Neues Zentrum für Infektionsmedizin an der LMU in München eröffnet
An der Ludwig-Maximilians-Universität München ist in Großhadern ein neues Zentrum in Betrieb gegangen, das Forschung und Diagnostik in der Infektionsmedizin enger zusammenführt. Patientenproben aus dem Operationssaal gelangen dort per Rohrpost in wenigen Minuten ins Labor, wo sie weitgehend automatisiert verarbeitet und untersucht werden. Das soll schnellere Diagnosen und damit auch eine zügigere Behandlung im benachbarten LMU-Klinikum ermöglichen.
Zugleich soll der Neubau die Voraussetzungen verbessern, um auf mögliche künftige Pandemien vorbereitet zu sein. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) bezeichnete das Zentrum bei der Eröffnung als bedeutendes Vorzeigeprojekt für den Wissenschaftsstandort Bayern. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre habe sich gezeigt, dass ein rasches Verständnis von Erregern entscheidend sein könne, um Leben zu retten. Der Freistaat Bayern finanzierte den Neubau für das Max von Pettenkofer-Institut mit rund 36 Millionen Euro. Auch Bauminister Christian Bernreiter (CSU) sprach von einem wichtigen Schritt.
Enge Verbindung von Forschung und Versorgung
Mit dem Neubau "MaxP3", dem dritten Gebäude für das Pettenkofer-Institut, sei ein Ort entstanden, an dem Virologie, Mikrobiologie und klinische Anwendung eng verzahnt seien, sagte Blume. Ziel sei es, Erkenntnisse möglichst direkt in die Patientenversorgung zu übertragen.
In dem Gebäude werden unterschiedliche Krankheitserreger untersucht, darunter Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Dafür stehen Labore mit mehr als 1.100 Quadratmetern Fläche zur Verfügung. Die gesamte Nutzfläche des Gebäudes beträgt 2.245 Quadratmeter.

Nach Angaben der LMU arbeiten dort rund 90 Menschen, darunter Medizinerinnen und Mediziner, Forschende sowie technisches Fachpersonal.
Proben schneller im Labor
Besonders hervorhoben die Minister die neue Rohrpostanlage. Sie macht längere Transportfahrten mit Proben in frühere Labore in der Innenstadt überflüssig. Im neuen Zentrum werden die Proben in einer modernen Anlage auf Nährmedien aufgebracht, anschließend über Fördertechnik weitergeleitet und analysiert. Bei der Auswertung großer Datenmengen soll zudem Künstliche Intelligenz unterstützen.
Hochsicherheitslabor für sensible Untersuchungen
Zum Zentrum gehört außerdem ein etwa 100 Quadratmeter großes Hochsicherheitslabor der Stufe 3. Dort können Erreger untersucht werden, bei denen besondere Schutzvorkehrungen für Mitarbeitende und Umwelt nötig sind, etwa Tuberkulosebakterien.
Auch hochgefährliche Krankheiten wie Ebola könnten dort diagnostiziert werden. Eine Behandlung infizierter Patientinnen oder Patienten müsste jedoch auf einer speziellen Isolierstation erfolgen.
Zusätzlich verfügt das Gebäude über eine Biobank mit Stickstoff-Kryokonservierung sowie Lagerkapazitäten bei minus 80 Grad, um Proben langfristig tiefzukühlen. Ein Impfstützpunkt mit zwei Behandlungsräumen und einem Wartebereich ist ebenfalls Teil der neuen Einrichtung.
Zwei nationale Referenzzentren im Neubau
Im Gebäude sind zudem zwei nationale Referenzzentren untergebracht. Eines befasst sich mit Helicobacter pylori, einem Magenbakterium, das mit verschiedenen Krebsarten in Zusammenhang gebracht wird. Das zweite ist auf Retroviren wie HIV spezialisiert, die ihr Erbgut dauerhaft in die DNA infizierter Wirtszellen einbauen können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion