Pools. Warum Experten trotzdem Entwarnung geben.

28.07.2026, 05:30 Uhr

Tote Insekten, Haare und Rückstände von Sonnencreme auf der Wasseroberfläche, dazu erste grüne Algen am Beckenrand: In so einem Gartenpool möchte kaum jemand baden. Doch selbst wenn das Wasser noch sauber wirkt, können sich darin Keime befinden, die Krankheiten auslösen. Das heißt nicht automatisch, dass Badegäste krank werden – ein Risiko besteht aber.

Welche Erkrankungen drohen?

Besonders häufig geht es um Magen-Darm-Infektionen. Eine aktuelle internationale Übersichtsarbeit zu Schwimmbädern nennt dabei vor allem Parasiten aus der Gruppe der Kryptosporidien als Ursache. Diese Einzeller können Bauchschmerzen, leichten Durchfall und teils auch Fieber hervorrufen und kommen mitunter ebenfalls in privaten Pools vor.

Wahrscheinlich noch öfter finden sich sogenannte Fäkalkeime wie Enterokokken oder Escherichia-coli-Bakterien (E. coli). Sie leben im Darm von Menschen und Tieren und sind meist harmlos. Bestimmte Varianten von E. coli können jedoch Übelkeit, Durchfall und Fieber verursachen.

Wie gelangen Keime ins Becken?

Ein kleiner Teil kann bereits im eingefüllten Wasser vorhanden sein, denn weder Leitungs- noch Grundwasser ist völlig steril – auch wenn die Belastung normalerweise gering ist. Häufiger gelangen Erreger aber durch Badende selbst ins Wasser, etwa über Urin oder Stuhlreste. Auch Tiere, zum Beispiel über Vogelkot, können Keime eintragen. Manche Mikroorganismen kommen zudem über die Luft.

„Wo Wasser ist, gibt es auch Leben“, sagt Iris Chaberny, Leiterin des Instituts für Krankenhaus- und Umwelthygiene am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Das sei zunächst nichts Ungewöhnliches und führe nicht zwangsläufig zu Erkrankungen. Panik sei daher nicht angebracht.

Im Pool planschen Krankheitserreger immer mit
Scheint die Sonne auf das Wasser und erwärmt es, können Mikroorganismen gut wachsen. (Archivbild) Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa

Wie stark sind private Pools belastet?

Dazu fehlen bislang belastbare Daten. Der Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal sagt, es gebe dazu praktisch keine Studien. Anders sei das bei öffentlichen Schwimmbädern, in denen Fachkräfte die Wasserqualität überwachen, oder bei natürlichen Badegewässern, wo die Keimbelastung gemessen wird.

Fest steht allerdings: Viele Gartenpools bieten Mikroorganismen gute Wachstumsbedingungen. Bei warmem Wetter und direkter Sonneneinstrahlung heizt sich das Wasser oft schnell auf – und genau das begünstigt ihre Vermehrung.

Hinzu kommt Schmutz. Wenn Kinder mit dreckigen Füßen von der Wiese ins Becken steigen, gelangen organische Stoffe ins Wasser. Auch Sonnencreme zählt dazu. Diese Stoffe dienen Keimen als Nährboden.

Wie kommen Erreger in den Körper?

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 zeigte, wie viel Poolwasser Menschen unbeabsichtigt schlucken. Erwachsene nahmen in einem US-Schwimmbad im Schnitt etwa zehn Milliliter pro Stunde auf, Kinder rund viermal so viel. Ein Kind schluckte sogar mehr als einen Viertelliter.

Damit es tatsächlich zu einer Infektion kommt, ist laut Bockmühl eine gewisse Keimmenge nötig. Erwachsene trinken beim Abkühlen im Pool meist keine größeren Mengen Wasser. Bei kleinen Kindern, die viel planschen und spielen, kann das Risiko jedoch höher sein. Zudem kann bei ihnen schon dieselbe Menge eher zu einer Erkrankung führen.

Eine weitere typische Folge häufigen Badens ist die Entzündung des äußeren Gehörgangs. Sie entsteht, wenn Wasser längere Zeit im Ohr bleibt und den schützenden Ohrenschmalz ausspült. Tanja Brunnert, Sprecherin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen, berichtet seit Beginn der Hitzewelle von mehr solchen Fällen bei Kindern, die viel getaucht sind. Ansteckend ist diese Entzündung allerdings nicht.

Erkennt man belastetes Wasser mit bloßem Auge?

Nicht unbedingt. Klares Wasser ist kein Beweis dafür, dass keine problematischen Mikroorganismen vorhanden sind, sagt Bockmühl. Umgekehrt gilt aber: Wenn Wasser über Wochen im Pool steht und sichtbar verschmutzt ist, ist es in der Regel auch belastet. Blätter oder Reste von Sonnencreme liefern zusätzlich Nährstoffe für Keime.

Wichtig ist auch die Ausstattung des Beckens. Kleine Pools ohne Pumpe und ohne Chlor bieten Mikroorganismen kaum Widerstand. Ist ein Pool hingegen mit Filter- und Desinfektionsanlage ausgestattet, ist die Wasserqualität meist deutlich besser, so Chaberny. Auch Brunnert empfiehlt besonders für Kinder Becken, in denen das Wasser aufbereitet wird.

Was können Poolbesitzer tun?

Das Umweltbundesamt rät dazu, den Pool abzudecken, mit einem Laubkescher zu reinigen, die Wände zu bürsten und das Wasser zu filtern. Bei Bedarf können auch Chemikalien wie Chlor eingesetzt werden.

Gerade bei kleineren Becken hilft auf Dauer aber oft nur ein Wasserwechsel. Zum Vergleich: In öffentlichen Schwimmbädern werden pro Badegast täglich rund 30 Liter Wasser durch frisches ersetzt. Das ist allerdings schwierig, wenn Kommunen – wie derzeit etwa München oder Landau – das Befüllen von Pools mit Leitungswasser untersagen. Andere Orte wie Hille, Hüllhorst, Bad Oeynhausen und Löhne in Ostwestfalen raten wegen Wasserknappheit ebenfalls davon ab.

Bockmühl formuliert es in seinem Buch Keim daheim so: Ohne Wasser können Keime nicht überleben. Wer sie loswerden wolle, müsse ihnen „den Hahn abdrehen“. Vor allem das Wasser aus kleinen aufblasbaren Planschbecken lasse sich am Abend immerhin noch sinnvoll zum Blumengießen nutzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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