Nachdem der Eichenprozessionsspinner in diesem Sommer bereits in weiten Teilen Deutschlands für Probleme gesorgt hat, wächst nun auch in Dänemark die Sorge. Kaum ein Tag vergeht dort ohne neue Berichte über die Tiere, die wegen ihrer gesundheitsschädlichen Brennhaare häufig als „Höllenraupen“ bezeichnet werden. Nach Einschätzung des Norwegischen Instituts für Naturforschung (Nina) könnte sich der Schädling sogar bis nach Norwegen ausbreiten.
Odense besonders stark betroffen
Derzeit gilt Odense auf der Insel Fünen als Schwerpunkt des Befalls. Nach Angaben des Waldökologen Hans Peter Ravn gegenüber der Zeitung Politiken hängt die starke Ausbreitung dort vermutlich mit aus Deutschland eingeführten Eichen zusammen, auf denen die Falter bereits Eier abgelegt hatten. In Kopenhagen wurden die ersten Tiere Anfang Juli nachgewiesen.
Brennhaare können Menschen und Tiere belasten
Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um einen eher unauffälligen Nachtfalter. Seine rund drei Zentimeter langen Raupen bewegen sich typischerweise in langen Reihen über Eichenstämme und Äste. Das dänische Natur- und Tierschutzministerium weist darauf hin, dass jede Raupe Zehntausende feine Brennhaare entwickeln kann. Diese können Juckreiz, Hautreizungen und Ausschläge auslösen, in seltenen Fällen auch Atemprobleme.
Die Raupen verpuppen sich später und entwickeln sich zu Faltern. Gefährlich bleiben jedoch auch die leeren Gespinste sowie die zurückbleibenden Brennhaare. Werden sie vom Wind verweht, können sie auf die Haut, in die Augen oder in die Atemwege gelangen.

Wärmeres Klima begünstigt die Ausbreitung nach Norden
Ursprünglich stammt der Eichenprozessionsspinner aus Südosteuropa. Während er in Deutschland früher nur selten vorkam, hat er sich in den vergangenen Jahren stark verbreitet. Nach Angaben der Universität Kopenhagen wird die Art inzwischen immer weiter nördlich beobachtet, unter anderem in den Niederlanden und in Dänemark.
In Odense mussten wegen des Befalls sogar Teile des Zoos geschlossen werden. Die Behörden bekämpfen Raupen und Nester dort mit Klebemitteln und speziellen Sauggeräten. Der Zoo kündigte außerdem an, Nistkästen für Meisen aufzuhängen, da die Vögel die Raupen fressen.
Auch Schweden und Norwegen beobachten die Entwicklung
Auch im benachbarten Schweden wird mit einem Auftreten der Raupen gerechnet. Der Ökologe Mats Wirén aus Malmö sagte dem Sender Sveriges Radio, es sei sehr wahrscheinlich, dass der Schädling den Öresund überqueren werde.
Der Nina-Forscher Anders Endrestøl hält es zudem für möglich, dass der Eichenprozessionsspinner künftig auch in Norwegen auftaucht. Durch die steigenden Temperaturen könne sich die Art auf natürlichem Weg weiter nach Norden ausbreiten. Ebenso sei eine Einschleppung über importierte Eichen denkbar, ähnlich wie offenbar in Dänemark.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber