Wirtschaft

DIW warnt: Drohen Job-Schock, Inflation und Rezession?

DIW warnt vor harten Zeiten: Preise rauf, Jobs wackeln – und der Tankrabatt soll alles nur noch schlimmer machen.

10.06.2026, 14:25 Uhr

Mit Blick auf den Ölpreisanstieg und den Krieg im Iran warnt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einem Rückschlag für die deutsche Wirtschaft. Die Ökonomen senken ihre Prognose deutlich: Für 2026 rechnen sie nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent, für 2027 mit 0,8 Prozent. Damit liegen die Erwartungen jeweils etwa einen halben Prozentpunkt unter den bisherigen Annahmen.

Nach Einschätzung des Instituts hat der Konflikt im Iran die wirtschaftliche Erholung gebremst, noch bevor sie sich dauerhaft festigen konnte. Höhere Preise für Öl und Gas verteuerten das Leben, belasteten die Kaufkraft der Haushalte und sorgten zugleich für mehr Unsicherheit. Das DIW geht deshalb davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal leicht schrumpfen dürfte, ehe sich die Lage gegen Jahresende etwas stabilisiert.

Inflation wohl über EZB-Ziel

Auch Verbraucher müssen sich laut DIW auf stärkeren Preisdruck einstellen. Die Inflationsrate könnte demnach 2026 bei 2,9 Prozent und 2027 bei 3,0 Prozent liegen. Damit läge sie jeweils über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Zuletzt hatte die Teuerung in Deutschland 2,6 Prozent betragen.

Am Arbeitsmarkt erwarten die Forscher ebenfalls eine leichte Eintrübung: Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 auf 6,4 Prozent steigen und 2027 wieder auf 6,2 Prozent zurückgehen.

Eine neue Energiekrise wie in den Jahren 2022 und 2023 infolge des Ukraine-Kriegs sieht das Institut allerdings nicht. DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik betont, der aktuelle Schock falle geringer aus. Die Energieversorgung sei weiterhin gesichert, zudem sei Deutschland inzwischen weniger abhängig von fossilen Importen als noch zu Beginn des Ukraine-Kriegs.

Fratzscher gegen längeren Tankrabatt

Dass die deutsche Wirtschaft trotz der Belastungen überhaupt noch wächst, führt das DIW vor allem auf die milliardenschweren Sondervermögen zurück. Vor allem höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur wirkten stabilisierend. Der private Konsum und die exportorientierte Industrie kämen hingegen nur langsam voran.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert daher gezielte Hilfen für Menschen mit niedrigen Einkommen. Als Beispiel nennt er eine Energiekostenpauschale, wie es sie bereits 2022 gab. Eine Verlängerung des Tankrabatts lehnt er dagegen klar ab. Dieser sei teuer, wenig treffsicher und begünstige vor allem Mineralölunternehmen. Die Bundesregierung solle diesen Fehler nicht wiederholen und den Tankrabatt daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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