Müller-Gründer stellt Führung breiter auf
Erwin Müller will auch mit 94 Jahren weiterhin Einfluss auf die Entwicklung seiner Drogeriemarktkette nehmen. Gleichzeitig zieht sich der Unternehmensgründer teilweise aus dem operativen Tagesgeschäft zurück: Künftig führt Sascha Zahner gemeinsam mit ihm die Müller Handelsgruppe, wie das Unternehmen in Ulm bekanntgab.
Mit Zahner rücke ein langjähriger und bewährter Manager aus der bisherigen Führungsriege an Müllers Seite. Bislang hatte Müller die Position des Geschäftsführers allein inne. Der Unternehmer wurde im September 94 Jahre alt.
Nach Angaben des Unternehmens möchte sich Müller in seinem 95. Lebensjahr stärker auf die zentralen unternehmerischen Weichenstellungen konzentrieren. Durch die Ernennung Zahners werde die Führung des Konzerns auf eine breitere Basis gestellt. In Deutschland zählt Müller damit zu den wenigen Unternehmern, die auch in diesem Alter noch Verantwortung für ein Unternehmen dieser Größenordnung tragen.
An der siebenköpfigen Geschäftsleitung unter Sprecherin Elke Menold ändert sich nichts. Sie gilt als enge Vertraute der Familie und vertritt das Unternehmen intern wie extern. Menold betonte: "Wir sind und bleiben ein Familienunternehmen." Das Gremium berichtet weiterhin an Erwin Müller, der laut einer früheren Mitteilung die maßgebliche Instanz im Unternehmen bleibt.
Müller verkauft schon lange nicht mehr nur klassische Drogerieartikel. Zum Sortiment gehören inzwischen auch Spielwaren, Schreibwaren, Haushaltsprodukte und Multimedia-Artikel. Der Konzern beschäftigt rund 35.500 Menschen und betreibt mehr als 950 Filialen. Gemeinsam mit Rossmann, dm und regional vor allem im Norden mit Budni zählt Müller zu den großen Namen der Branche. Nach der Insolvenz von Schlecker im Jahr 2012 festigte sich diese Marktstruktur.

Vom Friseursalon zum Handelskonzern
Der aus München stammende Erwin Müller ist gelernter Friseur. Nach Unternehmensangaben eröffnete er 1953 in der elterlichen Wohnung im bayerischen Unterfahlheim bei Ulm seinen ersten Salon, den er später nach Neu-Ulm verlegte. 1966 begann er dort zusätzlich Kosmetik- und Drogerieprodukte anzubieten.
Einen entscheidenden Impuls erhielt das Konzept 1969: Von einer Reise durch Kanada und die USA brachte Müller die Idee moderner Drugstores mit, die Waren des täglichen Bedarfs in Selbstbedienung verkaufen. 1973 eröffnete er schließlich in Ulm seinen ersten reinen Drogeriemarkt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber