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Schock: Gunther von Hagens ist gestorben

Schock-Nachricht: Gunther von Hagens ist tot – der berühmte Leichenpräparator starb im Alter von 81 Jahren.

27.07.2026, 11:44 Uhr

Der Mediziner und Leichenpräparator Gunther von Hagens ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 81 Jahren, wie seine Familie in Heidelberg mitteilte. Zuvor hatten bereits mehrere Medien über seinen Tod berichtet.

Von Hagens wurde weltweit vor allem durch seine „Körperwelten“ bekannt. In den 1970er Jahren entwickelte er in Heidelberg die Technik der Plastination, mit der menschliche und tierische Körper dauerhaft als anatomische Präparate konserviert werden können. Die Methode machte ihn international berühmt – und zugleich zu einer der umstrittensten Figuren der Anatomie.

Nach Angaben aus seinem Umfeld litt von Hagens seit vielen Jahren an Parkinson. Die Diagnose erhielt er bereits 2008. Damals hatte er nach eigenen Worten zunächst nur noch mit wenigen Jahren Lebenszeit gerechnet, später zeigte er sich aber zuversichtlicher. Wegen der Krankheit zog er sich zuletzt weitgehend aus dem operativen Geschäft zurück. Seine Ehefrau Angelina Whalley übersetzte ihn schon seit längerer Zeit, weil seine Sprache durch die Erkrankung stark beeinträchtigt war. Sein Sohn Rurik von Hagens und Whalley führen seine Arbeit weiter.

Eigener Körper soll plastiniert werden

Nach Angaben der Familie entsprach es von Hagens’ ausdrücklichem Wunsch, auch seinen eigenen Körper nach dem Tod plastinieren zu lassen. Die Angehörigen wollten diesen Wunsch respektieren und umsetzen. Schon früher hatte er erklärt, darin eine konsequente Fortsetzung seiner Überzeugungen und seines Lebenswerks zu sehen. Seine Frau hatte dazu einmal gesagt, sie brauche dafür Zeit – von Hagens solle nicht sofort, sondern erst später präpariert werden.

Arbeit mit dem Tod prägte seinen Blick aufs Leben

Die ständige Beschäftigung mit Vergänglichkeit beeinflusste nach eigenen Aussagen auch seinen Blick auf das Leben. Noch im Januar 2025 beschrieb von Hagens das Leben als Ausnahme und den Tod als das Normale. Gerade die Endlichkeit gebe dem Leben Bedeutung, lautete seine Überzeugung.

Geboren wurde er 1945 bei Posen (Poznan) im heutigen Polen als Gunther Liebchen. Später nahm er den Nachnamen seiner ersten Ehefrau an. 1965 begann er in Jena Medizin zu studieren. In der DDR geriet er in politische Haft und wurde später von der Bundesrepublik freigekauft. Anschließend promovierte er an der Universität Heidelberg.

Seit den 1970er Jahren arbeitete er an der Weiterentwicklung der Plastination. 1993 gründete er in Heidelberg das Institut für Plastination. Seine „Körperwelten“ verstand er selbst als Anatomieausstellung, mit der Menschen ihren eigenen Körper besser verstehen sollten.

Kritik an öffentlichen Ausstellungen

Seine Ausstellungen lösten über Jahrzehnte heftige Debatten aus. Kritiker warfen ihm vor, mit der öffentlichen Präsentation menschlicher Körper die Menschenwürde zu verletzen. Vor allem die großen Kirchen lehnten die Schauen ab. Die evangelische Kirche sprach von einem würdelosen Umgang mit Verstorbenen. Die Städte Augsburg und Köln untersagten ihm zudem die Darstellung einer Sexszene mit Leichen.

In den „Körperwelten“ werden die Präparate in sehr unterschiedlichen Posen gezeigt – etwa als Sportler, Denker oder in Alltagsszenen. Zu sehen sind junge und alte Körper, gesunde und kranke, teils auch schwangere Tote. Dabei sind Hautschichten entfernt, sodass Muskeln, Organe und Nervenbahnen sichtbar werden.

Produktion in Guben und Körperspenderprogramm

2006 gründete von Hagens im brandenburgischen Guben die Gubener Plastinate GmbH, deren Geschäftsführer sein Sohn Rurik ist. Dort werden Präparate aus Körperspenden sowie Tierplastinate hergestellt. Besucher können den Prozess in einer gläsernen Werkstatt verfolgen.

Nach Unternehmensangaben wird ein großer Teil der Präparate nicht für Ausstellungen, sondern für Universitäten weltweit produziert. 2017 ging aus Guben unter anderem ein rund 300 Kilogramm schweres Blauwalherz an ein Museum in Kanada.

Die menschlichen Plastinate stammen aus einem Körperspenderprogramm. Menschen legen dabei zu Lebzeiten fest, dass ihr Körper nach dem Tod wissenschaftlichen Zwecken dienen soll. Nach früheren Angaben des Instituts waren 2017 rund 16.680 Menschen in diesem Programm registriert. Die weltweite Konzeption der Ausstellungen verantwortet Angelina Whalley.

Auch das Plastinarium am Berliner Alexanderplatz, das 2015 eröffnet wurde, sorgte für Streit. Der Bezirk Mitte wollte die Ausstellung zunächst verhindern, weil die konservierten Körper aus seiner Sicht weiterhin als Leichen galten und bestattet werden müssten. Nach Gerichtsentscheidungen wurde die Schau angepasst.

Markenzeichen Hut und ein Leben gegen Widerstände

Zu von Hagens’ Markenzeichen gehörte sein schwarzer Hut, den er nach Angaben seiner Frau möglichst oft trug – sogar zu Hause. Whalley erklärte das mit dem Selbstverständnis ihres Mannes, bewusst anders zu sein. Geprägt worden sei er auch durch seine Bluterkrankheit. Anerkennung aus der Fachwelt habe er sich eher gegen Widerstände erarbeiten müssen.

Seine Familie beschreibt ihn als jemanden, der Grenzen nie einfach akzeptierte. Von Hagens selbst sah die Kontroversen um seine Arbeit stets auch als Beleg dafür, dass seine Ausstellungen Menschen berührten und Diskussionen auslösten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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