Bayern

Israel-Anstecker: Mann bei Angriff schwer verletzt

Israel-Flagge am Revers – dann eskaliert die Nacht bei Würzburg: Ein 20-Jähriger spricht ihn an und greift brutal an.

21.07.2026, 14:48 Uhr

Mann mit Israelflagge in Unterfranken schwer verletzt

In Höchberg bei Würzburg ist ein 65-jähriger Mann offenbar wegen einer am Revers getragenen Israelflagge angegriffen und schwer verletzt worden. Nach Angaben von Polizei und Generalstaatsanwaltschaft München gehen die Ermittler von einer israelfeindlichen beziehungsweise antisemitischen sowie islamistischen Motivation des 20 Jahre alten Angreifers aus. Das Verfahren wegen versuchten Mordes wurde vom zentralen Antisemitismusbeauftragten der bayerischen Justiz übernommen.

Der tatverdächtige 20-Jährige mit syrischer Staatsangehörigkeit wurde noch am Tatort festgenommen und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Nach Behördenangaben war er in der Vergangenheit bereits strafrechtlich unter anderem wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten.

Dem Verdächtigen wird vorgeworfen, den Mann unter anderem gegen den Kopf getreten zu haben. Der Angriff ereignete sich am späten Sonntagabend. Lebensgefahr besteht für das Opfer nach aktuellem Stand nicht. Bei der Festnahme wurde zudem ein Polizeibeamter leicht verletzt.

Opfer gehört zur Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) mitteilte, handelt es sich bei dem Schwerverletzten um ein Mitglied des Würzburger DIG-Kreisverbands. Demnach sei der Mann wegen seines Ansteckers mit israelfeindlichen Äußerungen konfrontiert und während des Gesprächs plötzlich ins Gesicht geschlagen worden.

Nach Darstellung der DIG trat der Angreifer weiter brutal auf Kopf und Körper des Mannes ein, obwohl dieser bereits wehrlos am Boden lag. Das Opfer habe unter anderem Kopfverletzungen und einen Knochenbruch erlitten und werde auf der Intensivstation behandelt.

Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) erklärte, seine Gedanken seien bei dem Schwerverletzten, der in der Stadt lebt. Wenn ein Mensch offenbar schon wegen des Tragens eines Israel-Ansteckers angegriffen werde, sei das ein unerträglicher Angriff auf demokratische Grundwerte und die offene Gesellschaft. Antisemitismus habe in Würzburg keinen Platz, betonte Heilig. Man werde nicht wegschauen.

DIG-Präsident Volker Beck zeigte sich schockiert über die Tat und forderte eine rasche und harte Bestrafung des Verdächtigen. Wer sich als Freund oder Freundin Israels oder als jüdisch erkennbar mache, müsse um sein Leben bangen, warnte Beck. Das dürfe nicht toleriert werden. Demokratinnen und Demokraten müssten einem Klima, das solche Gewalttaten begünstige, klar entgegentreten.

Zentralrat der Juden fordert volle Ausschöpfung des Rechtsstaats

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, forderte, die Möglichkeiten des Rechtsstaats zur Ahndung eines solchen Verbrechens vollumfänglich auszuschöpfen. Diese brutale Gewalttat geschehe nicht im luftleeren Raum, erklärte er. Einschlägige Statistiken belegten eine Verfestigung antisemitischer Vorfälle auf Rekordniveau. Eine Trendumkehr werde Politik und Zivilgesellschaft große Anstrengungen abverlangen.

Dem Opfer des Angriffs wünschte Schuster eine schnelle und vollständige Genesung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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